Schwarzbuch soll informieren
Stand: 14.07.2026, 18:51 Uhr
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VCD-Hessen liefert auf 30 Seiten Denkanstöße, Hintergründe und stellt mögliche Lösungen vor
Meckern über „die Bahn“ oder „den RMV“ greift meist zu kurz. Wer tiefer in die Materie eintaucht, erkennt: Den einen Schuldigen für die großen Probleme auf der Schiene gibt es nicht. Vor diesem Hintergrund hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Hessen erstmals ein „Schwarzbuch Bahn-Zustände in Hessen“ erarbeitet und der Frankfurter Rundschau vor der Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.
Es soll die Verantwortlichen im Bahnbetrieb kritisch begleiten und das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die im täglichen Betrieb eingebauten Schwachstellen schärfen, sagt Philipp Loth, der das Projekt mit Thomas Preuße federführend realisierte. Inspiriert von dem „Schwarzbuch des Steuerzahler-Bundes“ soll es Denkanstöße liefern, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit oder im Besitz der einzig wahren Lösung zu sein, sagt Loth.
Realität stimmt unzufrieden
Monate haben sich die beiden Hauptautoren mit weiteren Ehrenamtlichen des VCD und des Fahrgastverbands Pro Bahn tief eingegraben, auch die Expertise Fachkundiger aus Hessen und benachbarten Bundesländern zusammengetragen. Was sie verbindet, ist die Überzeugung, dass Bahnfahren klimafreundlich ist und im Vergleich mit Auto und Flugzeug grundsätzlich entspannend. Was sie antreibt, ist der Wille, dass es besser werden muss: „Wer Termine einzuhalten hat oder als Pendler einfach nur pünktlich im Büro oder zu Hause sein möchte, dem bietet die heutige Bahnrealität auch in Hessen wenig Anlass zur Zufriedenheit“, sagt Loth.
Auf 30 Seiten identifiziere das Schwarzbuch Strecke für Strecke die Schlüsselprobleme im hessischen Bahnbetrieb und skizziere auch mögliche Lösungsansätze. „Unser Ziel ist nicht, die Probleme im Bahnverkehr als Selbstzweck zu benennen, sondern Verbesserungen für die Menschen anzustoßen, die täglich mit Bus und Bahn unterwegs sind.“

„Im Bahnbetrieb gibt es viele Zwänge, die ein Fahrgast nicht kennt“, ergänzt Thomas Preuße. „Man möchte eigentlich nur pünktlich von A nach B kommen.“ Statt Vogel-Strauß-Taktik brauche es eine gemeinsame Kraftanstrengung.
Die Verkehrsunternehmen etwa müssten ihre Fahrzeugkapazitäten an dem Bedarf ausrichten, den das Deutschlandticket verändert hat. Wer die Liste mit den meisten Mängeln anführt, ist unschwer zu erraten: Die für Infrastruktur zuständige DB InfraGo. Verantwortlich für die Besetzung von Stellwerken, Baustellenkommunikation, Schienenersatzverkehr und lange Streckensperrungen, die vermehrt spontan verlängert werden.

Ganz vorne bei den besonders kritischen Strecken in Hessen: die Main-Weser-Bahn, die Frankfurt über Gießen und Marburg mit Kassel verbindet. „Die Anschlussbahnhöfe Frankfurt und Kassel-Wilhelmshöhe sind für viele sozusagen die Tore zur Welt des Fernverkehrs, die aber nur mit Verspätung erreicht werden“, sagt Loth. Die größten Streckenengpässe hat der VCD zwischen Hanau und Fulda sowie zwischen Frankfurt und Mannheim festgestellt. „Dies setzt vor allem den Pendlerinnen und Pendlern erheblich zu.“