Serie Vereine hautnah: Wie Benin für zwei St. Ingberter zur Lebensaufgabe wurde
- Saarland
- Saarpfalz-Kreis
- St. Ingbert
Serie Vereine hautnah Wie Benin für zwei St. Ingberter zur Lebensaufgabe wurde
Serie | St. Ingbert · In einer neuen Serie stellen wir Vereine in St. Ingbert vor. Dieses Mal geht es um den Verein „Perspektiven für Benin“. Wir haben mit den beiden Vorsitzenden Hans Peter Thiel und Waltraud Latz über ihre Arbeit gesprochen – und dabei berührende Geschichten erfahren.
25.07.2026 , 17:27 Uhr
Die beiden Vorsitzenden Hans Peter Thiel und Waltraud Latz engagieren sich seit Jahren für die Menschen in der beninischen Gemeinde Bassila. Ihr Verein hat zahlreiche Projekte in dem westafrikanischen Land ermöglicht.
Foto: Daniel Bonenberger
Lange muss er nicht überlegen, der Vorsitzende des Vereins „Perspektiven für Benin“, Hans Peter Thiel, als wir ihm die Frage nach seinen Beweggründen stellen: „Es ist zu meiner Lebensaufgabe geworden. Als ich das erste Mal in Benin das Elend der Menschen gesehen habe, wusste ich, ich muss helfen“, antwortet der 78-jährige St. Ingberter ohne Zögern – und erzählt seine Geschichte. Alles habe damit begonnen, dass er aus beruflichen Gründen den beninischen Botschafter im Saarland kennengelernt habe und so auf die Situation in dem westafrikanischen Land aufmerksam wurde. Schnell habe Thiel mithilfe von Schulaktionen ein erstes Hilfsprojekt gestartet.
Wie es zur Vereinsgründung gekommen ist
Voller Neugierde sei er dann privat nach Benin gereist, um sich die Situation vor Ort anzuschauen: „Dort habe ich Nabiou Soumanou kennengelernt, mit dem der Kontakt von da an bestehen blieb“, erinnert sich Thiel. Soumanou sei regelmäßig zu Thiel und seiner Lebensgefährtin Waltraud Latz ins Saarland gereist, wo er ihnen irgendwann die Idee unterbreitet habe, gemeinsam einen Hilfeverein zu gründen, um die Menschen in seiner Großgemeinde Bassila, die rund doppelt so groß wie das Saarland ist, zu unterstützen. 2015 habe zunächst Soumanou den Verein „W.E-ONG“ in Bassila gegründet, 2016 dann Thiel den Verein „Perspektiven für Benin“ in St. Ingbert: „Die Idee dahinter war, dass Soumanou vor Ort ermittelt, wo die Not am größten ist und welche Projekte den meisten Nutzen für die Menschen haben. Unsere Aufgabe ist es, in Deutschland die Finanzierung zu stemmen und alle bürokratischen Hürden aus dem Weg zu räumen“, berichtet Thiel.
Mehr als 6.600 Schulbücher sind im Laufe der Zeit in mehreren Schulen in der Gemeinde angeschafft worden.
Foto: Nabiou Soumanou
Und bürokratische Hürden gibt es genügend. Täglich sitzt Thiel stundenlang am Caomputer, bearbeitet Behördenanfragen, reicht Belege ein, stellt Anträge auf Projektzuschüsse – alles bis ins kleinste Detail dokumentiert, wie er erzählt. Auch die stellvertretende Vorsitzende, Waltraud Latz, gibt es reichlich zu tun. „Unsere Aufgaben sind klar getrennt, Peter stemmt die Arbeit mit den Behörden und erledigt den gesamten Papierkram, ich kümmere mich um die Koordination.“ Über Benin habe sie zuvor wenig gewusst, durch ihren Partner habe sie ihre Leidenschaft für das Land aber schnell entdeckt: „Es ist einfach schön, mit kleinen oder größeren Dingen, das Leben der Menschen verbessern zu können.“ So kommuniziert sie täglich mit Soumanou, leitet Anfragen an Firmen und Projektpartner weiter und stellt ein Netzwerk zwischen allen Beteiligten her, wie sie erklärt.
Die Projekte helfen den Menschen direkt im Alltag
Mit Spenden konnten in vielen Dörfern in Bassila effiziente Kochstellen angeschafft werden.
Foto: Nabiou Soumanou
Welche Projekte unterstützt der Verein nun im Einzelnen? „Ein großes Problem in Bassila ist die Trockenheit. Mit größtenteils privaten Spenden konnten wir bislang in 46 der 60 Dörfer Trinkwasserbrunnen finanzieren“, sagt Thiel. Ziel sei es, in jedem der Dörfer die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Von einem weiteren echten Herzensprojekt berichtet Latz: „Ein Großteil der Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben, Schulbücher sind schlichtweg nicht oder nur unzureichend vorhanden. Das wollten wir ändern“, berichtet Latz. So konnte der Verein mehr als 6.000 Bücher für Grundschulen in Bassila finanzieren.
Weitere Initiativen seien zudem der Bau von 111 privaten und vier öffentlichen Toilettenanlagen, die Bereitstellung von 23.000 effizienten Kochstellen für Familien sowie die Installation von 17 Wasserpumpen zur Bewässerung der Felder. „Besonders gefreut haben mich die vielen öffentlichen Solarlaternen in den Dörfern, die wir finanzieren konnten. Hunderte dieser Lichtquellen sind in der Dunkelheit ein richtiger Anziehungsort für die Gemeinde geworden“, weiß Thiel.
Wie ist der Verein „Perspektiven für Benin“ organisiert?
Wie jeder Verein lebt auch der St. Ingberter von den Mitgliedern und deren Unterstützern, sprich den Spendern. „Wir sind mittlerweile mehr als 50 Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands und sogar aus Frankreich“, berichtet der Vorsitzende. Das sei größtenteils durch Mundpropaganda möglich geworden, auch im Freundes- und Bekanntenkreis stieß das Paar auf offene Ohren: „Ich habe eine Schulfreundin in Hannover, die hat gleich viele aus ihrer Familie mit ins Boot geholt“, sagt Latz. Wie bei jedem eingetragenen Verein gebe es eine Vereinssatzung und einmal im Jahr werde eine Mitgliederversammlung in St. Ingbert abgehalten. Dabei werde auch der fünfköpfige Vorstand gewählt: „Natürlich können da nicht alle dabei sein, aber 30 bis 40 Leute nehmen regelmäßig teil“, sagt der St. Ingberter.
Fertiger Brunnen im Dorf Faragadjima, der mit Hilfe aus dem Saarland gebaut werden konnte.
Foto: Nabiou Soumanou
Über die Projekte entschieden werde in aller Regel im Vorstand. Die Mitglieder würden im Nachgang über Veröffentlichungen und Vereinsbroschüren informiert. Ebenso wichtig seien neben den Mitgliedern aber die Spender, die die Umsetzung der Projekte erst möglich machen: „Im Laufe der Jahre konnten wir so 900.000 Euro für Hilfsprojekte sammeln.“ Die Millionenmarke solle so bald als möglich geknackt werden, wünscht sich das Paar. In einem Punkt sind sich Latz und Thiel einig: Die Hilfe für Benin ist zu einem wichtigen Teil ihres Lebens geworden, den sie weiterführen möchten, solange es die Gesundheit erlaubt. Dennoch hoffen die beiden 78-Jährigen, dass auch bei Jüngeren diese Leidenschaft entfacht wird, wie es bei ihnen der Fall gewesen sei. „Für die Menschen vor Ort ist diese Hilfe existenziell“, weiß Thiel, dessen Sehnsucht es ist, das westafrikanische Land und die Menschen, die ihm so ans Herz gewachsen sind, noch einmal wiederzusehen. (schet)