Sippel, Barak und Habib als Trainer bei der Kleinfeld-WM in Essen

Stand: 15.08.2026, 08:00 Uhr

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Fußball, 3 Ex Fußballer Harez Habib, Yussuf Barak und Kim Sippel sind in der Redaktion zu Gast.Foto: Schachtschneider

Mit Nationaltrikot und einem Tipp-Kick-Spiel: Die Kleinfeldfußball-Trainer (von links) Kim Sippel, Yusuf Barak und Harez Habib. © Schachtschneider, Dieter/Dieter Schachtschneider

Kim Sippel coacht bei der Kleinfeld-WM ab 28. August das deutsche Team. Sein Testspielgegner am Samstag: eine afghanische Auswahl mit dem Trainerduo Harez Habib und Yusuf Barak.

Kassel – Diese Geschichte begann vor 20 Jahren in Göttingen. Immer mittwochs kickten ein paar Leute Fußball, tranken auch den einen oder anderen Kasten Bier. Initiator war Christoph Köchy, Sportjournalist. Der eine kam in grünen Stutzen, der andere mit einem Shirt, das eher in die Disco als auf den Bolzplatz gehörte. Aber schon im dritten und vierten Jahr dieser Uni-Liga liefen die Teams mit eigenen Namen und Trikotsätzen auf. Das Ding wurde groß und größer. Mittlerweile umfasst dieser Wettbewerb fast 30 Standorte in Deutschland und wurde so etwas wie die Blaupause für Fußball auf dem Kleinfeld, als Vorbild für neue Nationalmannschaften sowie Formate wie die Icon oder die Kings League.

Mittendrin war seit der ersten Stunde auch Harez Habib. Damals Student in Göttingen und mit seiner Mannschaft Premieren-Sieger der Uniliga. Der begnadete Techniker spielte für Baunatal, Lohfelden und den KSV Hessen, wurde schließlich für die afghanische Fußballnationalmannschaft nominiert. Wie auch der heutige Lohfeldener Gruppenliga-Trainer Yusuf Barak, der nahezu die gleichen Oberliga-Stationen in seiner Vita stehen hat. Und hier schließt sich nun der Kreis. Habib ist von Köchy, der mittlerweile Präsident des deutschen und internationalen Kleinfeldfußballverbandes ist, angesprochen worden, ob er mit Barak nicht eine Auswahl ihres Landes zusammenstellen könne, um vor der am 28. August in Essen beginnenden Heim-WM als Testspielgegner zu fungieren. Gesagt, getan. Und schon heute findet dieser Vergleich auf dem DFB-Campus in Frankfurt statt – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

„Yusuf hat Spieler aus dem Norden organisiert, ich aus dem Rhein-Main-Gebiet. Das Grundniveau sollte irgendwo zwischen Gruppenliga und Oberliga liegen“, erzählt Habib. Und weiter: „Dieses Spiel ist sehr wichtig für die afghanische Community in Deutschland, es ist eine positive Werbung. Die nominierten Jungs sind Feuer und Flamme. Die haben richtig Bock drauf.“ Auch Barak spricht die besondere Situation an: „Das Land unserer Herkunft zu präsentieren, gibt vor allem denjenigen Kraft, die Familienangehörige in Afghanistan haben. Sport verbindet, bringt die Menschen zusammen, und ich denke, dass wir damit ein Zeichen setzen können.“

Auf der Gegenseite steht einer an der Seitenlinie, der ebenfalls in der Region kein Unbekannter ist. Kim Sippel, Ex-Torwart des KSV Baunatal, spielte zehn Jahre im Kleinfeld-Nationalteam, erlebte sieben große Turniere mit und wurde 2018 Weltmeister. Nun ist er seit dem 1. Juni Bundestrainer. „Nach der eher schwachen EM kam Christoph auf mich zu und sagte: Auf meiner Trainerliste steht nur ein Name. Entweder du machst das, oder ich habe ein Problem. Meine Frau hat jetzt erstmal gar nichts davon gehalten, aber diese Herzensangelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen“, erzählt der 37-Jährige, der kurz vorher auch noch Vater von Zwillingen geworden war.

In seinem Kader, der bis zur WM von 43 auf 15 Spieler reduziert werden muss, befindet sich jede Menge Drittliga-Erfahrung. Aber auch der 14-fache A-Nationalspieler Max Kruse sowie der Baunataler Paul Kohlstädt sind dabei. „Interessant ist auch Amar Cekic von Türkgücü München, der die Kings League und die Icon League gewonnen hat. Er ist so etwas wie der Star des Kleinfeldfußballs“, erzählt Sippel. Profis in diesem noch jungen Sport verdienen schon mal einen niedrigen vierstelligen Betrag pro Partie.

In der Vorrunde der Heim-WM in Essen, für die auf dem dortigen Kennedy-Platz mitten in der Stadt eine Popup-Arena mit 3000 Plätzen errichtet wird, trifft das deutsche Team auf Argentinien (28.8.), Tschechien (30.8.) und Indonesien (1.9.). „Großer Konkurrent ist eigentlich immer Kasachstan. „Aber mein Ziel ist es, die ersten beiden und die letzten beiden Spiele des Turniers zu gewinnen. Dann wären wir Weltmeister“, sagt Sippel und lacht.

Und Afghanistan? Für das von Habib und Barak trainierte Team gab es das größte Geschenk eigentlich schon vor dem heutigen Testspiel gegen Deutschland. „Wir bekommen für die WM eine Wildcard, da Südafrika kein Visum erhalten hat. Das erreicht jetzt für uns noch einmal eine ganz andere Dimension“, schrieb Habib bei WhatsApp. Die Gegner in der Vorrunde heißen Kroatien (29.8.), Italien (31.8.) und Peru (2.9.). Damit dürfte 20 Jahre nach dem Mittwochs-Kick in Göttingen wieder eine neue Geschichte geschrieben werden – die eines nordhessischen Trainer-Trios.