Schwimmbad vor der Volksbühne: »Volksbad« nach Absage von Event für Schwarze Jugendliche wieder offen

Ein geplantes Event eines rassismuskritischen Vereins im Schwimmbad vor der Volksbühne wurde abgesagt. Jetzt lädt das »Volksbad« wieder zum kostenlosen Planschen ein.

Quelle: DIE ZEIT, dpa,

bda

  1. August 2026, 13:20 Uhr

Ihr Browser unterstützt die Wiedergabe von Audio Dateien nicht. Download der Datei als mp3: https://zon-speechbert-production.s3.eu-central-1.amazonaws.com/articles/3ac4c4e7-2c87-47d1-a8ea-ea2177bf6673/full_a37d31620f093149dbf3dc385fc40a778d4c5700e07380f06b1c8e65444a91a3aa2a152b226cdb1e7fab583580429374.mp3

11 Kommentare
Volksbad Berliner Volksbühne Schwimmbad Berlin Each One Teach One
Vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ist ein temporäres Schwimmbad aufgebaut. © Christophe Gateau/​picture alliance/​dpa

Das temporär vor der Berliner Volksbühne aufgebaute Schwimmbecken ist nach tagelanger Schließung und Debatten um eine abgesagte Veranstaltung eines rassismuskritischen Vereins wieder offen. Das »solidarische Anbaden« habe um 12 Uhr begonnen, sagte eine Sprecherin des Theaters. Die online kostenlos verfügbaren Tickets für diesen Samstag seien vergriffen, abhängig von den Kapazitäten seien aber eventuell auch spontane Besuche möglich.

Seit etwa einer Woche steht vor der Volksbühne, einem der wichtigsten Theater Deutschlands, bis Anfang Oktober ein 25 Meter langes und 1,30 Meter tiefes Freibad, das sogenannte Volksbad. Der Eintritt ist kostenlos, Tickets können vorab gebucht werden. Sonntag und Montag ist Ruhetag, am Dienstag geht die Aktion weiter. Volksbühne-Intendant Matthias Lilienthal versteht das Projekt auch als politischen Protest gegen die verfallende Infrastruktur in Berlin.

Seit dem vergangenen Dienstag war das Volksbad allerdings geschlossen. Zunächst verhinderten defekte Duschen den Badebetrieb. Dann sagten die Volksbühne und der Verein Each One Teach One (Eoto) eine für Freitag geplante Veranstaltung ab: Dabei sollten exklusiv Menschen der Schwarzen Community – insbesondere Kinder und Jugendliche – für einige Stunden vor dem Theater schwimmen können. Der Absage des Events waren teils rassistische Diskussionen und Drohungen vorausgegangen.

»Physische und psychische Sicherheit der Kinder nicht zu gewährleisten«

Eoto sprach auf seiner Website von einem Klima, »in dem wir nicht mehr darauf vertrauen können, dass es eine positive Erfahrung für die jungen Menschen wird und dass die physische und psychische Sicherheit der Kinder und Jugendlichen im Volksbad gewährleistet werden kann – auch nicht durch Sicherheitskräfte und Polizei«. Seit Beginn der öffentlichen Diskussion erhalte der Verein rassistische Drohmails, Gewaltandrohungen sowie diskriminierende Kommentare auf Social Media. »Wir können daher nicht ausschließen, dass die Kinder und Jugendlichen an dem Tag weiteren Gefahren ausgesetzt wären«, schrieb Eoto.

Eoto ist im Bereich der Rassismusprävention tätig und setzt sich für das Empowerment Schwarzer Menschen ein. Der Verein ist einer der Träger des Black Communities Centers in Berlin-Wedding, das in diesem Jahr eröffnet wurde.

Die Volksbühne sprach in einer Mitteilung von einer »bundesweiten Welle« rechter und rassistischer Hetze. Die Zusammenarbeit mit dem Verein Eoto werde fortgesetzt, allerdings habe nun der Schutz von Gästen, Partnern und Mitarbeitenden oberste Priorität. »Wir werden selbstverständlich weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten«, sagte der Intendant der Volksbühne, Matthias Lilienthal. Öffentliche Institutionen hätten eine entsprechende Verantwortung. »Wir solidarisieren uns – heute und an jedem Tag – mit allen, die Rassismus und rechten Feindbildmarkierungen ausgesetzt sind«, sagte Lilienthal.

Kritik unter anderem vonseiten der AfD und der CDU

Nach medialer Berichterstattung hatte unter anderem die AfD die geplante Veranstaltung kritisiert. Parteichefin Alice Weidel sprach von »Apartheid« und forderte, Fördermittel zu streichen. Auch eine junge Berliner CDU-Kommunalpolitikerin äußerte Unverständnis und sprach von einem diskriminierenden Gefühl, weil sie als Weiße angeblich nicht ins Freibad dürfe.

Die exklusive Nutzung des »Volksbads« durch Vereine und Organisationen ist jedoch Teil des Konzepts. An einigen Tagen ist es für bestimmte Vereine reserviert – am Freitag war eine solche Exklusivnutzung von Eoto geplant gewesen. Nach Angaben des Vereins war dessen Kinder- und Jugendabteilung dazu von der Berliner Volksbühne eingeladen worden.