Schützenlisl: Das erste Fass von Hacker-Pschorr rollt an – „Wir bringen Biervielfalt auf die Oide Wiesn“
Stand: 16.09.2026, 20:00 Uhr
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In drei Zelten auf der Oidn Wiesn wurde zuletzt Augustiner aus dem Holzfass ausgeschenkt. Heuer gibt es eine Neuerung: In der Schützenlisl fließt erstmals Hacker-Pschorr. Ein Besuch.
Max Mirlach entert die Schützenlisl, das Holzfass auf der Schulter. Ehrensache, dass der Braumeister das erste Fassl höchstpersönlich auf die Oide Wiesn liefert. Immerhin ist es eine Weile her, dass hier Hacker-Pschorr ausgeschenkt worden ist. In Beppi Bachmaiers Herzkasperlzelt war die Brauerei über ein Jahrzehnt vertreten. Die Schützenlisl aber ist Hacker-Jungfrau. Hier floss bisher Augustiner – wie im Festzelt Tradition und der Boandlkramerei nebenan. Das neue Wirte-Trio aber läutet eine neue Ära ein.

Hacker-Pschorr goes Schützenlisl – Biervielfalt auf der Oide Wiesn wächst
„Wir bringen die Biervielfalt zurück“, sagt Lisl-Wirt Florian Fendt. „Die Oide Wiesn war anfangs ja nie als reines Augustiner-Dorf konzipiert.“ Darüber war sich das Trio vom Schlachthof gleich einig. Nur eine halbe Stunde hat‘s gedauert, da hatten Fendt, Manfred Kneifel und Michael Bietsch den Vertrag mit Josef Wildgruber von der Brauerei ausgehandelt.
„Wir fühlen uns sehr würdig repräsentiert“, sagt Wildgruber bei der feierlichen Übergabe des ersten Fassls und deutet auf die beleuchteten Hacker-Logos vorn an der Bühne. „Nach zwei Jahren Pause mit unserer Holzfasskompetenz wieder auf der Oidn Wiesn vertreten zu sein, freut uns ungemein.“

Schützenlisl: Schankkellner zapfen 100-Liter-Fässer an
Zum Einstand gibt‘s „nur“ ein Mini-Fassl mit 30 Litern. Das wuchtet Mirlach grad noch so auf die Schulter. Ab Samstag aber wird hier am Ganter aus dem 100-Liter-Holzfass ausgeschenkt. Randzeiten morgens und abends bestreitet die Schänke mit 50-Liter-Fässern. Denn, so das oberste Gebot, ein Holzfass soll nie lang offen sein. „Kippen“ kann das Bier nicht, aber lack wird‘s halt. Schon nach einer guten Viertelstunde lässt die Kohlensäure nach.
Die Schützenlisl feiert Geburtstag

Coletta Möritz war die „echte“ Schützenlisl. Am ersten Wiesn-Samstag würde sie heuer ihren 166. Geburtstag feiern. 1860 geboren, wurde Möritz mit 16 Jahren Biermadl im Münchner Sterneckerbräu. Maler Friedrich August von Kaulbach malte sie mit Bierkrügen balancierend auf einem Holzfass (siehe oben). Das Bild hing ab 1881 in der Bierbude „Zur Schützenlisl“ auf der Theresienwiese und machte Möritz zur ersten PR-Figur des Oktoberfests. Das Abbild der Kellnerin zierte bald auch Postkarten und Pfeifenköpfe.

Zu Kopf stieg der Ruhm der legendären Schützenlisl zeitlebens nicht: Möritz heiratete einen Wirt, bekam zwölf Kinder und führte mehrere Gasthäuser. Bevor sie 1953 starb, wurde ihr zu Ehren die Schützenlisl-Polka komponiert. Bis heute ein Wiesn-Hit!
Abfüllen und Wartung ist Handarbeit: Im Holzfass steckt Tradition und Physik
„Das Bier ist niedriger gespundet, enthält also nur seine biereigene Kohlensäure“, erklärt Braumeister Mirlach. „Außerdem fließt es – im Gegensatz zum Zapfen vom Tank – ja nicht mehr durch den Durchlaufkühler. Allein das Holzfass hält die Temperatur.“ Die Holzfässer werden bei null Grad gelagert. Zusätzlich setzen die Lisl-Wirte auf eine Neuheit: Nach dem Spülen werden die Keferloher gekühlt. „Dann hat der Steinzeugkrug unter‘m Zapfhahn nur zwei, drei Grad“, erklärt Fendt. Und so kommt das Bier vom Ganter selbst im höchsten Trubel mit acht Grad Trinktemperatur am Tisch an.
Das Holzfass – das ist Tradition pur! Und in deren Dienste, nimmt der Brauer einiges an Mehraufwand in Kauf. Bis zu 28.000 Liter fassen Biertanks auf der Wiesn. Etwa eine Dreiviertelstunde dauert da das Betanken. Egal, ob Tank oder Holzfass, das Oktoberfestbier von Hacker-Pschorr stammt aus dem gleichen Keller. Nur, beim Fassl braucht‘s mehr Handarbeit.

Etwa 250 100-Liter-Fässer und 500 50-Liter-Fässer umfasst der Bestand derzeit. Gereinigt werden sie mit Wasser und Säuren zur Desinfektion. Eine Art Sprinkleranlage hält sie feucht. Zwei Mitarbeiter, auch als Schäffler aktiv, kümmern sich in Langwied ums Befüllen.


150 Fässer pro Jahr zapft er an, schätzt Max Mirlach. Auch dieses Mal beim Anhocken in der Schützenlisl sitzt der Wechsel nach einem Schlag. Die Wirte stoßen an, mit ihrem Braumeister, Wiesn-Vertriebler Wildgruber und ihren Handwerkern – auf die Biervielfalt auf der Oidn Wiesn. (sco)