Definitiv kein Skibetrieb mehr im Glarner Dorf Braunwald

  • Kommenden Winter stehen die vier Skilifte im glarnerischen Braunwald definitiv still.
  • Der Betrieb rentiert laut dem Verwaltungsrat der Sportbahnen nicht mehr.
  • Auch vier Stunden hitzige Diskussionen an der Generalversammlung änderten am Entscheid nichts mehr.

Kleinaktionärinnen und Kleinaktionäre stemmten sich bis zuletzt gegen die Schliessung. Zahlreich fanden sie den Weg an die Generalversammlung und probten den Aufstand gegen den Verwaltungsrat. Dieser hatte im Juni die Stilllegung der Skilifte angekündigt. Auch die Pisten werden nicht mehr präpariert.

Mann mit Bart spricht in ein Mikrofon vor buntem Hintergrund.
Legende:

An die Adresse des Verwaltungsratspräsidenten Richard Bolt gab es viel Kritik.

SRF

Viele Anwesende fühlten sich von den Plänen vor den Kopf gestossen und wollten den Skibetrieb retten. Erfolglos. Der Verwaltungsrat der Sportbahnen, mit 52 Prozent der Aktienstimmen vertreten, setzte sich in fast allen Punkten durch. Er lehnt auch einen Antrag auf eine Sonderuntersuchung zum Vorgehen des Verwaltungsrates ab.

Kostspieliger Winterbetrieb

Laut Verwaltungsrat rentiert der Betrieb der vier Skilifte nicht mehr. Grund sei unter anderem der Schneemangel, der viele Gäste von einem Besuch in Braunwald abhalte.

Die Sportbahnen kämpfen seit Längerem mit finanziellen Problemen. In der letzten Saison betrug das Defizit laut Jahresbericht 1.6 Millionen Franken. Nur dank eines zusätzlichen Kredits habe der Konkurs abgewendet werden können.

Menschen mit Skiern vor einem Chalet in den Bergen.
Legende:

Langfristige Daten des WSL würden zeigen, dass Schneemenge und -tage in Braunwald stetig zurückgehen, so der Verwaltungsrat.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Laut Revisionsbericht betrug dieser rund vier Millionen Franken. Die Liquiditätssituation «sei angespannt», schreiben die Prüfer. Auch die Jahre davor schrieben die Sportbahnen tiefrote Zahlen.

Zweifel an Argumenten des VR

In einem offenen Brief, den online bislang rund 6000 Personen unterzeichnet haben, wurde verlangt, dass der Skibetrieb nicht vorschnell aufgegeben wird. Gewerbe, Bewohnerinnen und Bewohner, Ferienhausbesitzer und Gäste sollten einbezogen und angehört werden.

Die Stilllegung würde die Existenz vieler Betriebe gefährden. Hinterfragt wurde auch das Argument, die geringen Schneefälle hätten ein Loch in die Kasse gerissen. Das Problem seien vielmehr die massiv gestiegenen Personal- und Betriebskosten.

Der Verwaltungsrat versuchte, die Vorwürfe teilweise zu entkräften. Aufgaben, die der frühere Geschäftsführer alle übernommen habe, seien nun auf mehrere Personen aufgeteilt. Zudem seien die Personalkosten ganz allgemein gestiegen.

Schlitteln statt Skifahren

Ganz auf den Wintertourismus wollen die Sportbahnen Braunwald auch in Zukunft nicht verzichten. Die Gondelbahn auf den Grotzenbüel soll weiterhin fahren. Als Ausgangspunkt für Skitouren, Schneeschuhtouren oder Schlittelabfahrten.

Vier gelbe Gondeln vor verschneiten Bergen und Tannen im Hintergrund.
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Die gelben Kabinen der Bahn zur Bergstation Grotzenbüel fahren als Einzige auch kommenden Winter wieder.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Für einen der Skilifte sollen Gespräche über eine Übernahme geführt werden. Der Rest steht still. «Wir haben diesen Entscheid nicht leichtsinnig oder vorschnell gefällt», sagte Verwaltungsratspräsident Richard Bolt im Anschluss an die Generalversammlung. Mit Kritik müsse man leben.

Weniger versöhnlich tönte es auf der Gegenseite: «Ich bin desillusioniert und wütend, dass der Verwaltungsrat dermassen klar über unsere Ansprüche und Wünsche hinweggegangen ist», so eine Kleinaktionärin nach der Versammlung.