Zehntausende fordern klare Social-Media-Grenze für Kinder
Hamburg
Social-Media-Verbot für Jugendliche: Hamburger Verein übergibt offenen Brief
Mehr Schutz von Minderjährigen vor den Folgen eines übermäßigen Handykonsums: Kinder- und Jugendpsychiater aus ganz Deutschland haben einen offenen Brief an die Bundesregierung geschrieben.
Essstörungen, Depressionen, Suizidgedanken: Immer wieder warnen Ärzte und Wissenschaftler vor den Folgen eines zu frühen und übermäßigen Handykonsums bei Kindern und Jugendlichen. Jetzt haben sie einen Offenen Brief an die Bundesregierung übergeben.
Zahlreiche Länder, von Frankreich bis Australien, haben bereits Social-Media-Verbote für Kinder unter 16 Jahren erlassen. Deutschland tut sich damit schwer. Am Freitag tagt in Berlin die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“. Aus diesem Anlass ist der Hamburger Verein „Smarter Start“, der sich schon lange für einen verantwortungsvollen Handy-Umgang einsetzt, in die Hauptstadt gereist, um Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) einen Offenen Brief zu überreichen.
Social-Media-Verbot für Jugendliche: Hamburger Verein übergibt Offenen Brief
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Rund 40.000 Menschen in Deutschland haben den Brief unterzeichnet, darunter viele namhafte Kinder- und Jugendpsychiater wie UKE-Professor Rainer Thomasius oder die jetzige Leiterin des Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE, PD Dr. Kerstin Paschke, die bei der Übergabe der Unterschriften an Ministerin Prien dabei war.
„Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen steckt in einer Krise“, heißt es in dem Schreiben. Digitale Medien – allen voran Social Media – seien ein bedeutsamer Treiber dieser Entwicklung, die Minderjährigen seien aufgrund ihrer psychologischen und neurobiologischen Reifung besonders anfällig für die negativen Folgen kommerziell geprägter digitaler Angebote.
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Dabei verweisen die Unterzeichner auf Fachgesellschaften, die in der Vergangenheit sehr deutlich gemacht haben, dass Kinderschutz im digitalen Raum nicht allein durch Aufklärung und individuelle Verantwortung gewährleistet werden könne. Die Politik sei daher aufgerufen, Vorsorge zu treffen, um die Krise nicht noch weiter zu verschärfen.
Hamburger Verein will Mindestalter für Social Media
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Oft diskutierte Maßnahmen wie Medienkompetenzförderung oder Stärkung von Eltern seien schön und gut. Sie bräuchten jedoch Zeit. Wichtig sei es, schnell zu handeln. „Deshalb halten wir ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für Social Media ohne Ausnahmemöglichkeit durch elterliche Zustimmung für einen notwendigen und verhältnismäßigen ersten Schritt, um Kinder und Jugendliche kurzfristig wirksam zu schützen”, so die Unterzeichner.
Zwar ist den Initiatoren bewusst, dass ein Mindestalter nicht jedes Risiko beseitigen wird. Es könne jedoch „Risiken wirksam reduzieren, Familien stärken, den sozialen Druck zu frühem Einstieg verringern und Kindern mehr Zeit für all das geben, was ihre psychische Gesundheit fördert: direkte zwischenmenschliche Kontakte, Bewegung, Schlaf, Spiel, soziale Erfahrungen und schrittweise wachsende Selbstständigkeit.“
Bildungsministerin Prien nahm den Brief entgegen und versprach insbesondere, mit dem Hamburger Verein „Smarter Start“ rund um die engagierte Rechtsanwältin Verena Holler in den Austausch zu gehen.