Silke Nowakowsky trainiert seit 45 Jahren Karate

Stand: 03.09.2026, 07:00 Uhr

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Bürgermeisterkandidatin Silke Nowakowsky (UBL) in ihrem Element: Beim Karate leitet sie Kinder mit Freude und Geduld an. Karate gibt ihr die Möglichkeit, abzuschalten und sich neu zu fokussieren.

Bürgermeisterkandidatin Silke Nowakowsky (UBL) in ihrem Element: Beim Karate leitet sie Kinder mit Freude und Geduld an. Karate gibt ihr die Möglichkeit, abzuschalten und sich neu zu fokussieren. © Naomi Madlene Ott

Die UBL-Kandidatin leitet das Kenko-Karate-Dojo mit rund 60 Mitgliedern. Nach einem schweren Motorradunfall half ihr der Sport zurück ins Leben.

Limeshain – „Ruhe“, ruft Silke Nowakowsky. Für einen Moment ist es still in der Limeshalle. Die Kinder sitzen im Kniesitz, die Augen geschlossen. „Auf Kommando: Augen zu.“ Mokusō – Meditation. Dann: „Mokusō Yame.“ Die Augen gehen wieder auf. Bei den Jüngsten ist die Konzentration nicht immer einfach. Nowakowsky bleibt ruhig, fordert zwischendurch aber wieder Aufmerksamkeit ein.

Wenig später kommt die nächste Gruppe. Hier wird nicht nach Alter sortiert, sondern nach Gürtel. Gelb, grün, braun, schwarz. Nowakowsky hat die Gruppe dabei genau im Blick. „Komm, Steve, auf, ran“, ruft sie. Ihre Stimme ist laut und bestimmt, ihre Art freundlich und offen.

Der rote Faden durch ihr Leben

Karate begleitet Silke Nowakowsky schon fast ihr ganzes Leben. „Ich mach das bestimmt seit 45 Jahren“, sagt sie. Angefangen hat alles im Saarland. Ihr Onkel hatte dort damals den größten Karateverein des Bundeslandes.

Was zunächst mit dem Sport begann, wurde irgendwann zur Leidenschaft. „Es schafft mir den nötigen Ausgleich, weil ich schon ein ordentliches Pensum habe“, sagt sie. Karate helfe ihr, sich zu resetten, bei null anzufangen, zu sich zu finden.

Vor rund 30 Jahren kam die Prävention dazu. Nowakowsky arbeitete für den Deutschen Karate-Verband in der Pressearbeit, war bei Europa- und Weltmeisterschaften dabei, weltweit unterwegs und später Geschäftsführerin des Landesverbandes.

Heute gibt sie ihre Erfahrung im Kenko-Karate-Dojo Limeshain weiter. Rund 60 Mitglieder gehören inzwischen zum Verein. Karate soll hier mehr sein als Bewegung und Technik: Gesundheit, Integration, Selbstbehauptung, Respekt und ein gutes Miteinander gehören dazu. „Meine große Leidenschaft ist es, den Kids Werte zu vermitteln“, sagt Nowakowsky.

Während sie erzählt, läuft das Training weiter. Die Gruppe macht eine Kata. Die Bewegungen wirken wie eine Choreografie, jeder Ablauf ist genau festgelegt. „Das ist wie die Kür beim Eiskunstlaufen“, erklärt Nowakowsky. Ein Kampf gegen den imaginären Gegner.

Doch Kämpfen allein ist für Nowakowsky nicht der Punkt. „Karate ist immer Selbstverteidigung. Wir greifen niemals selbst an, sondern wir werden angegriffen und verteidigen uns.“ Respekt, Fair Play und der Blick für die anderen gehören für sie dazu wie die Technik.

Die Bürgermeisterkandidatin und ihre Frau Rita gehören zu den höchsten Graduierungen im Verein. Beide haben den schwarzen Gürtel und die B-Trainer-Lizenz, dürfen Prüfungen abnehmen und entscheiden mit darüber, wann jemand in die nächsthöhere Gruppe aufsteigt. Kennengelernt haben sie sich ebenfalls über Karate. 2012 war Nowakowsky, damals für die Pressearbeit zuständig, bei einer Veranstaltung und machte Fotos. Die entstandenen Bilder schickte sie anschließend an die Beteiligten. So kamen die beiden ins Gespräch. „Am nächsten Tag sind wir schon Motorrad zusammen gefahren“, sagt Nowakowsky und schmunzelt.

Ein Jahr später veränderte ein schwerer Motorradunfall ihr Leben. Nowakowsky war auf dem Weg zu Rita, als ihr ein Mann die Vorfahrt nahm. Kurzzeitig stand sogar die Frage im Raum, ob sie querschnittsgelähmt bleiben könnte. Doch Karate half ihr zurück.

Auch als sie körperlich noch nicht wieder richtig mitmachen konnte, stand sie am Rand und versuchte, die Bewegungen nachzumachen. Der Sport half ihr nicht nur körperlich, sondern auch mental, wieder ins Leben zurückzufinden. Der Unfall wurde schließlich zum Anlass, dass Rita und Silke Nowakowsky heirateten. Die Hochzeitsreise führte – wohin sonst – in ein Karatecamp.

Bestimmt, direkt und fair

Heute sitzt Nowakowsky am Rand der Halle und beobachtet die Gruppe weiterhin genau. Sie kommentiert, korrigiert, ruft zwischendurch ein „Konzentrieren, Melina“ – und lacht dabei. Es ist eine Mischung, die sich durch den ganzen Abend zieht: bestimmt, sehr direkt, aber immer fair.

Auch beruflich beschäftigt sich Nowakowsky mit Selbstbehauptung und Prävention. Sie ist Kriminalbeamtin und Gleichstellungsbeauftragte bei der hessischen Polizei und bietet inzwischen Selbstverteidigung für Tarifbeschäftigte an. Besonders Frauen sollten die Möglichkeit bekommen, sich untereinander auszutauschen.

Für die Wahl-Himbacherin ist Karate längst mehr als Sport. Es ist Ausgleich, Prävention und eine Leidenschaft, die sie seit Jahrzehnten begleitet.

Und wenn sie einmal nicht in der Halle steht, gibt es noch Akira. Nowakowsky holt ihr Handy heraus und zeigt stolz ein Foto. „Das ist unser Herzensbrecher.“ Akira ist ein Eurasier.

Draußen ist es inzwischen dunkel. Drinnen steht die Gruppe in ihren weißen Karateanzügen auf dem Hallenboden, jeder mit seinem Gürtel. Nowakowsky sitzt am Rand, schaut zu, greift ein, wenn es nötig ist. Dann wird es wieder still. „Mokusō.“ Die Augen schließen sich.