Schwimm-EM: Gose schwimmt ohne Trainer zu Silber

Isabel Goses erfolgreichen Umzug von der Seine ins EM-Becken von Paris verfolgte ihr Trainer aus der Ferne. Bernd Berkhahn, Coach des hochdekorierten Magdeburger Schwimmstützpunktes und Bundestrainer, schaute sich mit Freiwasser-Dominator Florian Wellbrock schon mal die Olympiastrecke von 2028 in Los Angeles an, als seine erfolgreichste Schwimmerin ihre 19. internationale Medaille im Centre Aquatique Olympique am Stade de France einsammelte. „Ich hoffe, Bernd ist auch happy damit“, sagte die 24-Jährige nach ihrem Silberrennen über 800 m Freistil und ihrer dritten Siegerehrung in Paris. Lachend fügte sie an: „Der treibt sich ja gerade noch in L.A. rum mit Flo.“

Berkhahn hatte vor dem Doppelerfolg von Gose und deren Trainingspartnerin Maya Werner, die Dritte wurde, bereits den Bronze-Auftakt seines Olympiasiegers Lukas Märtens mit der Staffel verpasst. Denn der inzwischen auch international renommierte Trainer begleitete Vierfach-Weltmeister Wellbrock zum Olympiatest nach Kalifornien und sah, wie sein ältester Schützling seinen drei EM-Goldmedaillen den Sieg bei den panpazifischen Meisterschaften in Long Beach über zehn Kilometer hinzufügte.

Ohne Berkhahn zu schwimmen sei „schon ungewohnt“, sagt Isabel Gose

Wichtigster Grund für den Kurztrip über den Atlantik: Berkhahn wollte sich schon einmal am Belmont Shore in Long Beach die Bedingungen vor Ort und die Verkehrswege anschauen. Mit Gose, deren Übergang vom Freiwasser ins Becken „besser als erwartet“ klappte, war er ständig in Kontakt. „Ich werde ihm gleich mal schreiben oder kurz anrufen“, kündigte die Olympiadritte an. Ohne Berkhahn zu schwimmen sei „schon ungewohnt“, gab sie zu: „Aber ich habe mir vorher einen guten Plan gemacht, sodass er auch die Sicherheit hat, okay, Isabel weiß, was sie jetzt hier die Woche zu tun hat.“ Und der Plan ging auf.

Gose, die sich in der Seine zuvor schon im Knockout-Sprint und mit der Mixed-Staffel zur Europameisterin gekrönt hatte, schwamm hinter ihrer italienischen Konkurrentin Simona Quadarella auch im Becken auf das Podium, auf dem ihre Vereinskollegin Werner mit Bronze um den Hals stand. „Das ist einfach schön“, sagte die 21-Jährige, „wir sind Trainingskolleginnen, Freundinnen – im und außerhalb vom Wasser.“

Wenn die beiden am Donnerstag und Freitag Goses olympische Bronze-Disziplin 1500 Meter Freistil in Angriff nehmen, sollte Berkhahn wieder in Paris sein. „Ich glaube, er kommt am Donnerstag“, sagte Gose, die auf der längsten Beckenstrecke aktuell ebenfalls Europas Nummer zwei hinter ihrer Dauerrivalin Quadarella ist. Auf den 400 Metern, die zum Abschluss am Sonntag anstehen, ist sie in diesem Jahr sogar die schnellste Europäerin. Weitere Medaillen sind also wahrscheinlich – dann wieder mit Berkhahn am Beckenrand.