Fussball: Senft verfolgt bei KSC „klare Strategie“
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Seit diesem Sommer schwingt mit Maximilian Senft ein Österreicher beim deutschen Traditionsclub Karlsruher SC das Trainerzepter. Der seit Dienstag 37-jährige Wiener orchestriert als jüngster Chefcoach der zweiten deutschen Bundesliga einen sportlichen Neuanfang. „Wir stehen ganz am Anfang eines großen Veränderungsprozesses mit einer neuen Fußballidee“, sagte Senft. Langfristig soll diese den KSC zurück ins Oberhaus führen.
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Die Aufmerksamkeit ist ungleich größer als bei seiner vergangenen Station in Ried. „Es ist ganz viel Potenzial da, weil der KSC so viele Leute im Umfeld bewegt“, meinte Senft gegenüber der APA. „Du spürst in der Region, und wenn du durch die Stadt gehst, dass der Club extrem präsent ist.“ 2025/26 reichte es unter Christian Eichner zu Ligarang zehn, in der Bundesliga war Karlsruhe zuletzt 2009 vertreten.
Zielvorgabe des Vereins ist es, bis 2030 zu den 20 besten Clubs in Deutschland zu zählen, folglich der Aufstieg. „Ich bin total davon überzeugt, dass das in vier Jahren möglich ist“, sagte Senft, der von Österreichs Football-Europameister-Coach Max Sommer beraten wird.
Sein Vorgänger hatte sich sechs Zweitligajahre im Amt gehalten. Mit dem Trainerwechsel wurde im Sommer auch der Kader verjüngt – mit dem Ziel, in Zukunft verstärkt Transfererlöse erzielen zu können. Senft will einen „hochintensiven Spielstil mit sehr vielen Sprintmetern“ implementieren. Er hofft auf die nötige Zeit. „Der Club hat eine klare Strategie, wie er sich weiterentwickeln will, und den Verantwortlichen ist auch bewusst, in was für einem Change-Prozess wir uns zurzeit befinden. Dementsprechend habe ich großes Vertrauen.“
„Stabile Ergebnisse“ als erstes Ziel
Die Favoriten sind vor der am Freitag beginnenden Zweitligasaison andere – allen voran der VfL Wolfsburg, auch die weiteren Absteiger FC Heidenheim und FC St. Pauli sowie Hannover 96. Senft freut sich auf seine Ligapremiere am Samstag (13.00 Uhr) im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld. Es sei „sehr besonders“, den nächsten Schritt in Deutschland machen zu können. „Ich sehe das als Riesenprivileg an, aber auch als eine Herausforderung, der ich gewachsen bin.“
Auf klare Saisonziele wollte sich Senft nicht festlegen. „Es geht in den ersten Wochen darum, stabile Ergebnisse zu bringen und gleichzeitig in der Idee zu wachsen.“ Mit Innenverteidiger Christoph Kobald hat er einen Wiener Landsmann im Kader, der nach acht Jahren und 150 Zweitligaspielen in Karlsruhe schon zum Inventar zählt. „Kobi ist charakterlich ganz wichtig für die Gruppe, weil er einen richtig guten Schmäh reinbringt und auch viel Zweitligaerfahrung hat, die der Mannschaft guttut“, sagte Senft über den 28-Jährigen.
Für ihn selbst ist die Liga Neuland. Bei seinem ersten Engagement im Ausland 2019/20 als Kotrainer von Gerhard Struber beim englischen Zweitligisten Barnsley hatte Senft einen auf dramatische Weise geschafften Klassenerhalt miterlebt. Bei der SV Ried stieg er im Frühjahr 2023 vom Zweitteam zum Cheftrainer der Profis auf. Der Club hielt ihm trotz des nicht mehr verhinderten Abstiegs die Treue. 2025 ging es zurück in die Bundesliga, dort scheiterte der Aufsteiger Ende Mai erst im Play-off-Finale um den Europacup-Einzug an Rapid.
Was Senft aus seiner Pokerkarriere mitnimmt
Senft war selbst nie Fußballprofi, eine finanzielle Basis schuf er sich mit Poker. Platz elf bei der WM (World Series of Poker) 2014 in Las Vegas brachte ihm 565.000 Dollar Preisgeld, insgesamt erspielte er sich bis zu seinem Karriereende 2015 mehr als 880.000 Dollar (760.000 Euro). „Ich weiß, dass das ein absolutes Privileg ist“, sagte Senft. „Es hat mir natürlich geholfen. Ich konnte mich dadurch sehr stark aufs Fußballtrainersein konzentrieren und nebenbei studieren.“
Dem Kartenspiel frönt der Absolvent der Wiener WU (Bachelor) und der FH Wiener Neustadt (Master in Training & Sport) schon seit Jahren nicht mehr. „Wenn ich etwas mache, mache ich es ‚all-in‘ oder gar nicht, so bin ich ein bisschen gestrickt“, meinte Senft. Das Wesentlichste, das er aus seiner Pokerkarriere für jene als Fußballtrainer gelernt hat? „Die Beurteilung der Qualität meiner Entscheidungen nicht von Resultaten abhängig zu machen.“
Mitunter hat man am Pokertisch auch mit der besseren Hand das Nachsehen. „Dort gewinnst du manchmal auch nicht, obwohl du eine clevere Entscheidung getroffen hast“, erklärte Senft. Fußball sei ein „Low-Scoring-Game“, der Zufall spielt eine Rolle. Zwar sei es wichtig, Ergebnisse und vor allem die daraus entstehenden Dynamiken für die folgenden Wochen mitzudenken. „Gleichzeitig geht es darum, sich nicht von diesen Ergebnissen und den resultierenden Emotionen leiten zu lassen. Das ist etwas, das im Poker auch sehr, sehr wichtig ist.“