Serbiens brennender Spagat zwischen Brüssel und Moskau

Stand: 23.08.2026, 13:12 Uhr

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Ein Bauer bringt seine Kühe bei Grebenac vor den Flammen in Sicherheit.

Ein Bauer bringt seine Kühe bei Grebenac vor den Flammen in Sicherheit. © IMAGO/Marko Dimic

Erst setzt Serbien bei der Brandbekämpfung auf russische Hilfe, dann fordert die Regierung doch Unterstützung aus der EU an.

Erleichtert, aber etwas verfrüht vermeldeten Serbiens mediale Regierungssprechrohre letzte Woche den Löschvollzug. „Die Brände löscht nun auch die starke Iljuschin“, titelte am Donnerstag freudig die Zeitung „Blic“. „Das russische Ungetüm hat den Brand mit 120 Tonnen Wasser gelöscht“, jubilierte die Zeitung „Novosti“ über den von Belgrad erbetenen Einsatz des von Russland in Marsch gesetzten Wasserbombers.

„Russland unterstützt die serbische Brüdernation“, pries das russische Außenministerium die Löschbruderhilfe. In Brüssel stießen die Jubelgesänge der russischen Löschwunderwerke beim EU-Anwärter hingegen auf Befremden: Denn Hilfsangebote der EU hatte der Beitrittskandidat bei der Bekämpfung der seit einem Monat wütenden Waldbrände im Naturschutzgebiet der „Banater Sandwüste“ (Deliblatska pescara) bis dahin immer ausgeschlagen.

Serbien habe noch immer nicht den EU-Zivilschutz-Mechanismus zur internationalen Hilfe bei der Brandbekämpfung aktiviert, berichtete die EU-Kommission am Freitag. Sobald dies geschehen sollte, werde „sofort“ die Hilfe der EU-Partner mobilisiert. Weniger positiv war er auf den Einsatz des russischen Löschflugzeugs beim Beitrittskandidaten zu sprechen. Solange Moskau auf „europäischem Boden“ in der Ukraine einen „ungerechtfertigten Aggressionskrieg“ führe, könnten die EU-Beziehungen zu Russland nicht gewöhnlich sein: „Die EU wünscht sich, auf Serbien als vertrauenswürdigen Partner zählen zu können.“

Selbst beim Löschen von Waldbränden scheint der zwischen Ost und West balancierte EU-Anwärter auf den Spagat und Schlingerkurs zwischen Moskau und Brüssel zu setzen. Erst hatte der autoritär gestrickte Staatschef Aleksandar Vučić (SNS) im Vorwahlkampf sowohl aus Russland als auch von der EU angebotene Löschhilfen am letzten Wochenende als „nicht nötig“ ausgeschlagen. Dann begründete Innenminister Ivica Dačić (SPS) wenige Tage später die Anforderung der russischen Iljuschin-76 mit deren Wasserladekapazität gegenüber den Flugvehikeln der EU-Partner.

Nach den Vorhaltungen aus Brüssel kündigte er am Freitag wegen „der außerordentlich schweren Lage“ doch noch die Aktivierung des bis dahin verschmähten EU-Zivilschutzmechanismus an. Seit dem Wochenende sind nun auch tschechische, rumänische und slowakische Löschhelikopter und Feuerwehrleute im serbischen Waldbrandeinsatz. Die Ankunft von deutschen Brandbekämpfern wird an diesem Montag erwartet.