Serie Daseinsvorsorge – Feuerwehr Quierschied: Quierschieds Feuerwehr stellt sich neu auf
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Serie Daseinsvorsorge – Feuerwehr Quierschied Quierschieds Feuerwehr stellt sich neu auf
Interview | Quierschied · Gemeindewehrführer Christian Peter über 100 Ehrenamtliche, steigende Einsatzzahlen und neue Herausforderungen durch Elektromobilität
29.09.2026 , 23:00 Uhr
Christian Peter ist Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Quierschied. Er und sein Retter-Team planen große Vorhaben für die Gemeindefeuerwehr von morgen.
Foto: BeckerBredel
Ein Gespräch mit Gemeindewehrführer Christian Peter über die örtliche Feuerwehr und die Herausforderungen, die sie zu meistern hat.
Wie ist aktuell die Feuerwehr in Ihrer Gemeinde aufgestellt?
CHRISTIAN PETER: Die Freiwillige Feuerwehr Quierschied ist mit ihren Löschbezirken flächendeckend vertreten. Insgesamt verfügen wir über zwei Gerätehäuser und zehn Einsatzfahrzeuge. Zurzeit engagieren sich rund 100 aktive Feuerwehrangehörige ehrenamtlich. Durch die dezentrale Struktur können wir schnell auf Notfälle reagieren und gleichzeitig spezielle Einsatzmittel an zentralen Standorten vorhalten. Die Zusammenarbeit zwischen den Löschbezirken funktioniert sehr gut und wird regelmäßig durch gemeinsame Übungen gefestigt. Außerdem sind wir bei den Planungen für ein zentrales Feuerwehrzentrum für alle Gemeindebezirke bereits weit fortgeschritten.
Wie ist die aktuelle Nachwuchssituation?
Eines der neuen Quierschieder Löschfahrzeuge, die vom geplanten Gerätehaus aus zu ihren Einsätzen ausrücken werden.
Foto: Gemeinde Quierschied
CHRISTIAN PETER: In unserer Jugendfeuerwehr engagieren sich rund 30 Jugendliche. Besonders erfreulich ist, dass viele danach in den aktiven Einsatzdienst wechseln. Langfristig bleibt die Mitgliedergewinnung eine Herausforderung, da sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Freizeitverhalten verändern. Mit unserer Kinderfeuerwehr ab acht Jahren schaffen wir bereits früh Berührungspunkte mit dem Ehrenamt und fördern spielerisch Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Interesse am Brandschutz.
Wie viele Einsätze hatte die Feuerwehr im Vorjahr und in diesem Jahr?
CHRISTIAN PETER: Im Jahr 2025 wurde die Feuerwehr Quierschied zu rund 110 Einsätzen alarmiert. Im laufenden Jahr 2026 liegen wir bislang bei 63 Einsätzen. Die Einsätze verteilen sich auf klassische Brandeinsätze, technische Hilfeleistungen nach Verkehrsunfällen, Unterstützung des Rettungsdienstes, Sturm- und Unwettereinsätze sowie sonstige Gefahrenlagen, wie aktuell die Vegetationsbrände. Der Trend zeigt seit Jahren, dass technische Hilfeleistungen inzwischen einen deutlich größeren Anteil einnehmen als reine Brandeinsätze und auch die Unterstützung des Rettungsdienstes im Bereich des Patiententransportes deutlich zunehmen. Hervorzuheben ist vielleicht der Einsatz von rund 40 Ehrenamtlichen der Feuerwehr Quierschied beim großen Waldbrand in Illingen.
Wie oft brennt es eigentlich? Und wie oft wird andere Hilfe geleistet?
CHRISTIAN PETER: Entgegen dem verbreiteten Bild besteht der Großteil unserer Arbeit heute nicht mehr aus Brandeinsätzen. Die meisten Alarmierungen betreffen technische Hilfeleistungen, ausgelöste Brandmeldeanlagen, Verkehrsunfälle, Wasserschäden oder Unterstützungen für den Rettungsdienst. Gleichzeitig werden die Anforderungen immer komplexer. Themen wie Elektromobilität, alternative Antriebstechniken, Gefahrstoffe oder moderne Gebäudetechnik erfordern eine kontinuierliche Aus- und Fortbildung. Unsere Einsatzkräfte investieren deshalb viele Stunden in Lehrgänge, Übungen und Spezialausbildungen.
Gibt es Kooperationen mit Nachbarfeuerwehren?
CHRISTIAN PETER: Wir haben eine besondere landkreisübergreifende Kooperation mit Merchweiler.
Welche Rolle spielen Wald- und Flächenbrände?
CHRISTIAN PETER: Längere Trockenperioden und steigende Temperaturen führen dazu, dass sich Feuer schneller ausbreiten können. Die Vorbereitung auf solche Einsatzlagen wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Dieses Jahr haben wir den neuen Gerätewagen Logistik 2 in Betrieb genommen, der zum einen von seinem Fahrgestell für solches Gelände ausgelegt ist und zum anderen auch eine besondere Beladung für Vegetationsbrandbekämpfung mitführt.
Welche Anschaffungen sind heute notwendig, die man früher nicht brauchte?
CHRISTIAN PETER: Heute benötigen wir Ausrüstung für moderne Fahrzeugtechnologien, Einsatzdokumentation, Kommunikation, Gefahrstoffeinsätze und den Schutz der Einsatzkräfte. Auch digitale Technik spielt eine immer größere Rolle. Moderne Wärmebildkameras, spezielle Akkulöschtechnik, Drohnentechnik oder Softwarelösungen unterstützen uns bei der Bewältigung komplexer Einsatzlagen. Der stark gestiegene Dokumentationsaufwand erfordert weiterhin diverse digitale Endgeräte, wie zum Beispiel der Einsatz von Tablets.
Welche Investitionen stehen generell an?
CHRISTIAN PETER: Eine leistungsfähige Feuerwehr erfordert kontinuierliche Investitionen in Fahrzeuge, persönliche Schutzausrüstung, Gerätehäuser und Ausbildung. Unser Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft langfristig auf hohem Niveau zu halten und gleichzeitig den gestiegenen Anforderungen moderner Gefahrenlagen gerecht zu werden. Unsere aktuell größte Investition besteht in dem zentralen Feuerwehrzentrum, aber auch der Fuhrpark hat grundlegend hohe Investitionskosten.
Was wäre ein dringender Wunsch?
CHRISTIAN PETER: Unser größter Wunsch ist es, weiterhin Menschen für das Ehrenamt Feuerwehr begeistern zu können. Technik kann vieles unterstützen, letztlich sind es jedoch die ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die rund um die Uhr bereitstehen, um anderen Menschen zu helfen. Für uns als Führungskräfte wäre es wünschenswert, eine Entlastung in den vielfältigen Aufgaben von Stellungnahmen zu erhalten. Sehr viele Bauvorhaben erfordern eine Stellungnahme der Feuerwehr, was im Saarland auf dem Rücken der ehrenamtlichen Feuerwehrführungskräfte lastet. Hier wäre es schön, wenn dafür eine Lösung geschaffen würde.
Wie funktioniert die Gemeinschaft innerhalb der Feuerwehr?
CHRISTIAN PETER: Die Feuerwehr ist weit mehr als eine Einsatzorganisation. Sie ist eine starke Gemeinschaft, die von Teamgeist, gegenseitigem Vertrauen und Zusammenhalt lebt. Neben Übungen und Einsätzen finden zahlreiche gemeinsame Aktivitäten statt. Auch die Alters- und Ehrenabteilungen sind fester Bestandteil des Feuerwehrlebens.
Bitte vervollständigen Sie den Satz: „Die Feuerwehr in unserer Gemeinde ist...“
CHRISTIAN PETER: „... unverzichtbar, leistungsfähig und ein lebendiges Beispiel dafür, was ehrenamtliches Engagement für die Gesellschaft leisten kann." (ole/jpu)