Schweiz will offenbar noch immer 1,6 Millionen Euro von Italien für Behandlung von Crans-Montana-Opfern

"Kein rechtlicher Spielraum"

Schweiz will offenbar noch immer 1,6 Millionen Euro von Italien für Behandlung von Crans-Montana-Opfern

Ein juristischer Streit um die Kosten für die Erstversorgung 16 bei der Katastrophe zu Silvester verletzter Jugendlicher ist offenbar noch immer nicht beigelegt

Die Schweiz verlangt von Italien die Erstattung von Behandlungskosten für die medizinische Erstversorgung italienischer Jugendlicher, die bei dem Brand in Crans-Montana zum Jahreswechsel verletzt worden waren. Die offenen Rechnungen belaufen sich auf insgesamt 1,5 Millionen Schweizer Franken (1,6 Mio. Euro), wie der Schweizer Rundfunk RTS berichtete. Der Streit über die Kostenübernahme ist offenbar weiterhin ungelöst und belastet die Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Eine improvisierte Gedenkstätte vor der Constellation-Bar in Crans-Montana, Schweiz, in Erinnerung an die Opfer eines verheerenden Feuers in der Neujahrsnacht. Fotos der Verstorbenen und Blumenarrangements sind aufgestellt.
In Crans Montana erinnert eine Fotowand and ie Opfer der Silvester-Katastrophe.

Bei dem Brand waren sechs italienische Minderjährige ums Leben gekommen, 16 Italiener wurden verletzt. Nach der Katastrophe, bei der insgesamt 41 großteils junge Menschen ums Leben gekommen waren, waren unter anderem schwere Mängel bei Brandschutzinspektionen durch die Behörden öffentlich geworden.

Eine Entscheidung zu den Kosten der Behandlungen wird von der Schweizer Bundesregierung erwartet. Diese steht allerdings vor einem personellen Umbruch, nachdem Präsident Guy Parmelin in der vergangenen Woche überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte. Parmelin hatte der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bei einem Treffen am 4. Mai zugesichert, die Angelegenheit auf bilateraler Ebene zu behandeln.

Hohe Rechnungen

Der Streit war im April öffentlich geworden, als mehrere Familien italienischer Verletzter Rechnungen des Krankenhauses von Sitten (Sion) erhielten. Die geforderten Beträge beliefen sich teilweise auf mehr als 70.000 Euro für vergleichsweise kurze Krankenhausaufenthalte. In den Schreiben sei allerdings vermerkt gewesen, dass es sich lediglich um eine Information handle und die Beträge nicht bezahlt werden müssten.

Nach einem Treffen mit dem Präsidenten des Kantons Wallis, Mathias Reynard, berichtete der italienische Botschafter in Bern, Gian Lorenzo Cornado, die dortigen Behörden sähen aufgrund der geltenden Rechtslage keinen Spielraum, die Kosten selbst zu übernehmen.

Meloni reagierte damals scharf auf die Berichte über mögliche Zahlungsforderungen. Italien werde eine solche Forderung zurückweisen und ihr nicht nachkommen, erklärte Meloni. Sie äußerte zugleich die Hoffnung, dass sich die Meldungen als unbegründet erweisen würden, und appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Schweizer Behörden.

Einigung weiterhin offen

In den Wochen danach schien sich eine mögliche Lösung abzuzeichnen. Der Schweizer Bundesrat prüfte Berichten zufolge, auf eine Erstattung der Behandlungskosten durch den italienischen Gesundheitsdienst zu verzichten. Im Gegenzug hatte Italien Bereitschaft signalisiert, auf entsprechende Forderungen für zwei Schweizer Jugendliche zu verzichten, die im Mailänder Krankenhaus Niguarda behandelt worden waren.

Parmelin hatte im Kurznachrichtendienst X erklärt, die Unterstützung für die Opfer werde insoweit übernommen, wie die Kosten nicht durch Versicherungen gedeckt seien. Zudem habe er Meloni zugesichert, dass der Bundesrat die Abrechnung der Krankenhausleistungen zwischen den betroffenen Staaten auf Grundlage der geltenden gesetzlichen Bestimmungen prüfen werde.

Nach den jüngsten Berichten des Schweizer Rundfunks scheint diese Einigung über den Verzicht auf die gegenseitigen Forderungen jedoch vorerst gescheitert zu sein. Eine endgültige Entscheidung steht damit weiterhin aus. (APA, 10.10.2026)

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