Clara von Nathusius vor dem politischen Aus: JU-Schatzmeisterin verzichtet auf erneute Kandidatur

Söders Social-Media-Schülerin Nathusius scheitert – auch am CDU-Apparat

Stand: 16.10.2026, 13:44 Uhr

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Preisträgerin Clara von Nathusius (CDU) beim 18. Charity-Dinner zugunsten der Spendenkampagne „Raum der Namen“ (2024)

Clara von Nathusius (Archivbild) © Hannes P Albert/pda

Sie lobte Söder und schoss gegen Merz. Jetzt steckt JU-Influencerin Clara von Nathusius in der Klemme – auch wegen eines 350.000-Euro-Finanzlochs.

Berlin/München – Clara von Nathusius galt als das digitale Gesicht der Jungen Union (JU). Mit über 100.000 Followern auf Instagram wollte die 30-Jährige bürgerliche Politik netztauglich machen. Ausgerechnet ihr Vorbild im Netz: CSU-Chef Markus Söder. Doch während der bayerische Ministerpräsident seine Social-Media-Präsenz zur Machtabsicherung nutzt, steht die Nachwuchshoffnung vor dem JU-Deutschlandtag an diesem Wochenende vor dem politischen Aus.

Wie die Bild berichtet, steht die politische Karriere der JU-Bundesschatzmeisterin vor dem Ende. Offiziell verzichtet sie auf eine erneute Kandidatur für den Bundesvorstand, intern kommt der Schritt jedoch einem Rauswurf gleich. Mehrere mächtige JU-Landesverbände hatten ihr signalisiert, dass sie keine Mehrheit mehr erhalten würde. In Parteikreisen wurde ihr unkollegiales Einzelgängertum und mangelnder Teamgeist vorgeworfen.

Vom Praktikum in den Parteivorstand

Ihr politischer Weg in der CDU verlief zuvor ungewöhnlich schnell: Wie von Nathusius im exklusiven Interview mit merkur.de schilderte, kam sie erst 2018 über Umwege an ein Praktikum bei einem CDU-Bundestagsabgeordneten und arbeitete anschließend als Werkstudentin. Erst nach rund sieben Monaten trat sie offiziell in die Partei ein.

Trotz ihrer prominenten Rolle auf Instagram – wo ihr unter anderem Persönlichkeiten wie Sascha Lobo und Thilo Mischke folgen – sieht sie sich selbst explizit nicht als „Politik-Influencerin“. Für sie sei diese Arbeit ein Ehrenamt zur bürgerlichen politischen Bildung.

Im Alltag und Freundeskreis gelte sie zwar für ihr Engagement bei der CDU „nicht als sonderlich cool“, stehe dazu jedoch gelassen. Auch Vorwürfe der Netz-Hetze relativiert sie: Soziale Medien seien nicht ihre soziale Realität, und strafrechtlich relevante Beleidigungen habe sie in den vergangenen vier Jahren nur rund fünfmal angezeigt.

Ausgerechnet Söder als Social-Media-Vorbild

Dabei hatte von Nathusius ihren eigenen Parteifreunden noch im Frühjahr vorgehalten, wie moderne Kommunikation funktioniert. Im Merkur-Interview adelte sie CSU-Chef Markus Söder als Vorbild: Zwar sei sein Auftreten manchmal „ein bisschen infantil, aber Söder ist derjenige, der Kommunikation auf sozialen Netzwerken am besten verstanden hat – von allen im demokratischen Spektrum“. Während viele Parteikollegen noch kommunizierten, „als säßen wir im Jahr 2005“, suchte sie wie Söder die direkte Ansprache im Feed.

Doch was bei Söder als landesväterliche Bürgernähe verfängt, führte bei der CDU-Nachwuchspolitikerin zur zunehmenden Entfremdung vom Parteiapparat.

350.000-Euro-Finanzloch bringt die Schatzmeisterin zu Fall

Den entscheidenden Hebel lieferten ihren internen Kritikern nicht nur ihre politischen Thesen, sondern ein massiver Fehlbetrag in ihrem eigenen Verantwortungsbereich: den Finanzen der Jungen Union.

Wie der Focus und der Nordkurier berichteten, muss die Nachwuchsorganisation rund 350.000 Euro an staatlichen Fördermitteln plus Zinsen an das Bundesministerium zurückzahlen. Der Grund: Für einen Teil der insgesamt 1,2 Millionen Euro an Fördermitteln für das Jahr 2025 fehlten ausreichende Belege.

Um die Summe zu stemmen, musste sich die JU laut Medienberichten rund 300.000 Euro von der Mutterpartei CDU leihen. Kritiker in den Landesverbänden werfen von Nathusius vor, sie habe dem Ausbau ihrer eigenen Social-Media-Reichweite Vorrang vor ihren Pflichten als Schatzmeisterin eingeräumt.

Scharfe Breitseiten gegen die Parteispitze

In ihren öffentlichen Auftritten sparte von Nathusius parallel nicht mit klarer Kante gegen prominente Parteikollegen. Ihre drei schärfsten Fronten im Überblick:

  • Friedrich Merz: Nach ihrer Fundamentalkritik im ARD-„Bericht aus Berlin“ attestierte sie der CDU ein massives Personal-, Glaubwürdigkeits- und Vertrauensproblem, das sich direkt an der Personalie Merz festmache.
  • Philipp Amthor: Dessen PR-Auftritt mit einem Strandkorb auf der Dachterrasse des Kanzleramts bezeichnete sie als „absolutes Scheißbild“ – die Menschen hätten das Gefühl, „wir verarschen sie“.
  • AfD und Brandmauer: Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt forderte sie das Ende der starren Brandmauer. Die CDU habe Jahre damit verbracht zu definieren, wogegen sie sei, statt wofür sie stehe. Man müsse – orientiert an klaren roten Linien – mit jedem reden.

Schlagabtausch und überraschende Allianzen in der „stern Stunde“

Wie das Magazin stern von einem Podiumsgespräch im Hamburger Körber Forum berichtete, traf von Nathusius dort auf den erfahrenen Linken-Politiker Gregor Gysi. Bei der Debatte über Gerechtigkeit und den Umgang mit dem politischen Rand zeigte sich von Nathusius gewohnt selbstbewusst und kritisierte, dass die Union soziale Themen wie die Mietenpolitik zu lange anderen Parteien überlassen habe.

Zur Überraschung vieler stimmte ihr Gysi in Teilen bezüglich der Brandmauer-Kritik zu: Beschlüsse zur Ausgrenzung würden oft nur „aus Angst“ gefasst. Bei dem Gespräch zeigte von Nathusius zudem eine kühle Distanz zu politischen Befindlichkeiten: Den Rücktritt der damaligen SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas kommentierte sie trocken mit dem Hinweis, dass einem Arbeiter bei einem normalen Sterbefall auch nur ein bis drei Tage Sonderurlaub zustünden.

Showdown auf dem Deutschlandtag

Mit ihren Alleingängen untergrub von Nathusius letztlich die Parteidisziplin. Laut Recherchen der Bild hatte JU-Bundeschef Johannes Winkel intern ein striktes Sprechverbot zu AfD-Themen verhängt – eine Vorgabe, die von Nathusius nur zwei Tage später mit ihrem ARD-Auftritt ignorierte. Damit zerbrach auch die Verbindung zu ihrem wichtigsten Förderer.

Wenn die Junge Union an diesem Wochenende zu ihrem Deutschlandtag zusammenkommt, sollte von Nathusius eigentlich ihren Rechenschaftsbericht vorlegen. (Quellen: Bild, Merkur, Stern, Focus, Nordkurier, AFP) (frs)