Schneiderin näht Dirndl in 40 Stunden – und zeichnet jeden Schnitt selbst
Stand: 14.07.2026, 07:00 Uhr
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Lucia Stolz aus Isen fertigt Maßdirndl an und gibt Nähkurse im Heimatmuseum Thal. Die 63-Jährige zeichnet für jede Kundin einen eigenen Schnitt nach Maß.
Isen – Sie hat ihre Leidenschaft für Trachten zum Beruf gemacht: Lucia Stolz ist Damenschneidermeisterin aus Isen, fertigt Dirndl auf Wunsch an und zeigt in Kursen, wie das Nähen des Traditionsgewands geht.
„Tracht ist nichts Statisches“
Am 14. Juli wird in Bayern zum dritten Mal der Tag der Tracht gefeiert. Anlass sei es, die lebendige Trachtenkultur und das traditionelle Handwerk in den Mittelpunkt zu rücken, so Heimatminister Albert Füracker in einer Pressemitteilung. Im Landkreis Erding spielt dabei vor allem die Miesbacher Tracht eine Rolle. Eine eigene Erdinger Tracht gebe es nicht, erklärt Kreisheimatpflegerin Sandra Angermaier. Regionaltypische Trachten, wie sie heute bekannt sind, entstanden erst um 1900. Zuvor diente Kleidung vor allem als Ausdruck des sozialen Standes. Dass sich Trachten verändern, sei dabei nichts Neues. „Tracht ist nichts Statisches, sondern hat sich immer verändert“, betont sie. Einen neuen Aufschwung erlebte die Tracht in den 2000er Jahren. „Damals sind Trachten wieder in geworden“, sagt die Kreisheimatpflegerin. Für Angermaier gehört Veränderung zur Tracht dazu. Neue Formen sollten deshalb nicht abgewertet werden. Entscheidend sei vielmehr, dass Tracht Menschen zusammenbringe und Brauchtum sowie Tradition lebendig halte.
Der heutige „Tag der Tracht“ ruft dazu auf, Trachten auch im Alltag zu tragen. „Im Alltag trage ich keine Dirndl – aber immer zu besonderen Anlässen“, erklärt Stolz. Dazu zählen für sie Volksfesttage oder andere Festlichkeiten. „Für mich ist ein Dirndl schon immer noch etwas Besonderes.“
Bereits seit zehn Jahren gibt Stolz Kurse, in denen sie zeigt, wie man ein Dirndl näht. Gemeinsam mit Michaela Heiner-Weber aus Kirchberg bietet sie im Heimatmuseum Thal Dirndl-Nähkurse an. Sie zeigen den Kursteilnehmerinnen an sechs Abenden, wie das Traditionskleid entsteht. Dabei gebe es nicht die eine typische Teilnehmerin, sagt Stolz. Die älteste sei 73 Jahre alt gewesen, die jüngste 13.
„Ich lasse keine Teilnehmerin hinausgehen, wenn sie nicht zufrieden ist“, betont sie. „Ein Dirndl soll sitzen“ und die Vorzüge einer jeden Frau betonen. „Ich finde, ein Dirndl kann jede tragen“, sagt die Schneiderin. „Es ist einfach kleidsam an jeder Frau und Figur.“
„Ich schaue immer den Menschen an und gestalte danach das Dirndl“, erklärt sie. Gemeinsam blickt sie mit den Kursteilnehmerinnen auf die verschiedenen Modelle, und fertigt für jede einen eigenen Schnitt an. „Ich zeichne den Schnitt nach den Maßen einer jeden Kundin“, erklärt sie. Die Schneiderin zeigt den Nähanfängern den Zuschnitt, und „die einzelnen Nähschritte Schritt für Schritt“, bis dann das bayerische Gewand entsteht.
Die Leidenschaft zum Dirndlnähen habe sich mit der Zeit entwickelt, erzählt sie. Rund 40 Stunden benötige sie, um ein Dirndl herzustellen. In jungen Jahren hat sich Stolz in Dorfen zur Damenschneiderin ausbilden lassen. „Damals war der Beruf so verpönt“, erzählt sie. Heute werde sie für ihr Können bewundert. Damals habe sie ihre Lehre mit Stoff und Leder gemacht – heute nutze sie dieses Wissen immer noch: „Deswegen kann ich auch Lederhosen abändern. Dazu braucht man eine spezielle Ledermaschine“, erklärt die 63-Jährige.
Knöpfe seien der klassische Verschluss für ein Dirndl, so Stolz. Generell gehe der Trend zur klassischen Form zurück. Weg von „den neckischen kurzen Dirndl aus Synthetikstoffen“ und zurück zum „Klassiker, den man sich in zehn Jahren noch anschauen kann“. Schlichte Farbkombinationen, ruhige Muster und Naturmaterialien seien angesagt. „Am liebsten ist mir möglichst wenig Synthetik – also Naturmaterialien wie Leinen, Baumwolle oder Wolle“, erklärt die Damenschneiderin.
Der Wert der Kleidung sei inzwischen gesunken, bedauert Stolz. Toll fände sie es, „wenn man ein Dirndl von der Oma bekommt und es sich abändern lässt“. Die Qualität der Tracht sei mit der heutigen nicht mehr zu vergleichen. Die Nachhaltigkeit der Kleidung liege ihr besonders am Herzen. Deshalb rät sie, mit einer neuen Bluse oder Schürze das alte Dirndl aufzupeppen. „Dann sieht der Look schon ganz anders aus.“
„Ich stehe mit Herzblut dahinter“, sagt die Dirndlschneiderin. Tracht zu tragen sei wichtig, betont sie. „Mit dem Tag der Tracht kommt es wieder in die Köpfe, ein Dirndl anzuziehen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.“