Schleppende Bauvorhaben in Thüringer Bundeswehr-Kasernen: Was das Land das Problem lösen will
Bundeswehr
Bauvorhaben in Kasernen dauern zu lange: Wie das Land das Problem lösen will
Stand: 17.07.2026 20:59 Uhr
Bauvorhaben in Thüringer Bundeswehr-Kasernen gehen nur schleppend voran. Neue Unterkünfte werden benötigt, alte Gebäude müssen saniert werden. Doch es hakt bei der Thüringer Bauverwaltung, die dafür zuständig ist. Eine Neuorganisation soll helfen, Planungen und Bauarbeiten zu beschleunigen.
von Dirk Reinhardt, MDR THÜRINGEN
Wir brechen auf in eine neue Welt. Nicht weniger als das sollte der erste Spatenstich am 1. Juli in der Werratalkaserne in Bad Salzungen wohl symbolisieren. Das Thüringer Polizeiorchester intonierte die Titelmusik des Filmepos "1492 - die Eroberung des Paradieses", als der Thüringer Infrastruktur-Minister Steffen Schütz (BSW) mit Vertreter aus Land, Kommune und Bundeswehr zum Spatenstich schritt.
Zehn Jahre Planung für neue Unterkünfte
Oberstleutnant Jan Cihar beim Spatenstich-Zeremoniell am 1. Juli in der Werrtalkaserne
Dabei ging es hier doch nur um zwei Gebäude mit Wohnräumen für insgesamt 278 Soldaten und Soldatinnen. Oberstleutnant Jan Cihar, Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 391 und Chef in der Werratalkaserne, ordnet in seiner Begrüßungsrede ein: "Den Spatenstich heute feiern wir nach langjähriger Planungszeit für die zwei Gebäude, die nun im Jahr 2029 fertig werden. Ursprünglich war die Fertigstellung einmal für das Jahr 2023 avisiert. Ein gutes Beispiel für die bisher üblichen Verzögerungen in Bundesbauprojekten."
Bundesbau-Projekte sind "komplex"
Neubauten bei der Bundeswehr dauern lange. Auch wenn die zehn Jahre Planungszeit in der Werratalkaserne eher die Ausnahme seien, wie Oberst Silvio Koch im Gespräch mit MDR THÜRINGEN erklärt. Für so ein Projekt in Massivbauweise mit Investitionen im zweistelligen Millionenbereich vergingen im Durchschnitt fünf bis sieben Jahre, so der Abteilungsleiter im Bundesamt für Infrastruktur, Umwelt und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUD). Bundesbau-Maßnahmen seien eben komplex. In Bad Salzungen hätten unter anderem neue Bundesgesetze zum nachhaltigen Bauen und die zwischenzeitlich beschlossene personelle Vergrößerung der Bundeswehr mehrfach Neuplanungen notwendig gemacht, und die Corona-Pandemie habe für weitere Verzögerungen gesorgt.
Zu geringe Kapazitäten im Landesamt
Aber "als Allererstes ist es sicherlich immer eine Personalfrage derjenigen, die das umsetzen müssen, also einer Bauverwaltung", so Koch. Ein Fingerzeig auf einen der Hauptfaktoren für Sanierungsstau und jahrelange Planungsprozesse in den Thüringer Bundeswehr-Standorten. Für den Bundesbau im Freistaat ist das Landesamt für Bau und Verkehr zuständig. Und dem fehlte es nach Auskunft des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur an personellen Kapazitäten - also etwa an Planern und Bauingenieuren, die die Projekte umsetzen. Denn das Landesamt ist nicht eben nicht nur für Neubauten oder Sanierungen von Gebäuden in den Bundeswehr-Kasernen im Freistaat zuständig, sondern auch für Baumaßnahmen des Landes.
Oberst Silvio Koch (BAIUD) mit Thüringens Infrastruktur-Minister Steffen Schütz (BSW) bei einem Besuch in der Werratalkaserne im August 2025
Neue Abteilung soll sich auf Bundeswehr-Projekte konzentrieren
Bei einem Besuch vor gut einem Jahr in der Werratalkaserne hatte Infrastruktur-Minister Steffen Schütz (BSW) Abhilfe versprochen. Und meldete am 1. Juli dieses Jahres beim Spatenstich in der Werratalkaserne sozusagen Vollzug. Am selben Tag sei im Landesamt eine Abteilung Bundesbau gegründet worden, die sich vorrangig um Bundeswehr-Projekte kümmern werde, sagte Schütz.
Behelfsmäßige Sanitäranlagen vor Unterkünften in der Werratalkaserne in Bad Salzungen
Die Abteilung ist nach den Worten von Schütz durch Umorganisationen innerhalb des Landesamtes gebildet worden. Derzeit sei sie, so sein Sprecher David Kehrberg auf MDR-Anfrage, mit 80 Personen besetzt. Künftig sollen es seinen Angaben zufolge 122 sein.
LEG übernimmt Projekte
Entlastet werden soll das Landesamt für Bau und Verkehr auch durch die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG), einem landeseigenen Unternehmen, das sich vor allem um Wirtschaftsförderung kümmert, aber auch eigene Bauprojekte umsetzt. Die LEG soll die Betreuung und Umsetzung von Bauprojekten vom Landesamt für Bau und Verkehr übernehmen und an dessen Stelle realisieren. Man habe mit den ersten beiden Projekten begonnen, sagt LEG-Sprecher Holger Wiemers. Dabei handele es sich um einen Neubau für die Polizei in Sonneberg und die Sanierung eines Internats in Gotha.
Bei der Bundeswehr hofft man, so klingt es, dass die Bemühungen in Thüringen künftig zur Beschleunigung von Bauprojekten führen werden. Grundsätzlich habe man "die höhere Sensibilisierung des Landes Thüringen bei der Umsetzung von Infrastruktur-Maßnahmen für die Bundeswehr gemerkt", sagt Oberst Silvio Koch vom BAIUD. Doch Umstrukturierungen in Behörden kosteten bekanntlich Zeit.
92 Projekte auf der Bundeswehr-Liste
Und die drängt. Laut Koch stehen allein im BAIUD derzeit 92 Bauprojekte in den Thüringer Bundeswehr-Standorten auf der Vorhaben-Liste, die von der Thüringer Bauverwaltung umzusetzen wären. 624 Millionen Euro sollen bis 2035 für Unterkünfte, Fahrzeughallen, Ausbildungsanlagen und Wirtschaftsgebäude in Thüringen ausgegeben werden.
So viel will die Bundeswehr in Thüringer Standorte investieren. Hier Beispiele für einige Kasernen.
Koch findet auch anerkennende Worte für die Thüringer Bauverwaltung. Diese habe die Bundeswehr beim Sipgo-Programm sehr unterstützt. Dabei handelt es sich um Unterkünfte in Container-Modulen, wie sie die Bundeswehr beispielsweise in Afghanistan genutzt hat. Solche Unterkünfte sind nach MDR-Recherchen in nahezu allen Thüringer Bundeswehr-Kasernen geplant und sollen bis Herbst 2026 großteils fertig sein. Sie sollen unter anderem die zusätzlichen Soldatinnen und Soldaten aufnehmen, die sich die Bundesregierung von der am 1. Januar gestarteten flächendeckenden Erfassung potenzieller Wehrdienstleistender mittels Fragebogen erhofft.
Übergangslösungen gehen schneller
Vorangetrieben werde der Bau dieser temporäreren Unterkünfte auf Seiten des Landes von einer schon 2024 gegründeten "Task Force militärischer Bundesbau", so Ministeriumssprecher David Kehrberg. Diese dränge "auf eine agile Projektbearbeitung abseits der konventionellen Verfahren". Und es gehe voran - zum Beispiel in der Henne-Kaserne in Erfurt und der Pionier-Kaserne in Gera, wo in den kommenden Monaten Unterkünfte für zirka 700 Personen geschaffen werden sollen.
Geduld ist gefragt
Schützenpanzer "Puma"
Die Kommandeure in den Bundeswehr-Kasernen müssen sich aber wohl weiter in Geduld üben und mit Übergangslösungen leben. Drei der vier Unterkunftsgebäude in der Werratalkaserne hätten die Grenzen ihrer Nutzungsdauer erreicht, so Oberstleutnant Jan Cihar beim ersten Spatenstich am 1. Juli. Wann sie saniert würden, sei derzeit noch unklar, aber immerhin gebe es bald Ersatzunterkünfte in Containerbauweise. Und für die neuen Schützenpanzer "Puma", die das Bataillon ab dem kommenden Jahr bekommen solle, würden zunächst Leichtbau-Hallen errichtet. Die eigentlich vorgesehenen Garagen sollten laut derzeitiger Planung im Jahr 2031 fertig sein.
MDR (dr)