Vergessener Supersportwagen ist trotz Lamborghini-Logo kein Lamborghini
Schon mal von diesem Supersportwagen gehört?

Dieser vergessene Supersportwagen mit Lamborghini-V12 war das erste Serienauto mit Carbon-Monocoque. Die Rede ist vom MCA Centenaire!
Bild: Broad Arrow Auctions
- Jan Götze
04. Oktober 2026, 06:00 Uhr
Welcher Hersteller hat das erste Serienfahrzeug mit Carbon-Monocoque produziert? Klingt nach einer "Wer wird Millionär"-Frage, ist aber ernst gemeint. War es
Ferrari,
McLaren,
Jaguaroder womöglich doch
Pagani? Die überraschende Antwort: keiner von den genannten. Stattdessen kam ein Kleinstserienhersteller namens MCA den etablierten Namen zuvor. Das ist die mehr oder weniger unbekannte Geschichte des MCA Centenaire!
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MCA? Noch nie gehört? Dann befinden Sie sich vermutlich in guter Gesellschaft, denn heute ist der Kleinstserienhersteller aus Monaco vollkommen in Vergessenheit geraten. MCA steht für Monte Carlo Automobile und wurde 1985 vom Rennfahrer Fulvio Maria Ballabio gegründet. Für das Erstlingswerk holte Ballabio bekannte Namen an Bord.
So war der legendäre italienische Ingenieur Carlo Chiti, der unter anderem Ferrari zum ersten Formel-1-Konstrukteurstitel führte und für den legendären V8 des
Alfa Romeo 33Stradale verantwortlich war, der technische Leiter des ambitionierten Projekts, das gleichzeitig sein letztes werden sollte.

Zwischenzeitlich war dieser MCA Centenaire blau lackiert, mittlerweile trägt er wieder die Originalfarbe "Elfenbeinweiß".
Bild: Broad Arrow Auctions
Im Mai 1990 wurde der Centenaire erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, womit MCA Jaguar zuvorkam. Denn die Briten zeigten den XJR-15 erst im November desselben Jahres. Warum das wichtig ist? Der nach dem 100-jährigen Jubiläum des Automobile Club de Monaco benannte Centenaire war dadurch das erste "Serienauto" mit Carbon-Monocoque – einer Technologie, die bis dato nur im Motorsport zum Einsatz kam.
Angeblich wurden 16 Autos gebaut
Wie so häufig bei älteren Exoten ist die Informationslage auch zum Centenaire, der optisch an eine Mischung aus
LamborghiniCalá und
De TomasoGuara erinnert, extrem dünn. Das beginnt schon mit den Stückzahlen. Angeblich wurden bis 1996 insgesamt 16 Fahrzeuge des monegassischen Supersportwagens von Hand gebaut.

Lamborghini steht drauf, Lamborghini steckt drin: Der 5,2-Liter-V12 wurde von den Italienern zugeliefert und stammt aus dem Countach 5000 QV.
Bild: Broad Arrow Auctions
Angeblich entstanden aber nur fünf Exemplare in der ursprünglichen Form, denn im Laufe der Jahre wurde das Auto stetig optimiert und bekam sogar den neuen Namen Monte Carlo GTB. 1994 übernahm der Konzern Aixam MCA. Aus dieser Übernahme entstand wenige Jahre später der
Mega Monte Carlo, der allerdings ebenfalls ein Flop war und heute praktisch unbekannt ist.
V12 aus dem Lamborghini Countach
Ein Erfolg war der MCA Centenaire auch nicht. Daran konnte auch der aus dem
Lamborghini Countach5000 QV entliehene 5,2-Liter-V12 mit 455 PS nichts ändern. Die Kooperation mit der italienischen Traditionsmarke fädelte Ballabio übrigens höchstpersönlich ein. Und an Engagement mangelte es MCA nicht. 1993 ging der Hersteller aus Monaco sogar mit zwei Rennwagen bei den legendären 24 Stunden von Le Mans an den Start. Zwar erzielten die Autos keine nennenswerten Resultate, sollen aber Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 354 km/h auf der Mulsanne-Gerade erreicht haben.

Am gesamten Auto finden sich Lamborghini-Logos und -Schriftzüge wieder. Bei MCA war man offenbar sehr stolz auf die Kooperation.
Bild: Broad Arrow Auctions
Einst ein Flop, könnte sich der MCA aufgrund der geringen Stückzahlen jedoch zu einem Sammlerstück entwickeln. Das
Auktionshaus Broad Arrow Auctionsversteigert schon bald einen der seltenen monegassischen Supersportwagen. Bei dem angebotenen Exemplar soll es sich um das zweite jemals gebaute Exemplar handeln, das 1990 fertiggestellt und anschließend zu Ausstellungs- und Testzwecken genutzt wurde. 1992 ging der in Elfenbeinweiß lackierte MCA Centenaire an Lamborghini, die den Supersportwagen aufgrund des V12 im Heck in ihrem Museum ausstellten.

Auf dem bis 320 km/h reichenden Tacho stehen nach 36 Jahren gerade mal 1560 Kilometern Laufleistung. Viel wurde der MCA Centenaire also nicht gefahren.
Bild: Broad Arrow Auctions
Nach etwa zehn Jahren im Museum kaufte Gründer Ballabio das Auto zurück und ließ es blau lackieren, ehe der Centenaire im Jahr 2014 an den aktuellen Besitzer, einen französischen Sammler, ging. Dieser ließ den 455 PS starken Supersportwagen teilrestaurieren und in der Originalfarbe lackieren, fuhr das Auto aber offensichtlich nur sehr wenig, denn 36 Jahre nach der Präsentation stehen gerade einmal 1560 Kilo auf dem mit Lamborghini-Schriftzügen versehenen Tacho.
So viel könnte der Exot bringen
Am 9. Oktober wird dieser vergessene Supersportwagen im Rahmen der "The Zoute Concours Auction 2026" in Belgien versteigert. Der Schätzpreis liegt bei 900.000 bis 1.200.000 Euro. Viel Geld für einen unbekannten Sportwagen. Zu den ursprünglichen Besitzern eines MCA Centenaire sollen übrigens Roger Moore und Clay Regazzoni gehört haben.
Ich habe eine Schwäche für unbekannte Exoten aus den 1990er-/2000er-Jahren, weshalb ich auch den MCA Centenaire faszinierend finde. Ob mir das Auto eine Million Euro wert wäre, weiß ich allerdings nicht.
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