Schwimm-Finals: Lukas Märtens holt sich den Freistil-Titel
Schwimm-Finals Lukas Märtens - strahlend im Stadionbad von Hannover
Stand: 24.07.2026 • 19:06 Uhr
Er ist Olympiasieger und Weltmeister: Schwimmstar Lukas Märtens triumphierte bei den Finals in Hannover auch im Kampf um den deutschen Freistil-Titel.
Strahlend streckte Lukas Märtens am frühen Freitagabend im Stadionbad von Hannover die rechte Faust in die Luft. Der aktuelle Topstar des deutschen Schwimmsports musste sich über die 100-Meter-Freistil zwar von gleich drei Konkurrenten geschlagen geben, doch der Sieger war er trotzdem: Der 24-Jährige entschied die Kombi-Punktewertung für sich, nachdem er am Vortag deutlich über die 200-Meter-Distanz gewonnen hatte und kann sich nun auch Deutscher Meister über die Freistil-Lage nennen.
So wird man "Lagen-Meister" bei den Finals
Bei den Lagenmeisterschaften werden pro Schwimmart jeweils zwei Streckenlängen zusammengefasst. Bei Männern und Frauen sind das 100 und 200 m Brust, 100 und 200 m Freistil, 100 und 200 m Schmetterling sowie 100 und 200 m Rücken. Wer hier am Ende siegt, wird errechnet. Laut Verband werden "die geschwommenen Zeiten pro Lage/Stecke für die Gesamtwertung in World-Aquatics-Punkte umgerechnet, die die Nähe zur Weltrekordzeit einordnen". Auf diese Weise sollen die Leistungen auf den verschiedenen Strecken vergleichbar gemacht werden.
Märtens hatte für die Finals eine ganze Menge auf sich genommen. Der Olympiasieger und Weltmeister über die 400-Meter-Freistil war dankbar für die Wettkämpfe, wollte aber auch nicht auf seine Trainingsarbeit im heimischen Wasser in Magdeburg verzichten.
Viel Aufwand für die Finals
So setzte sich der 24-Jährige nach seinem donnerstäglichen Sieg über 200 Meter ins Auto und düste die gut 150 Kilometer zurück nach Magdeburg. "Ich wollte im eigenen Bett schlafen und am Freitagmorgen auch meine Trainingseinheit in unserer Halle durchziehen. Danach ging's halt wieder die gut eineinhalb Stunden zurück nach Hannover", erklärte der Weltrekordhalter über die 400 Meter.
Gern stellte sich Märtens - seit seinem Erfolg in Paris mit Promi-Status dekoriert - in Hannover den zahlreichen Journalisten und Fans. "Ich genieße das, erkannt zu werden und stelle mich auch gern, denn unsere Sportart kann weitere Aufmerksamkeit gut vertragen", so der derzeit beste deutsche Schwimmer. Wie vielseitig er sein kann, bewies er Mitte April im norwegischen Bergen, als er über seine "Nebenstrecke", den 200 Meter Rücken, in 1:55,85 Minuten einen neuen deutschen Rekord aufstellte.
In seinem Element: Lukas Märtens
Niederlagen nimmt Märtens gelassen
Bei den Deutschen Meisterschaften im April in Berlin siegte er über seine Paradestrecke, die 400 Meter Freistil, verlor im 800-Meter-Rennen aber knapp gegen Sven Schwarz. Eine Niederlage, die ihn eher stärkte, als Kraft nahm. Für Märtens - das hat er schon oft gesagt - sei nicht der einzelne Moment, sondern der Prozess dahinter.
Nach früheren gesundheitlichen Problemen habe er gelernt, wie sehr körperliche Stabilität auch mentale Sicherheit erzeugt. Zweifel seien im Spitzensport "Gift für den Kopf", betont er - deshalb sei dieses Vertrauen inzwischen ein wesentlicher Teil seiner Leistungsfähigkeit. Übrigens auch Lockerheit. Nach dem Training gehört auch ein Döner dazu, genauso wie freie Nachmittage oder kurze Phasen, in denen der Sport nicht im Mittelpunkt steht.
Magdeburg als Kraftort
Zuversicht - die sich Märtens auch durch schwierige Verhältnisse nicht nehmen lässt. Trainiert wird er in Magdeburg von Bundestrainer Bernd Berhahn, in einer Trainingsgruppe, die seit Jahren das deutsche Schwimmen prägt. Im Frühjahr passierte dies wochenlang unter erschwerten Bedingungen: Die Elbeschwimmhalle war teilweise gesperrt, Trainings- und Krafteinheiten mussten auf mehrere Orte verteilt werden. "Es frisst Zeit und ein paar Nerven", hatte Märtens damals gesagt - ohne daraus ein Thema zu machen.
Elendt und Imoudu über die Bruststrecke erfolgreich
Den ersten Titel hatte sich am Freitag über die Bruststrecke Anna Elendt geholt. Die Welt- und Europameisterin aus Frankfurt, die lange in den USA gelebt hat, holte sich den Titel im 200-Meter-Rennen, nachdem sie am Vortag bereits das 100-Meter-Rennen deutlich für sich entschieden hatte. Auf Rang zwei in der Kombiwertung: Lena Ludwig aus Aschaffenburg vor Hannah Schneider aus Hofheim.
Lucas Matzerath - Uni geht vor
Über die Bruststrecke der Männer wurde ein Dreikampf erwartet: Allerdings musste Lucas Matzerath aus Weinheim passen, er musste wegen einer wichtigen Uni-Prüfung seinen Start absagen. Es blieben also Melvin Imoudu (Schwedt/Oder) und der Potsdamer Jan-Malte Gräfe, die den Titel unter sich ausmachen wollten. Imoudu hatte am Donnerstag die 100 Meter gewonnen, doch der 27-Jährige musste über die 200 Meter schwer kämpfen. Der Europameister über 100 Meter von 2024 wurde im 200-Meter-Rennen nur Vierter, setzte sich in der Gesamtwertung aber dennoch durch und landete knapp vor Mathis Schönung und 200-Meter-Sieger Kenneth Bock.
Nicole Maier - international unterwegs
Hauchdünn ging es im Freistil-Finale der Frauen zu. Es triumphierte am Ende ganz knapp 100-Meter-Siegerin Nicole Maier vor Maya Tobehn und Linda Roth. Die 26-jährige Maier ist dabei multinational unterwegs: Geboren in Bottrop, studiert sie in den USA, trainiert in Griechenland bei ihrem Lebenspartner und startet für den SC Wiesbaden. Bei den Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr hatte Maier Doppelsilber über die 100m Freistil und 200m Freistil gewonnen und sich so für einen Platz im deutschen EM-Team empfohlen.
Übe die Schmetterling-lagen feierte bei den Frauen Yara Riefstahl den Titelgewinn, auch hier wurde Maya Tobehn Zweite. Auf Rang drei: Seike Schlump. Bei den Männern vorn: Tobias Scholz vor Leo Leverkus und 100-Meter-Sieger Björn Kammann.
Lise Seidel stärkste Rückenschwimmerin
Als beste deutsche Rückenschwimmerin darf sich aktuell Lise Seidel bezeichnen. Die 19-Jährige gewann die 100 Meter am Freitag vor Noelle Benkler und entschied somit auch die Gesamtwertung vor Benkler für sich. Dritte hier: Katharina Mößner.
Bei den Männern hatte wie erwartet Cornelius Jahn die Nase vorn. Der gebürtige Ahrensburger, der lange am Hamburger Bundesstützpunkt trainierte und seit zwei Jahren an der Ohio State University in den USA studiert, feierte vor Peer Möller und Finn Hammer den Titelgewinn.