Facebook & Instagram: Meta zahlt 16,7 Milliarden Dollar wegen Social-Media-Sucht
Social Media: Meta legt Prozess um Social-Media-Gefahren mit Milliardenvergleich bei
Meta zahlt Milliarden für einen Vergleich zum Jugendschutz. Der Konzern muss seine Plattformen für Minderjährige grundlegend verändern.
Meta-CEO Mark Zuckerberg. Foto: Damian Dovarganes/AP/dpa
Meta legt den Streit über die Gefahren sozialer Medien für Kinder und Jugendliche in den USA mit einem milliardenschweren Vergleich bei. Der Facebook- und Instagram-Mutterkonzern zahlt über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zu 17 Milliarden Dollar an US‑Bundesstaaten. „Heute haben wir einen Vergleich mit Meta geschlossen, der die sozialen Medien für unsere Kinder weniger gefährlich machen wird“, erklärte der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta am Mittwoch. Die Gelder sollen gezielt in Programme zur Prävention und Behandlung von psychischen Problemen bei Jugendlichen fließen. Zudem verpflichtet sich das Unternehmen von Gründer Mark Zuckerberg zu weitreichenden Änderungen beim Jugendschutz.
Die Einigung bewahrt Meta vor unkalkulierbaren finanziellen Risiken. In dem Verfahren hatten 29 Bundesstaaten dem Konzern vorgeworfen, seine Netzwerke gezielt so gestaltet zu haben, dass sie Minderjährige abhängig machen und deren persönliche Daten ohne elterliche Zustimmung zum Training von Künstlicher Intelligenz (KI) zu nutzen. Vor dem Prozess hatten die Kläger Meta zufolge bis zu 1,4 Billionen Dollar gefordert, die Bundesstaaten selbst bezifferten die Summe auf rund 200 Milliarden Dollar. Die nun vereinbarte Zahlung entspricht etwa dem Gewinn von drei bis vier Monaten des Konzerns.
Meta wies im Zuge der Einigung jegliches Fehlverhalten zurück. „Sicherzustellen, dass Jugendliche eine sichere und produktive Erfahrung auf unseren Plattformen haben, ist für Meta ein absolutes Gebot“, teilte das Unternehmen in einem Blogbeitrag mit.
Der Generalstaatsanwalt von Virginia, Jay Jones, nannte die Einigung einen der größten Verbraucherschutzvergleiche in der US-Geschichte außerhalb der Verfahren gegen die Tabakindustrie in den 1990er Jahren. „Jahrelang hat Meta die Öffentlichkeit absichtlich über die süchtig machenden und schädlichen Designfunktionen getäuscht“, sagte Jones. Die Einigung erfolgte während eines bereits laufenden, vielbeachteten Prozesses vor einem Bundesgericht in Kalifornien. Die Hauptverhandlung hatte erst in der vergangenen Woche begonnen. Instagram-Chef Adam Mosseri hatte bereits im Zeugenstand ausgesagt, auch ein Auftritt von Zuckerberg war erwartet worden.
Was ändert sich für Nutzer?
Bonta betonte, der Vergleich zwinge Meta zu einer massiven Transformation, die innerhalb weniger Monate umgesetzt werden müsse. „Wir setzen echte Veränderungen, echte Transparenz und echte, durchsetzbare Schutzmaßnahmen durch – und zwar sofort, ohne weiteres Warten“, erklärte er. Für Nutzer unter 18 Jahren gilt in den USA für das kommende Jahrzehnt ein standardmäßiges Zeitlimit von zwei Stunden pro Tag sowie eine Zugangssperre zwischen Mitternacht und 06.00 Uhr. Beides kann nur von den Eltern aufgehoben werden.
Der Vergleich sieht zudem eine Verschärfung vor, sollten sich andere Plattformen ähnlichen Regeln unterwerfen: In diesem Fall sinkt das tägliche Limit für Meta-Nutzer auf eine Stunde und die nächtliche Sperre wird auf die Zeit von 22.00 bis 07.00 Uhr ausgeweitet. Zudem werden Benachrichtigungen an Minderjährige nachts sowie während der Schulzeit blockiert.
Darüber hinaus greift der Vergleich in die Funktionsweise der Netzwerke ein: Meta muss Jugendlichen künftig die Option eines nicht-personalisierten Feeds anbieten und auf 90 Prozent der Meldungen über potenziell schädliche Inhalte binnen sechs Stunden reagieren. Um endloses Scrollen zu unterbrechen, werden Zwangspausen nach 15 Minuten eingeführt. Auch Funktionen, die den sozialen Druck erhöhen – wie Filter, die Schönheitsoperationen simulieren, oder die sichtbare Anzahl von „Likes“ –, werden für Minderjährige verboten.
Der Konzern wird zudem verpflichtet, seine Altersüberprüfung zu verbessern, um Kinder unter 13 Jahren zu identifizieren und von den Plattformen sowie von altersbeschränkten Inhalten fernzuhalten. Eltern sollen zusätzliche Instrumente erhalten, um ihre Kinder online zu schützen. Meta wird darüber hinaus gerichtlich untersagt, irreführende Aussagen über seine Sicherheitsfunktionen zu treffen.
Warum der Vergleich ein Wendepunkt ist
Experten bewerteten die Auflagen als massiven Einschnitt in das bisherige Geschäftsmodell der Branche. Art Hogan, Chef-Marktstratege bei B Riley Wealth, sprach von einem potenziellen „Zerstörer“ für die sozialen Medien. „Die betroffenen Unternehmen müssten massive Änderungen an ihren Algorithmen und ihrer Art, Geschäfte zu machen, vornehmen.“ Carolina Rossini von der University of Massachusetts sagte derweil, die Summe sei nur ein Anfang. „Geld entschädigt für vergangene Schäden, ändert aber nichts an dem Produkt, das sie weiterhin verursacht“, sagte die Professorin.
Teil des Vergleichs ist auch die Beilegung von Klagen im Zusammenhang mit dem Datenskandal um Cambridge Analytica, wofür weitere 459 Millionen Dollar fällig werden. Der Konzern argumentierte stets, „Social-Media-Sucht“ sei keine anerkannte psychiatrische Erkrankung. Der Einigung waren jedoch empfindliche juristische Niederlagen vorausgegangen: In einem wegweisenden Verfahren im Bundesstaat New Mexico war Meta in diesem Jahr bereits zu Strafen von fast einer Milliarde Dollar verurteilt worden.
Einige Bundesstaaten wie Florida und New Mexico schlossen sich dem aktuellen Vergleich nicht an. „Die Auszahlungen an die Bundesstaaten sind Peanuts im Vergleich zu den tiefgreifenden Schäden, die Metas profitgesteuerte, süchtig machende Funktionen unseren Kindern zugefügt haben“, erklärte der Generalstaatsanwalt von Florida, James Uthmeier. Neben Meta sehen sich auch die Google-Mutter Alphabet, der Tiktok-Eigentümer Bytedance und Snap weiterhin mit Tausenden Klagen konfrontiert.

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