Ukraine-Krieg: Schwere gegenseitige Angriffe

Ukraine-Krieg

Russland hat in den letzten 24 Stunden eine schwere Angriffswelle mit Drohnen und Raketen ausgeführt. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew ging in der Nacht auf Freitag ein neunstöckiges Wohnhaus in Flammen auf. Die Ukraine reagierte mit Angriffen unter anderem auf eine Raffinerie und den Onlinehändler Ozon.

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Bei dem russischen Angriff auf Kiew wurden laut Behörden mindestens acht Menschen verletzt. Insgesamt habe Russland in der Nacht 66 Drohnen eingesetzt, davon mehr als 50 vom Typ Shaheed. 62 seien abgeschossen worden, vier seien an drei verschiedenen Orten eingeschlagen, so die ukrainischen Luftstreitkräfte.

Bereits am Vortag waren bei einem russischen Angriff unter anderem auf ein Einkaufszentrum in der Industriestadt Pawlohrad nach Angaben der Regionalverwaltung sieben Menschen getötet. 76 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte Gouverneur Olexandr Hanscha mit. Zudem wurde eine Tankstelle in Kiew getroffen.

Kiew: „Angriff am hellichten Tag“

Der ukrainische Innenminister Iwan Wyhiwskyj schrieb auf Telegram, der Angriff im Stadtzentrum von Pawlohrad habe sich „am helllichten Tage“ ereignet, als die Straßen voller Menschen waren. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sagte: „Russland ist der Ansicht, dass unablässige Angriffe auf Zivilisten die Ukrainer zermürben und die Ukraine zu Zugeständnissen zwingen können.“

Pawlohrad liegt in der Region Dnipropetrowsk. Vor dem Krieg lebten dort mehr als 100.000 Menschen. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 steht die Stadt immer wieder unter schwerem russischem Beschuss. Pawlohrad liegt rund 150 Kilometer westlich von Slowjansk und Kramatorsk, den beiden letzten in ukrainischer Hand verbliebenen größeren Städten im Donbas. Die Einnahme des gesamten Donbas ist ein zentrales Ziel Russlands, das im Februar 2022 die Ukraine überfiel.

Slowjansk und Kramatorsk bilden gemeinsam mit der weiter südlich gelegenen Stadt Kostjantyniwka den ukrainischen Festungsgürtel. Die ukrainische Armee hat diese Linie stark befestigt, sodass es russischen Truppen bisher kaum gelingt, hier weiter vorzudringen.

Berichte über Angriff auf Rosneft-Raffinerie

Die Ukraine reagierte in der Nacht mit Drohnenangriffen in Russland: So wurde laut ukrainischen Berichten einerseits ein Logistikzentrum des nach Wildberry zweitgrößten russischen Onlinehändlers Ozon in der Stadt Saratow Hunderte Kilometer von der Grenze entfernt getroffen. Laut der Website Kyiv Independent, die sich auf russische Websites berief, wurde in Saratow auch eine Raffinerie des Ölkonzerns Rosneft getroffen.

Die Angriffe auf Raffinerien treffen Russland an einer empfindlichen Stelle. Mittlerweile muss das an Erdöl und Erdgas reiche Land Treibstoff en masse importieren. Laut Kyiv Independent kauft Moskau nun auch aus Südkorea Treibstoff zu.

Laut dem Gouverneur der russischen Region Tula wurden dort bei ukrainischen Drohnenangriffen zwei Menschen getötet und drei verletzt. Welche Ziele die Drohnen hatten, war unklar. Sämtliche Angaben – von russischer wie ukrainischer Behördenseite – sind erst im Nachhinein und oft mit großer zeitlicher Verzögerung überprüfbar.

Luftkrieg eskaliert

Angesichts eines weitgehenden Stillstands im Bodenkrieg und technischer Entwicklungssprünge beider Seiten bei Robotik und Drohnen ist im Sommer der Luftkrieg eskaliert. Russland produziert mittlerweile in großer Zahl nicht nur Gleitbomben, sondern auch größere und schnellere Drohnen. Der Ukraine fehlen die Abwehrraketen, insbesondere Patriot-Raketen, die derzeit die einzige technologisch zur Verfügung stehende Möglichkeit sind, diese Angriffe abzuwehren.

Zuletzt beschoss Russland die Zentrale des Geheimdiensts in Kiew. Laut ukrainischen Angaben wurde auch das Flugzeug von Präsident Wolodymyr Selenskji jüngst bei einer seiner Reisen beinahe getroffen.