Serie Museen in der Region: Gold und römische Thermen – das gibt es im Kulturpark Bliesbruck-Reinheim zu sehen

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Serie Museen in der Region Gold und römische Thermen – das gibt es im Kulturpark Bliesbruck-Reinheim zu sehen

Serie | Bliesbruck/Reinheim · Gold, Wandmalereien und römische Thermen: Der Kulturpark Bliesbruck-Reinheim steckt voller Spuren vergangener Zeiten. Wer den Rundgang macht, überschreitet dabei sogar eine Landesgrenze.

19.09.2026 , 18:17 Uhr

Römisches Lagerleben gehört zu den Attraktionen beim jährlich stattfindenden Kinderfest im Kulturpark.

Römisches Lagerleben gehört zu den Attraktionen beim jährlich stattfindenden Kinderfest im Kulturpark.

Foto: Wolfgang Degott

Manchmal beginnt ein Museumsbesuch nicht an einer Vitrine, sondern mit ein paar Schritten über eine Wiese. Im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim ist das so. Wer durch das Gelände im Tal der Blies spaziert, bewegt sich durch mehr als zwei Jahrtausende Geschichte – und überschreitet dabei sogar eine Landesgrenze. Rund sieben Hektar umfasst der Archäologiepark beiderseits der deutsch-französischen Grenze.

Kelten und Römer haben im Kulturpark ihre Spuren hinterlassen

Kelten und Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen. Statt Vitrinen prägen Ausgrabungen, rekonstruierte Gebäude, Wiese, Weiher und Biotope das Gelände. Der Park liegt mitten im Unesco-Biosphärenreservat Bliesgau.

Blick auf den Park, rechts das Gebäude, in dem die Taverne untergebracht ist.

Blick auf den Park, rechts das Gebäude, in dem die Taverne untergebracht ist.

Foto: Wolfgang Degott

Der Rundgang beginnt auf der Reinheimer Seite mit dem keltischen Fürstinnengrab. 1954 stießen Arbeiter beim Abbau von Sand und Kies auf die Reste mehrerer Grabhügel. In einem davon lag die Bestattung einer Frau aus der Frühlatènezeit um 370 vor Christus. Goldschmuck, kostbare Beigaben und Importwaren lassen auf eine Persönlichkeit von außergewöhnlichem Rang schließen. Heute steht der rekonstruierte Grabhügel wieder in der Landschaft. Seit 1999 kann er begangen werden. Der Blick in die Grabkammer macht die Bestattung unmittelbar erfahrbar.

Sonderausstellung „Gold im Sand“

Direkt am Grab erzählt aktuell die Sonderausstellung „Gold im Sand“ die Entdeckung und Erforschung des Fundes. Erstmals sind auch ein Original-Artikel aus der „Illustrated London News“ von 1955, Gefäßfragmente, ein Halsring und ein Schädel eines „Torfschweins“ zu sehen. Repliken berühmter Grabbeigaben zeigen den Reichtum der Bestattung.

Besuchergruppe unterwegs vom Fürstinnengrab an der Säulenstraße vorbei in Richtung Taverne.

Besuchergruppe unterwegs vom Fürstinnengrab an der Säulenstraße vorbei in Richtung Taverne.

Foto: Wolfgang Degott

Der Weg führt weiter durch die Landschaft. Auf der deutschen Parkseite liegt die römische Palastvilla, deren Geschichte vom ersten bis ins vierte nachchristliche Jahrhundert reicht. Die weitläufige Anlage wird seit 1987 erforscht. Ihre Dimensionen machen deutlich, dass hier kein gewöhnlicher Bauernhof stand, sondern ein Gebäudekomplex, der in der Form nur nördlich der Alpen zu finden war.

Mehrere rekonstruierte Nebengebäude ergänzen das Bild. In einem befindet sich die Taverne, im Obergeschoss sind Wandmalereien und Funde aus dem Villenbereich zu sehen. Ein anderes Gebäude bewahrt den Originalbefund eines Terrazzobodens. Mosaiklegen, Töpferwerkstatt und Grabungsspiele machen Geschichte auch für Kinder erfahrbar.

Torhaus markiert die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich

Dann geht es in Richtung Grenze. Ein Torhaus markiert den Weg, kurz darauf steht das „Gebäude an der Grenze“. Der 2015 eröffnete Bau beschäftigt sich mit der Geschichte des Kulturparks und der europäischen Idee. Die Grenze, die einst politische Räume trennte, wird hier zum verbindenden Element eines gemeinsamen archäologischen Erbes und zum Erlebnis.

Blick in die Sonderausstellung „Gold im Sand“, die noch bis 31. Oktober im Eingangsbereich des rekonstruierten Fürstinnengrabes zu sehen ist.

Blick in die Sonderausstellung „Gold im Sand“, die noch bis 31. Oktober im Eingangsbereich des rekonstruierten Fürstinnengrabes zu sehen ist.

Foto: Wolfgang Degott

Auf der lothringischen Seite erstreckt sich der Vicus von Bliesbruck. Zwischen dem ersten und fünften Jahrhundert nach Christus existierte hier eine römische Kleinstadt, deren antiker Name bislang unbekannt ist. In ihrer Blütezeit lebten dort annähernd 2.000 Menschen. Vor allem Handwerker wohnten in Streifenhäusern entlang der Straßen und betrieben dort zugleich ihre Werkstätten. Die konservierten Ausgrabungen lassen den Aufbau der Siedlung erkennen. Im Zentrum lagen eine Basilika und eine repräsentative Brunnenanlage.

Haupt-Sehenswürdigkeit sind die Thermen

Besonders eindrucksvoll sind die öffentlichen Thermen nach mediterranem Vorbild. Im Centre de Recherches et d’Expositions (CREX-Ausstellungszentrum) werden Funde aus der Siedlung präsentiert.

Zurück auf der Reinheimer Seite lohnt ein Abstecher ins Maison Jean Schaub. Das nach dem Gründer des Parks benannte Haus zeigt die Besiedlungsgeschichte des Bliesgaus von der Steinzeit bis zur Römerzeit. Auch Funde aus der Merowingerzeit sind zu sehen. Dort ist auch eine Tourist-Information und eine Informationsstelle des Biosphärenreservats Bliesgau untergebracht.

Der Park besitzt aber noch eine weitere Komponente: Wer weiterläuft, entdeckt Weiher, Flutmulden und Biotope, die Wasservögeln Lebensraum bieten. Yaks und Esel helfen bei der Landschaftspflege. Der Spaziergang durch die Geschichte wird so zugleich zu einem Gang durch eine naturnahe Kulturlandschaft.

Am Ende wartet die Taverne

Der Kulturpark ist auch ein Forschungszentrum. Archäologen untersuchen die gesamte Siedlungslandschaft. Die Spuren reichen von der Bronzezeit bis in die Gegenwart. Forschungsergebnisse werden unter anderem in der wissenschaftlichen Schriftenreihe „Blesa“ veröffentlicht, benannt nach dem keltischen Wort für Bach, aus dem sich über die Jahrhunderte der Name des Flusses Blies entwickelte.

Am Ende des Rundgangs wartet die Taverne in Reinheim. Auf der Terrasse gibt es Flammkuchen, Burger, Pasta, Salate sowie Kuchen, Kaffee und Eis.

Wer den Park verlässt, nimmt deshalb mehr mit als den Eindruck einzelner spektakulärer Funde. Der Reiz liegt darin, dass sich die Epochen beim Gehen miteinander verbinden. Ein Grabhügel, ein römischer Gutshof, eine antike Kleinstadt und eine moderne Grenze liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt. Archäologie ist hier nicht hinter Glas verbannt. Man kann über sie hinweggehen, in sie hineingehen und eine Grenze überschreiten. Geschichte wird zur Landschaft – und der Spaziergang durch den Bliesgau zur Reise durch die Jahrtausende. (jen/ceh)

Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, Robert-Schuman-Straße 2, 66453 Reinheim; Tel. (06843) 90 02 11, E-Mail: [email protected]; Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis 18 Uhr. In der Winterpause vom 1. November bis 14. März bleiben die Museen geschlossen; die Parkanlage ist frei zugänglich; Eintritt: fünf Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 16 Jahre frei. Öffnungszeiten der Taverne: Freitag bis Sonntag: 12 bis 22 Uhr, Montag: 12 bis 18 Uhr.