Frankreich nach dem Schulstart: Gymnasiasten fühlen sich durch das Handyverbot bevormundet
Schulstart in Frankreich: Der Nachwuchs kritisiert das neue Handyverbot an Gymnasien
Nach den Schülern der Sekundarstufe müssen nun auch die Gymnasiasten ihre Telefone wegsperren. Doch die Massnahme ist umstritten. Viele Schüler fühlen sich bevormundet, und die Umsetzung bleibt unklar.
Christine Longin, Paris03.09.2026, 18.00 Uhr
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Mit dem Handyverbot möchte Frankreich seine Jugend schützen. Doch diese fühlt sich bevormundet.
Christian Beutler / Keystone
Die «rentrée», der Schulbeginn nach den Sommerferien, ist jedes Jahr in Frankreich ein wichtiges Ereignis. Am 1. September besucht der Präsident traditionell eine Schule, um Kindern und Jugendlichen einen guten Start zu wünschen. Für die letzte «rentrée» vor dem Ende seiner Amtszeit wählte Emmanuel Macron ein Gymnasium in Mende aus, einer Kleinstadt im Zentralmassiv. Dort warb er für sein Handyverbot, das für die Oberstufe seit diesem Schuljahr gilt.
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«Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Telefone die Aufmerksamkeit der Schüler ablenken», begründete Macron die Massnahme, die er bereits im Wahlkampf 2017 angekündigt hatte. Als Mann einer ehemaligen Lehrerin hatte er das Handyverbot ebenso wie ein Verbot sozialer Netzwerke zu seinen Anliegen gemacht. Bildschirme und soziale Netzwerke seien gestohlene Zeit, so warnte er im Frühjahr. «Zeit, in der man keinen Sport macht und nicht liest.»
Im Juli verabschiedete die Nationalversammlung deshalb ein Gesetz, das sowohl Social Media für unter 15-Jährige als auch das Handy an Gymnasien verbietet. Frankreich sollte so das erste europäische Land werden, das die sozialen Netzwerke für Kinder und Jugendliche untersagt. Laut der Gesundheitsbehörde Santé publique France verbringen die 6- bis 17-Jährigen durchschnittlich mehr als vier Stunden täglich am Bildschirm.
Nur die halbe Reform
Was Tiktok und andere Plattformen angeht, musste der Staatschef allerdings vor drei Wochen einen Rückschlag hinnehmen: Der Verfassungsrat bemängelte einen «unverhältnismässigen Eingriff» in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit. Macron will den Text, der zu seinen letzten gesellschaftspolitischen Reformen gehört, nun nachbessern lassen. Das soll noch vor dem Ende seines Mandats im Mai passieren. Zur «rentrée» setzte er nur das Handyverbot an Gymnasien in Kraft, das der Verfassungsrat nicht beanstandet hatte.
Bereits 2018 hatte der Präsident ein Verbot von Handys in den Collèges, den Mittelstufen, durchgesetzt. Auch in den Grundschulen sind Telefone verboten. Dass die Massnahme nun auf die Lycées ausgeweitet wird, empfinden einige der Betroffenen als Bevormundung. «Ich finde das komisch. Wir sind alt und reif genug, um selbst zu entscheiden, wann wir das Telefon nutzen und wann nicht», sagte ein Oberstufenschüler im Fernsehen. Da die Abläufe in den Schulen digitalisiert sind, sehen die Gymnasiasten auf den Handys auch Stundenpläne ein, fragen Hausaufgaben ab und weisen sich damit in der Kantine aus.
Auch unter den Schulleitern wirft das Verbot Fragen auf. Die Umsetzung ist nämlich der Schulordnung der jeweiligen Schule unterworfen. Diese soll festlegen, wo auf dem Schulgelände Handys erlaubt sind und wie die Strafen aussehen, wenn das Verbot verletzt wird. Doch eine solche Regelung muss erst mit der Schülervertretung und dem Schulvorstand abgestimmt werden.
Viele Lycées wollen das Handy zwar im Klassenraum verbieten, aber im Pausenhof erlauben. «Sonst würden wir riskieren, dass die Schüler sich zur Pause auf dem Gehweg versammeln, was wiederum Sicherheitsprobleme verursachen würde», so warnte der ehemalige Rektor des Pariser Lycée Buffon, Bruno Bobkiewicz, in der Zeitung «Le Monde».
Laut einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr befürworten acht von zehn Franzosen ein Handyverbot an Schulen. Bei den Betroffenen hält sich die Begeisterung allerdings in Grenzen: In Mende lehnte eine grosse Mehrheit der Gymnasiasten die Massnahme ab. Daran konnte auch der Besuch des Präsidenten nichts ändern.
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