„Schwarze Witwen“: Masche in Putins Armee zerstört Existenzen

„Schwarze Witwen“: Bittere Masche in Putins Armee aufgedeckt

Stand: 07.08.2026, 19:06 Uhr

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Eine perfide Praxis in Wladimir Putins Ukraine-Krieg: Angehörige von Soldaten in Russland gehen leer aus, wenn „Schwarze Witwen“ am Werk sind.

Moskau – Maria aus St. Petersburg erfuhr vom Tod ihres 59-jährigen Vaters Yury auf eine Weise, die sie bis heute nicht loslässt: Russische Militärs meldeten sich bei ihr und teilten ihr mit, dass er an der Front im russischen Angriffskrieg in der Ukraine erschossen worden und später seinen Verletzungen erlegen sei. Dass er überhaupt Soldat geworden war, wusste sie nicht.

Ukrainische Soldaten in der Nähe der ukrainischen Stadt Kostjantyniwka

Der Kampf um Kostjantyniwka könnte eine zentrale Phase des Ukraine-Kriegs sein. © Stanislav Krasilnikov/imago

Auch, dass er zwei Tage vor seinem Abmarsch noch geheiratet hatte, war ihr neu. Die neue Ehefrau – 22 Jahre jünger als Yury und Maria völlig unbekannt – ist nun seine gesetzliche Erbin. „Ich bin immer noch im Schock und kann immer noch nicht akzeptieren, was passiert ist“, sagte Maria gegenüber CNN. „Ich weiß nicht, was ich ihr sagen soll, weil ich sofort Verdacht schöpfte, dass es ein Betrug war.“

Russland: Das Prinzip der Scheinehe

Marias Geschichte steht stellvertretend für ein wachsendes Phänomen in Russlands Gesellschaft: Frauen, die russische Behörden und Staatsmedien als „Schwarze Witwen“ bezeichnen, suchen gezielt nach Männern, die kurz vor dem Fronteinsatz stehen oder schwer verwundet zurückkehren. Sie überreden sie zur Ehe – oft unter falschen Vorwänden. Stirbt der Soldat, greift die neue Ehefrau als gesetzliche nächste Angehörige auf die staatliche Todesentschädigung zu.

Diese beginnt laut CNN bei fünf Millionen Rubel – umgerechnet rund 64.000 US-Dollar. Leibliche Kinder, Eltern oder Geschwister gehen dabei leer aus. Keir Giles, Russland-Experte am Chatham House in London, nennt das Ausmaß gegenüber Metro News beim Namen: „Daher boomt die Industrie der ‚Schwarzen Witwen‘, von denen einige bereits beim dritten Soldaten sind, weil sie es zur Gewohnheit gemacht haben. Das ist sehr, sehr lukrativ.“

Militär selbst in die Scheinehe-Praxis verwickelt

Besonders brisant: Laut UA.NEWS sind in der Region Primorsky Krai im russischen Fernen Osten auch Angehörige der russischen Sicherheitskräfte selbst in die Masche verwickelt. Ein Feldwebel, ein Unteroffizier und ein Militärbuchhalter sollen gezielt verwundbare Rekruten – darunter Waisen ohne enge Verwandte – in Scheinehen gedrängt haben, um sie anschließend an besonders gefährliche Frontpositionen zu schicken und die Todesentschädigungen unter sich aufzuteilen. Einen öffentlichen Abschluss des Verfahrens gibt es bislang nicht.

Dass die Masche so gut funktioniert, hat auch politische Gründe. Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 ermutigte der Kreml Rekruten aktiv zur Heirat – bürokratische Hürden für schnelle Eheschließungen wurden vereinfacht, staatliche Massentrauungen vom Fernsehen übertragen. In einem Podcast aus der sibirischen Stadt Tomsk trieb eine Immobilienmaklerin diese Logik auf die Spitze. „Es ist einfach. Finde einen Mann, der in der Spezialmilitäroperation dient, und wenn er getötet wird, bekommst du acht Millionen Rubel“, sagte Marina Orlova mit einem Lachen – umgerechnet rund 102.000 US-Dollar.

Beide Frauen wurden strafrechtlich verfolgt, zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt und zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen. Dr. Ian Garner vom Pilecki Institute erklärt gegenüber Metro News den gesellschaftlichen Nährboden: „Menschen sehen diese Todesentschädigungen als Chance, Geld zu verdienen. Dies ist die einzige Möglichkeit, die Menschen haben könnten, ihr Leben zu verändern.“

Abgeordneter fordert Schutzmaßnahmen für Familien gegen „Schwarze Witwen“

Der Skandal hat das russische Parlament erreicht. Duma-Abgeordneter Leonid Slutsky, sonst kein Kritiker des Kremls, forderte öffentlich Schutzmaßnahmen: „Die Familien der Teilnehmer der Spezialmilitäroperation brauchen Schutz vor dreisten Kriminellen, vor sogenannten ‚Schwarzen Witwen‘.“ Solche Verbrechen hätten inzwischen „ernste Ausmaße“ angenommen. Für Maria kommen diese Worte zu spät. Die Wohnung ihres Vaters ist verkauft, seine Hinterlassenschaften sind verschwunden. „Es ist absolut nichts übrig, und das ist unglaublich schmerzhaft“, sagte sie gegenüber CNN. (Quellen: CNN, Metro News, UA.NEWS) (cgsc)