Hagel zerstört Ernten: Kann Cloud Seeding helfen?

So funktioniert Cloud Seeding

Deshalb feuerte die Schweiz 1948 mit Raketen auf Wolken

Hagelstürme führten diesen Sommer schon zu erheblichen Schäden in der Landwirtschaft. Auch in der Vergangenheit versuchte die Schweiz mit sogenanntem Cloud Seeding aktiv in die Wetterverhältnisse einzugreifen. Blick zeigt, wie das Beimpfen von Wolken funktioniert.

Publiziert: 17:23 Uhr

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Aktualisiert: 18:30 Uhr

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • Hagelgewitter im Tessin verursachten diesen Sommer bereits immense Schäden
  • Cloud Seeding soll kleinere Hagelkörner erzeugen, aber gilt als wenig effektiv
  • Nur 10 % der Wolken enthalten genug Wasser für Regenbildung

Auch wenn die ausgetrockneten Böden sehnlichst auf Niederschlag warten, kann dieser gleich selbst zum Alptraum für Gemüsebauern und Winzer werden. Hagelgewitter verursachten diesen Sommer in den Weinbergen des südlichen Tessins Schäden im Bereich von Hunderttausenden Franken. Auch für die Bevölkerung können grosse Hagelkörner gefährlich werden und richten immense Sachschäden an. 

Unter diesen Umständen wird die Idee des Cloud Seeding wieder attraktiver. Dabei handelt es sich um eine Manipulation der Wolken mithilfe von chemischen Substanzen. Mit dem künstlichen Eingriff soll Regen vorzeitig herbeigeführt werden – zudem erhofft man sich dadurch kleinere Hagelkörner, die weniger Schaden anrichten. Wie die Wolkenforscherin Ulrike Lohmann im Durchblick-Podcast erklärt, ist die Methode allerdings praktisch nutzlos. 

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Bereits in den 1950er-Jahren zielte man mit Raketen auf Wolken

Die ersten Wolkenimpfungen fanden bereits zwischen 1948 und 1952 statt. Laut einem Bericht von Swissinfo konzentrierte man sich damals auf Gewitterwolken, um potenzielle Hagelstürme abzumildern. Geimpft wurde vom Boden aus mit Raketen, die Silberiodid in die Wolken schossen. Bei späteren Grossversuchen in den 1980er-Jahren erhoffte man sich mit sowjetischen Bodengeneratoren eine Schadensminderung um bis zu 90 Prozent. Diese Zahlen beruhten jedoch auf keiner wissenschaftlichen Grundlage.

In der Theorie greift Cloud Seeding in den physikalischen Vereisungsprozess der Wolke ein. Wie Lohmann im Podcast beschreibt, müssen kleine Regentropfen vorerst eine Energiebarriere überwinden, um einzufrieren und aufgrund ihres Gewichts aus der Wolke zu fallen. Trifft man die Wolke am richtigen Ort mit Silberiodid beschleunigt das den Prozess und es fällt schneller Regen.

Die Theorie lässt sich in der Praxis selten erfolgreich umsetzen

Bei der Hagelbekämpfung kommt noch ein weiterer Faktor dazu. Gewitterwolken zeichnen sich durch eine starke Aufwindzone unterhalb der Wolke aus. Diese zieht die ersten fallenden Eiskristalle wieder nach oben – dort lagert sich mehr verfügbares Wasser an und die Hagelkörner wachsen. Da sich bei beimpften Wolken viele kleine Eiskristalle gleichzeitig bilden, ist im Verhältnis weniger frei verfügbares Wasser vorhanden und die Hagelkörner bleiben kleiner. 

Auch wenn man heute mit Flugzeugen oder Drohnen Wolken präziser mit Silberiodid impfen kann, ist die Logistik dennoch ein grosses Hindernis. Erwischt man die falsche Stelle, war der teure Eingriff umsonst. Zudem führt laut Lohmann nur etwa jede zehnte Wolke genügend Wasser, um einen Niederschlag erzeugen zu können. Und in den seltenen Fällen, in denen es gelingt? Verdunstet das meiste Wasser, noch bevor es die Erde erreicht.