„Silver Tsunami“ verpufft: Studie dämpft Hoffnung auf Häuser für junge Familien in Deutschland
Stand: 16.10.2026, 14:03 Uhr

Ein Haus mit Garten und Platz für Kinder bleibt für viele junge Familien ein Traum. Eine neue IW-Studie zeigt: Der erhoffte Generationenwechsel bei Immobilien wird die Wohnungsnot nicht allein lösen.
Ein Haus mit Garten und Platz für Kinder: Für viele junge Familien ist das ein Traum. Für viele ältere Eigentümer ist es dagegen längst zu groß. Genau hier setzt eine große Hoffnung an: Wenn die Babyboomer in Rente gehen, sollen ihre Häuser frei werden.
Die Erwartungen an den „Silver Tsunami“
In der Immobilienbranche spricht man vom „Silver Tsunami“. Gemeint ist, dass die geburtenstarken Jahrgänge aus ihren Eigenheimen ausziehen, weil sie verkaufen oder vererben. So könnten die Preise sinken und der Mangel von geschätzt über einer Million Wohnungen behoben werden, so die Hoffnung laut dpa.
Eine neue Studie widerspricht dieser Rechnung. Sie entstand im Auftrag des Verbands der Sparda-Banken und stammt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Die Forscher werteten dafür eine Sonderauswertung des Zensus 2022 für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte aus (IW-Gutachten). Ihr Urteil: Die Erwartung, dass der Generationenwechsel die Wohnungsprobleme Deutschlands „von allein löst, greift zu kurz“.
Land und Stadt passen nicht zusammen
Bundesweit stehen rund 5,3 Millionen Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren ebenso vielen Mieterhaushalten zwischen 30 und 44 Jahren gegenüber. Regional zeigt sich aber ein deutliches Ungleichgewicht. In 300 Kreisen gibt es mehr ältere Eigentümer als jüngere Mieter. Berücksichtigt man nur Eigentümer ab 75 Jahren, bleiben davon nur noch 91 Kreise übrig. Die Überhänge liegen oft in kleineren und ländlichen Regionen, während die größte Nachfrage in Ballungsräumen besteht.
Die Zahlen aus Großstädten zeigen das deutlich:
- Berlin: Rund 90.000 ältere Eigentümerhaushalte stehen etwa 434.000 jüngeren Mieterhaushalten gegenüber.
- Frankfurt am Main: Auf rund 21.000 ältere Eigentümerhaushalte kommen ungefähr 90.000 jüngere Mieterhaushalte.
Selbst mit dem direkten Umland reicht das Angebot in 34 von 70 untersuchten Großstädten nicht aus, um die Nachfrage jüngerer Haushalte zu decken.
IW-Immobilienexperte Pekka Sagner erläutert: „Aber ein potenziell freiwerdendes Eigenheim auf dem Land löst nicht das Wohnraumproblem einer jungen Familie in der Großstadt.“ Entscheidend sei, ob Angebot und Nachfrage regional zusammenpassen.
Viele Ältere bleiben in ihren Häusern
37 Prozent der Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren finden ihre Wohnung zu groß. Gleichzeitig empfinden 35 Prozent der jüngeren Mieterhaushalte ihre Wohnung als zu klein. Ältere Menschen ziehen aber selten um. Hohe Erwerbsnebenkosten, fehlende kleinere und barrierearme Wohnungen und die Bindung an das vertraute Umfeld erschweren einen Wechsel.
Was der Verband fordert
Florian Rentsch, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Sparda-Banken, sagte: „Die Hoffnung auf einen Silver Tsunami ist keine wohnungspolitische Strategie.“ Die Politik müsse über Einzelmaßnahmen hinausdenken und die strukturellen Hindernisse angehen. Er nannte niedrigere Erwerbsnebenkosten, bessere Finanzierungsbedingungen und eine bessere Nutzung von Wohnraum.
„Niemand soll sein Zuhause aufgeben müssen“, sagte Rentsch. „Aber wer sich freiwillig verkleinern, sein Haus teilen oder zusätzlichen Wohnraum schaffen möchte, sollte dabei unterstützt werden – statt an Kosten und Bürokratie zu scheitern.“ (nmr mit dpa)