Serie Museen in der Region: Ran an die Kohle: So war der Bergbau in Bexbach vor 100 Jahren
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Serie Museen in der Region Ran an die Kohle: So war der Bergbau in Bexbach vor 100 Jahren
Bexbach · Riesige Kohlebrocken, eine nachgestellte Bergmannswohnung aus dem Jahr 1900 und allerlei Handwerkswissen: Das Bergbaumuseum in Bexbach hält für große und kleine Entdecker viele Überraschungen parat.
24.10.2026 , 20:31 Uhr
Stollen und Streb untertage: Unter welchen Bedingungen die Kohle gewonnen wurde, ist im unterirdischen Schaubergwerk zu sehen.
Foto: Martin Baus
Vor 92 Jahren reisten Tausende Wanderer mit Sonderzügen in die Westpfalz, um ein Museum zu sehen, das gerade erst eröffnet worden war. Heute steht dort, in Bexbach, das saarländische Bergbaumuseum. Es zieht Besucher bis heute in die Welt der Bergleute, tief unter die Erde.
Grubenausstellung erntete 1934 Lob
Im Juni 1934 zogen Wanderer in langen Reihen durch den Ort zum Hindenburgturm. Mehrere Tausend Besucher kamen mit Sonderzügen in die Westpfalz. Sie gehörte seit dem Ende des Ersten Weltkriegs zum Saargebiet und war damit vom Stammland abgetrennt. Ihr Ziel war eine „krachneue“ Attraktion: das Heimat- und Grubenmuseum, das am 5. Mai 1934 eröffnet worden war.
Das Geleucht des Bergmanns: Das Museum zeigt eine reichhaltige Kollektion von Grubenlampen aus den verschiedenen Phasen der Bergbaugeschichte.
Foto: Martin Baus
Eine Schilderung des Pfälzerwaldvereins aus dem Juni 1934 hält fest: „Besonders die Grubenausstellung vermittelte den Besuchern tiefe Einblicke in den gefahrvollen Beruf des saarländischen Bergknappen, aber auch in die Bedeutung der Kohlenindustrie für das ganze Gebiet.“ Von der Plattform des Turms zeigte sich die „Eigenart der lieblichen Landschaft, die in sanften Hügelwellen Wald, Wiesen und Felder umfasst, unterbrochen von zahlreichen Dörfern, Fördertürmen und Schachtanlagen“.
Museum empfängt bis zu 7.000 Besucher pro Jahr
Die typische Küche im Haushalt einer Bergarbeiterfamilie nach 1900: Auch der Alltag und die sozialen Verhältnisse sind in Szene gesetzt.
Foto: Martin Baus
Die Ausstellungen waren dem Hochbehälter angegliedert, der 1932 und 1933 errichtet worden war. Er sollte die Wasserversorgung der Gemeinde sichern, eine Funktion, die er nie wirklich wahrnahm. Höhepunkt der Ausstellung war ein kleines unterirdisches Schaubergwerk mit „Querschlag und Streb“.
Das Bauwerk und das Museum gibt es bis heute. Als „Saarländisches Bergbaumuseum“ ist es von der Parkanlage des Blumengartens umgeben. Bis zu 7.000 Besucher zählt es pro Jahr. Seit der Einweihung wurde vieles erneuert und erweitert, doch der Charme des ursprünglichen Konzepts ist erhalten geblieben.
Tonnenschwerer Kohlebrocken schmückt Schwelle
290 Millionen Jahre alt und eine Tonne schwer: Der Kohleblock im Eingangsbereich des Museums wurde auf der Grube Mittelbexbach gebrochen.
Foto: Martin Baus
Schon im Eingangsfoyer fällt ein kolossaler Kohlebrocken ins Auge. Er wiegt eine Tonne und steht symbolisch für die Geschichte des Bergbaus im Saarrevier. Das Bruchstück des „schwarzen Goldes“ wurde auf der einst bayerischen Staatsgrube „Mittelbexbach“ gebrochen und ist gut 290 Millionen Jahre alt. Die erdgeschichtliche Abteilung zeigt, wie aus der Pflanzenwelt jener Zeit der Rohstoff wurde, der die Grundlage der Industrialisierung bildete. Dort lassen sich auch Fossilien bewundern.
Gleich „um die Ecke“ kommt moderne Technik zum Einsatz. Die Einfahrt in den Untertagebereich wird simuliert, die originale „Seilfahrtsituation“ im Nordschacht der Grube Ensdorf wird so erlebbar. Mit Gerüttel, Geschüttel und der originalen Geräuschkulisse geht es recht rasant „im Korb“ hinunter auf 1276 Meter „Teufe“, wie es in der Bergmannssprache heißt. Vier lange Minuten dauert die Einfahrt auf die 20. Sohle. Unten angekommen stehen so manche Besucher mit wackeligen Beinen da, obwohl sich die Plattform gar nicht bewegt hat.
Einblicke in das Leben von Bergmannsfamilien um 1900
Die Etagen des Betonbaus erläutern die vielen Facetten des Bergbaus und das Leben der Bergleute. Sie zeigen zugleich die Fortschritte bei Technik und Sicherheit. Eindrucksvoll ist die Sammlung der Grubenlampen, mit denen sich die Arbeiter tief im Erdinnern Licht und Sicht verschafften. Sie reicht von den historischen „Froschlampen“ über die Wetterlampe bis zur Sicherheitslampe. So manchen Sammler lässt dieses „Geleucht“ das Herz höherschlagen.
Wer wissen will, wie Bergmannsfamilien um 1900 lebten, findet Anschauungsmaterial in den Küchen, Schlafzimmern und Ställen der traditionellen, geförderten Behausungen, der „Prämienhäuser“. Selbst die „Bergmannskuh“ gehört zu diesem Ensemble.
Der Arbeitswelt unter Tage ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Das unterirdische Schaubergwerk dokumentiert die Ausbauarten der Stollen und Strebe, die im saarländischen Bergbau über Jahrhunderte üblich waren und stetig modernisiert wurden. Die Palette reicht von Holzpfosten über Stahlstempel bis zu den gewaltigen, durchdachten und zugleich aufwendigen Hydraulikschilden. Mit ihnen wurden der Kohleabbau und die Bergleute bei ihrer riskanten Arbeit geschützt.
Große Fotos zeigen die Kohlebergwerke des Saarlandes in alten Ansichten. Dazu kommen künstlerische Arbeiten, das Büro eines Grubendirektors mit mächtigem Schreibtisch und die schmucken Uniformen der Knappen. Raritäten wie ein kunstvoll geschnitzter Tisch zeigen die Insignien des Bergmannsberufs schlechthin: „Schlegel und Eisen“. Damit ist das Bergbaumuseum in Bexbach eine Fundgrube reizvoller Details. (brn/sm)