Ebola im Kongo-Kinshasa: Warum der Ausbruch schwer eindämmbar ist
Seltener Bundibugyo-Stamm Warum Ebola Kongo-Kinshasa nicht loslässt
Teilen
Der Ebola-Ausbruch im Osten von Kongo-Kinshasa ist noch immer nicht unter Kontrolle. Inzwischen wurden gemäss kongolesischen Behörden mehr als 2300 bestätigte Infektionen, über 900 Menschen sind gestorben. Damit breitet sich das Virus schneller aus als erwartet. Gesundheitsbehörden und Hilfsorganisationen stossen zunehmend an ihre Grenzen. Afrika-Korrespondentin Sarah Fluck mit den wichtigsten Antworten.
Sarah Fluck
Afrika-Korrespondentin
Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen
Sarah Fluck ist seit 2024 Afrika-Korrespondentin von Radio SRF und lebt in der ugandischen Hauptstadt Kampala. Vor ihrem Engagement bei SRF war Fluck als freie Journalistin in Ostafrika tätig. Sie hat Afrikapolitik an der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London studiert.
Mehr Artikel von Sarah Fluck
Warum lässt sich Ebola im Osten von Kongo-Kinshasa so schwer eindämmen?
Die WHO sagt: Das Problem ist heute nicht mehr die Diagnose, sondern Infizierte und ihre Kontaktpersonen rechtzeitig zu finden. Rund 90 Prozent aller Fälle treten in Ituri auf. Die Provinz grenzt an Uganda und den Südsudan und ist ein wichtiges Goldabbaugebiet. Viele Menschen sind zwischen Minen, Dörfern und Märkten mobil. Das erschwert die Kontaktverfolgung zusätzlich. Während Gesundheitshelfer noch Kontaktpersonen suchen, ist das Virus oft schon zwei Dörfer weiter. In vielen Gebieten verhindern bewaffnete Gruppen zudem, dass Teams überhaupt dorthin gelangen.
Das Ebola-Virus wartet nicht auf die Wissenschaft
Box aufklappen Box zuklappen
Gegen den Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine gezielte Therapie. Hoffnung macht deshalb ein neuer Impfstoff der Universität Oxford. Mitte Juli startete dort die weltweit erste Phase-I-Studie. Der Impfstoff wird erstmals an 50 gesunden Freiwilligen auf Sicherheit und Verträglichkeit getestet. Fallen die Ergebnisse positiv aus, folgen grössere Studien, um zu prüfen, ob der Impfstoff tatsächlich vor Bundibugyo-Ebola schützt.
Produziert wird der Impfstoff allerdings bereits jetzt: Obwohl noch gar nicht feststeht, ob er wirkt, hat das Serum Institute of India vorsorglich bereits rund 620'000 Dosen hergestellt. Im Erfolgsfall soll so keine Zeit verloren gehen.
Fallen die Ergebnisse positiv aus, folgt eine Phase-II-Studie. Bis der Impfstoff dort eingesetzt werden könnte, wo Menschen tatsächlich an Bundibugyo-Ebola erkranken, dürften dennoch mehrere Monate vergehen. Für die aktuelle Epidemie bleiben deshalb frühe Diagnose, Kontaktverfolgung und Isolation die wichtigsten Mittel.
Warum ist die Lage in Uganda deutlich besser unter Kontrolle?
Uganda kann einen Ebola-Ausbruch konsequenter eindämmen. Der Staat funktioniert bis in die Dörfer, Kontaktpersonen können rasch gefunden und Quarantänen durchgesetzt werden. Im Osten von Kongo-Kinshasa ist das anders: Der Staat ist vielerorts kaum präsent, und Gesundheitsbehörden können Ausbrüche deutlich weniger konsequent nachverfolgen.
Warum stösst das Gesundheitssystem in Kongo-Kinshasa denn an seine Grenzen?
Viele Gesundheitszentren sind chronisch unterfinanziert, Löhne bleiben oft monatelang aus. Zuletzt kam es deshalb sogar zu Streiks. Einige Regionen sind wegen der Sicherheitslage zeitweise gar nicht erreichbar. Kontaktpersonen können dort dann ebenfalls nicht konsequent nachverfolgt werden. Hinzu kommen Gerüchte und Misstrauen: Manche Familien verstecken Erkrankte oder lehnen sichere Bestattungen ab.
Die Lage im Osten von Kongo-Kinshasa ist noch immer nicht unter Kontrolle.
AP Photo/Dirole Lotsima Dieudonne
Wie verhindern die Behörden, dass sich Ebola international ausbreitet?
An Flughäfen und grossen Grenzübergängen werden Reisende mit Fieberkontrollen und Gesundheitsfragebögen überprüft. Wer Symptome zeigt, wird medizinisch abgeklärt und darf nicht weiterreisen. Enge Kontaktpersonen von Ebola-Erkrankten sollen 21 Tage lang nicht international reisen, denn so lange kann es bis zum Ausbruch der Krankheit dauern. Einige Länder, darunter die USA, Kanada und Mexiko, haben zusätzliche Einreiseauflagen eingeführt. Die WHO lehnt generelle Reiseverbote ab, weil sie nachweislich wenig zur Eindämmung beitragen.
Droht eine weitere Ausbreitung?
Die Sorge ist gross, dass sich der Ausbruch auf weitere Länder der Region ausweitet – insbesondere auf den Südsudan. Das Land verfügt über ein noch fragileres Gesundheitssystem als der Osten von Kongo-Kinshasa und leidet ebenfalls unter einer prekären Sicherheitslage. Eine Ebola-Epidemie einzudämmen, wäre dort noch schwieriger.
Echo der Zeit, 21.7.2026, 18 Uhr ; srf/stol;stal;liea