Ukraine-Krieg: Selenskyj bildet Regierung um – Ministerpräsidentin soll gehen

Wichtige Updates

Selenskyj bildet Regierung um und setzt Ministerpräsidentin ab

Ukraine attackiert Raffinerie im Wolgagabiet Samara

Russische Gleitbombe zerfetzt Bus in Sumy - vier Zivilisten tot

Ukraine beschießt 21 russische Öltanker

Daniel Weidmann

Daniel Weidmann

Selenskyj bildet Regierung um und setzt Ministerpräsidentin ab

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Sonntag eine größere Regierungsumbildung angekündigt. Er wolle Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko sowie die Chefs einiger Strafverfolgungsbehörden austauschen, schrieb Selenskyj im Onlinedienst X. Er sei Swyrydenko „dankbar für ihre klare, verlässliche und effektive Arbeit“ und habe ihr die „Möglichkeit angeboten, einen neuen und wichtigen Bereich der Beziehungen zu einem Schlüsselpartner zu übernehmen“. 

Dennis Wippich

Ukraine attackiert Raffinerie im Wolgagabiet Samara

Im russischen Gebiet Samara an der Wolga ist offiziellen Angaben nach ein Mann durch ukrainische Drohnenangriffe ums Leben gekommen. „Drei Personen wurden verletzt, darunter auch ein Kind“, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew mit. Es gebe Schäden an Wohnhäusern und an einem Industrieobjekt, schrieb er zudem, ohne genauere Angaben dazu zu machen. Dabei handle es sich um die Ölraffinerie in Sysran, berichtete das unabhängige Internetportal „Astra“ nach Auswertung von Bildern und Videos aus sozialen Netzwerken. In der Anlage sind mehrere große Brände zu sehen.

Der ukrainische Generalstab bestätigte später die Attacke. Explosionen und Brände seien auf dem Gelände fixiert worden, heißt es in der Mitteilung des Generalstabs. Neben der Raffinerie haben die Drohnen nach Angaben aus Kiew auch zehn weitere Öltanker und vier Fähren im Asowschen Meer getroffen.

Das russische Militär hat eigenen Angaben nach in der Nacht 349 ukrainische Drohnen abgeschossen. Die Größenordnung deckt sich mit den Angriffen der vergangenen Tage. 

Tobias Köberlein

Russische Gleitbombe zerfetzt Bus in Sumy - vier Zivilisten tot

Das russische Militär hat durch den Abwurf von Gleitbomben auf die nordostukrainische Stadt Sumy mindestens vier Menschen getötet. "Darunter ist auch ein Mädchen", sagte der Bürgermeister von Sumy, Artem Kobsar, in einem auf seinem Telegramkanal geteilten Video. Der Chef der Militärverwaltung von Sumy, Oleh Hryhorow, teilte später mit, dass die Zahl der Verletzten auf 17 gestiegen sei. Eine Bushaltestelle sei getroffen worden, schrieb er. Auf dem Video Kobsars ist ein Bombenkrater im Asphalt und ein zerfetzter Kleinbus in einem Wohngebiet zu sehen. Die örtlichen Behörden warnten vor weiteren Angriffen.

Russland setzt in seinem inzwischen mehr als vier Jahre dauernden Krieg gegen die Ukraine häufig Gleitbomben ein. Sie werden von Flugzeugen noch weit von der Front entfernt abgeworfen und schweben dann über eine Entfernung von mehreren Kilometern in Richtung Ziel. Obwohl die Waffen gelenkt sind, gelten sie als nicht besonders zielsicher. Immer wieder treffen sie zivile Objekte.

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Selenskyj: Elf Verletzte bei russischen Angriffen auf Kiew

Bei neuen russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind nach offiziellen Angaben mindestens elf Menschen verletzt worden. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP hörten am frühen Samstagmorgen zwei Serien von Explosionen. Die Sirenen des Luftalarms ertönten erst Minuten nach der ersten Detonation.

Unter den elf Verletzten sei ein Kind, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Onlinedienst X mit. Russland habe in der Nacht mehr als 120 Drohnen gestartet und 12 Raketen abgefeuert, „die Hälfte von ihnen ballistische“. Noch vor dem ersten Sirenenalarm sei „zivile Infrastruktur“ getroffen worden, darunter Wohnhäuser und Bürogebäude.

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Ukraine beschießt 21 russische Öltanker

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben in der Nacht weitere 21 russische Öltanker im Asowschen Meer mit Drohnen attackiert. Neben den Tankern hätten die Drohnen auch vier Schlepper, zwei Trockenfrachter und einen Schwimmbagger getroffen, teilte der Generalstab in Kiew bei Telegram mit. Das Ausmaß der Schäden werde noch geprüft, heißt es. Es wäre die zahlenmäßig größte Attacke einer schon seit Tagen laufenden Angriffswelle.

Russland hatte zuvor deutlich geringere Angaben zu dem Beschuss gemacht. So schrieb der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, in der Nacht seien vier Schiffe auf See angegriffen worden. "Ein Mensch wurde getötet, der Matrose auf einem technischen Schiff", teilte er auf Telegram mit. Seinen Angaben nach sind die Schäden an Bord – unter anderem bei einem Tanker, der hochentzündlichen Methanol geladen habe – gering. Es bestehe keine Gefahr, dass die Fracht auslaufe.

Unabhängig lassen sich die Angaben beider Kriegsparteien nicht überprüfen. Schon in den vergangenen Tagen hatte die Ukraine immer wieder Schiffe auf dem Asowschen Meer, aber auch Umschlagkapazitäten an Land wie den Hafen in Taganrog angegriffen. Kiew zielt eigenen Angaben nach darauf, die Treibstoffversorgung der im Süden und Osten der Ukraine stationierten russischen Truppen und den lukrativen russischen Ölexport zu unterbinden.

Philipp Luther

Philipp Luther

Armeechef sieht ukrainische Truppen „weit von Wende im Krieg entfernt“

Der ukrainische Armeechef Oleksandr Syrsky hält die ukrainischen Truppen im Krieg mit Russland zwar für gut aufgestellt, sieht eine „Wende im Krieg“ aber noch in weiter Ferne. Obwohl die russische Armee über „fast die doppelte Menge an Personal und Ausrüstung“ verfüge, habe der Kreml seine Ziele nicht erreicht, erklärte Syrsky im Onlinedienst Telegram. Der Feind dürfe aber „nicht unterschätzt werden“.
Zwar gehe die russische Armee weniger oft in die Offensive und erleide dabei schwere Verluste,während Kiew eine „Strategie der Auszehrung“ verfolge. 

Auch die ukrainischen Angriffe mit weitreichenden Waffen, mit denen seit Jahresbeginn Syrsky zufolge fast 700 Ziele in Russland ins Visier genommen wurden, richteten ihm zufolge große Schäden an. Allerdings nehme „die Intensität der Raketen- und Drohnenangriffe“ Russlands ebenso zu wie „der Einsatz von Lenkbomben und die Zahl der gegen die Zivilbevölkerung begangenen Verbrechen“, erklärte Syrsky weiter. 

Philipp Luther

Philipp Luther

Tobias Köberlein

Kiew: Russische Verluste hoch und Eroberungstempo halbiert

Das russische Militär hat nach Angaben aus Kiew im ersten Halbjahr 2026 trotz extrem hoher Verluste weniger als halb so viel ukrainisches Territorium erobert wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Russland habe eine großangelegte Offensive geplant, aber praktisch keins seiner gesteckten Ziele erreicht, schrieb der Oberbefehlshaber der ukrainischen Truppen, Olexander Syrskyj, bei Telegram.

Die Ukraine verteidige sich weiter und habe an einzelnen Frontabschnitten die Initiative übernommen. "Dank der aktiven Handlungen der Verteidiger ist im ersten Halbjahr 2026 das Tempo des Vorrückens russischer Truppen um mehr als die Hälfte gesunken", schrieb er.

Das schleppende Vorankommen der russischen Truppen bestätigen auch unabhängige Militäranalysten. Laut Syrskyj ist es den Ukrainern zuletzt sogar gelungen, annähernd so viel Territorium zurückzuerobern, wie sie an anderer Stelle verloren haben.

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Moskau meldet 376 abgefangene ukrainische Drohnen – Brände in Ölanlagen

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben aus Moskau in der Nacht zum Freitag 376 ukrainische Drohnen über Russland abgefangen. Die Drohnen hätten unter anderem die russische Region der Hauptstadt Moskau zum Ziel gehabt, teilte Russlands Verteidigungsministerium im staatlichen Onlinedienst Max mit. Nach Angaben örtlicher Behörden lösten ukrainische Drohnenangriffe außerdem Feuer an mehreren Ölanlagen im Süden Russlands aus.

Trümmerteile einer Drohne verursachten in einer Ölraffinerie in der Region Krasnodar einen Brand, wie die örtlichen Behörden mitteilten. In zwei Treibstofflagern im Bezirk Asow brachen demnach ebenfalls Feuer aus. Im Bezirk Sewerskaja, wo sich eine Ölraffinerie befindet, gingen ebenfalls Trümmerteile einer Drohne nieder, darunter im Hof eines Wohnhauses, wie das regionale Einsatzkommando im Onlinedienst Telegram mitteilte. Die Behörden meldeten zunächst keine Opfer.

Patricia von Thien

Patricia von Thien

Tschechien warnt die Ukraine – Eskalation in zwei Monaten?

Droht der Krieg in der Ukraine eine neue Stufe der Eskalation zu erreichen? Davor warnt nun der tschechische Präsident Petr Pavel. Der ehemalige Nato-General sagte in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Telegraph", dass ein Datum in zwei Monaten dabei entscheidend sei: der 20. September. An diesem Tag sind Parlamentswahlen in Russland. Nach den Wahlen, so Pavels Befürchtung, könnte der russische Präsident Wladimir Putin eine Generalmobilmachung ankündigen. 

"Bis dahin gibt es ein Zeitfenster, um Russland klarzumachen, dass wir bereit sind, Verhandlungen aufzunehmen", so Pavel im Interview. "Präsident Putin wird kaum schon vorher eine Mobilmachung verkünden; doch sobald die Wahlen vorbei sind, wird sich das Zeitfenster verengen."

Deshalb müsse der Druck auf Russland aufrechterhalten werden, um auf Friedensgespräche zuzusteuern. Laut Pavel wendet sich die russische Bevölkerung zunehmend gegen den Krieg. Putin werde Schwierigkeiten haben, im eigenen Land für Ruhe zu sorgen. "Und sollte dieser Druck anhalten und die Ukraine weiterhin in der Lage sein, erfolgreich Ziele tief im russischen Staatsgebiet anzugreifen, so wird dies Bedingungen schaffen, unter denen Russland eher zu Verhandlungen bereit sein dürfte."

Louisa Thönig

Louisa Thönig

Paris: 500 Soldaten der Ukraine-Koalition bei Militärparade zum Nationalfeiertag

Die diesjährige große Militärparade zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli werden rund 500 Soldaten der sogenannten Koalition der Willigen zur Unterstützung der Ukraine eröffnen. Wie der Elysée-Palast am Donnerstag mitteilte, werden auch 25 ukrainische Soldaten nach den etwa 500 Soldaten der Ukraine-Koalition in Paris mitmarschieren. Dies sei ein „starkes Symbol“ Europas, das sich der „Gefährlichkeit der Welt“ bewusst sei und dass es sein „Schicksal in die Hände nehmen“ müsse.

Zu der traditionellen Militärparade auf dem Prachtboulevard Champs-Elysées werden rund 30 Staats- und Regierungschefs als Gäste erwaretet. Die genaue Liste der Gäste wurde noch nicht veröffentlicht. Aber die Teilnahme des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie von Vertretern aus Deutschland, Italien und Spanien wurde bereits angekündigt. Bei der Parade wird ein „Rekord“ erwartet mit etwa 6800 Soldaten zu Fuß neben den Fahrzeugen und Flugzeugen.

Louisa Thönig

Louisa Thönig

Russland stoppt Export von Diesel wegen Treibstoffkrise

Während Kremlchef Wladimir Putin die Treibstoffkrise in Russland als vorübergehend einstuft, hat die Regierung in Moskau den Export von Diesel gestoppt und mit der Einfuhr von Kraftstoffen begonnen. "Heute haben wir den Export von Diesel verboten, was uns erlaubt, die Lieferungen auf den Binnenmarkt zu erhöhen", sagte Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak auf einer von Putin einberufenen Sitzung zur Lage im Energiesektor.

Vor russischen Tankstellen stehen Autofahrer teils in kilometerlangen Schlangen, um Sprit zu ergattern. Nowak sprach von einer angespannten Marktlage. Hintergrund ist, dass die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion zuletzt zahlreiche Ölverarbeitungsanlagen mit Drohnenangriffen außer Betrieb gesetzt hat.

Der für den Energiesektor zuständige Vizeregierungschef berichtete über Stützungsmaßnahmen des Kabinetts. So werde Russland in diesem Monat auch mit dem Import von Treibstoffen beginnen, um die Lage zu entspannen. Die Eigenproduktion soll dadurch stabilisiert werden, dass Raffinerien planmäßige Reparaturen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Nach Darstellung Nowaks verschärft sich die Krise durch die beginnende Erntezeit und eine höhere Nachfrage der Autofahrer nach Benzin. Bereits im April hatte Moskau ein Verbot für die Ausfuhr von Benzin verhängt. Trotzdem gibt es an vielen Tankstellen kein Benzin mehr, andere geben Sprit nur noch in begrenzten Mengen ab.

Putin sieht kein größeres ProblemPutin selbst bemühte sich einmal mehr, die durch den von ihm befohlenen Krieg gegen die Ukraine entstandenen wirtschaftlichen Probleme kleinzureden. Kiew versuche mit Schlägen gegen die Energieinfrastruktur der russischen Wirtschaft zu schaden und Nervosität im Land zu erzeugen. "Wir alle hier verstehen, dass diese Aufgabe unerfüllbar ist", sagte der Kremlchef. Russlands Energiesektor habe einen der größten Sicherheitspuffer weltweit. Es sei nur nötig, die Arbeit mit den Ölkonzernen so zu organisieren, dass sie überflüssigen Treibstoff nicht als Reserve für die eigene Tankstellenkette vorhielten, sondern mit unabhängigen Anbietern teilten, ordnete Putin an. Die derzeitigen Engpässe hätten vorübergehenden Charakter.

Mit ihren Schlägen gegen russische Raffinerien hat die Ukraine einen beträchtlichen Teil der Verarbeitungskapazitäten getroffen. Die ursprünglich auf der von Russland 2014 annektierten Krim begonnene Treibstoffkrise hat inzwischen fast alle Regionen des Landes ergriffen.

Louisa Thönig

Louisa Thönig

Tote nach russischem Raketenschlag auf Odessa

In der südukrainischen Hafenstadt Odessa sind mindestens zwei Menschen bei einem russischen Raketenschlag getötet worden. Zwei weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der Chef der Militärverwaltung der Millionenstadt, Serhij Lyssak, bei Telegram mit. Bei dem Angriff wurde demnach nicht genannte Infrastruktur beschädigt. Zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe vor ballistischen russischen Raketen gewarnt.

Louisa Thönig

Louisa Thönig

Trump verwirft Moskau als Treffpunkt für Putin und Selenskyj

US-Präsident Donald Trump rechnet im Zusammenhang mit möglichen Friedensgesprächen Russlands und der Ukraine mit einem Treffen zwischen Kremlchef Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Bei einem Treffen mit Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels in Ankara sagte Trump, Putin habe als Ort für ein Treffen "idealerweise Moskau" vorgeschlagen. Er habe darauf erwidert: "Du wirst dich nicht in Moskau treffen – das funktioniert einfach nicht."

Er habe sich dabei in Selenskyjs Lage versetzt, sagte Trump weiter. Von Trump gefragt, ob er doch nach Moskau reisen würde, erwiderte der ukrainische Präsident: "Das ist schwierig. Es gibt viele ukrainische Drohnen dort." Die Ukraine greift in ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion immer wieder auch Ziele in der russischen Hauptstadt an.

Ein Treffen werde aber auf die eine oder andere Weise stattfinden, zeigte sich Trump überzeugt. "Etwas Positives wird passieren", sagte er.

Eine künftige Reise in die Ukraine schloss Trump ausdrücklich nicht aus. Auf die Frage, ob er die ukrainische Hauptstadt Kiew besuchen werde, sagte er: "Ja, würde ich." Zugleich fügte er hinzu, dass er dies lieber nach einem Ende des Krieges tun würde: "Ich hätte lieber, dass der Krieg vorbei ist." Sein Sicherheitsteam wäre von einer Reise während des Krieges auch wohl kaum begeistert, fügte er mit ironischem Unterton hinzu. Kiew sei aber auf jeden Fall eine "wunderschöne Stadt".

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