Sogar Bahnfans aus England und den Niederlanden reisen zur Sonderfahrt an
Stand: 11.08.2026, 19:00 Uhr
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Zum Blauen Sonntag sind historische Sonderzüge von Bebra aus auf Zeitreise durch die Industriegeschichte gefahren. Die Strecke über Gerstungen nach Heimboldshausen wird bald elektrifiziert.
Bebra – Zum Blauen Sonntag hat sich Nordhessen am letzten Ferienwochenende wieder auf eine Reise durch die Industriegeschichte begeben. Traditionell beteiligte sich daran natürlich auch die Eisenbahnerstadt Bebra. Dort drehte sich am Samstag alles um die Bedeutung der Eisenbahn für die Biberstadt.
Passend zum diesjährigen Schwerpunktthema „Zeit“ wurde in Bebra dessen eindrucksvolle Geschichte als traditionsreicher Eisenbahnknoten über mehrere Epochen vorgestellt. Um diese Bahn-Historie ganz konkret nicht nur begreiflich, sondern auch erfahrbar zu machen, standen als Höhepunkt der Vielzahl von Angeboten rund um die Bahn in Bebra auch zwei historische Fahrten mit Sonderzügen der 1950er- und 1960er-Jahre auf dem Programm.
Zum Blauen Sonntag ging es von Bebra aus mit Sonderzügen auf große Fahrt
Bereits um 10.20 Uhr startete eine rund zweieinhalbstündige Eisenbahn-Tour durch den Bahnhof Bebra und über Streckenabschnitte, die normalerweise dem regulären Bahnverkehr vorbehalten sind. Unterwegs erfuhren die rund 160 Fahrgäste spannende Geschichten über die Entwicklung Bebras zu einem der bedeutendsten Eisenbahnknoten Deutschlands und erhielten exklusive Einblicke in Bereiche, die sonst verborgen bleiben.
Um 14.20 Uhr stand dann pünktlich die Rundfahrt „120 Jahre Werratalbahn“ auf dem Programm. Die Strecke führte die Fahrgäste von Bebra über Gerstungen bis Heimboldshausen. Dabei erfuhren diese im wahrsten Sinne des Wortes die bewegte Geschichte einer Bahnlinie, die eng mit dem Kalibergbau und der deutsch-deutschen Teilung verbunden ist. Während der Fahrt erläuterten fachkundige Begleiter historische Hintergründe und erzählten Anekdoten entlang der Strecke.

„Die Werratalbahn von Gerstungen über Vacha bis Bad Salzungen entstand im frühen 20. Jahrhundert zur Erschließung der Kalibergbaugebiete im Werratal – durch die Lage zwischen Hessen und Thüringen wurde sie zu Zeiten der DDR zum politischen Spielball“, berichtet Tobias Mühlbauer, Sprecher des Vereins Eisenbahn-Nostalgiefahrten Bebra. Heute diene sie immer noch ihrem eigentlichen Zweck, dem Abtransport des unter Tage geförderten Kalisalzes. 240 Fahrgäste waren zum Teil aus England, aus den Niederlanden und aus ganz Deutschland hiefür angereist. Sie nutzten die Chance, mit einem historischen Sonderzug der 50er-60er Jahre, gezogen von zwei alten Rangierdieselloks des Typs V60 in historischer Farbgebung, noch einmal die Strecke von Bebra über Gerstungen nach Heimboldshausen zu befahren.

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„Hier stehen bald erhebliche Veränderungen durch Modernisierungen und die Elektrifizierung an“, sagt Mühlbauer, der sich über die vielen Reisenden freute, die sich für die Orte interessierten, an denen heute noch täglich tausende Tonnen Kali per Zug auf die Reise in die Welt gehen. „Man kann dort noch letzte Relikte einer Zeit erleben, wo wortwörtlich direkt neben dem Gleis die Welt zu Ende war“, sagt Mühlbauer.

Neben den Sonderfahrten informierten sich die Besucher zudem in der Dauerausstellung „Bahnhof Bebra – Knotenpunkt im Kaiserreich, Grenzstation im Kalten Krieg“ im historischen Bahnhofsgebäude. Die multimediale Ausstellung nahm die Gäste am Blauen Sonntag dort mit auf eine virtuelle Reise durch über 175 Jahre Bebraer Bahnhofsgeschichte. Und wer dann noch nicht genug hatte, konnte nur wenige Minuten zu Fuß vom Bebraer Bahnhof entfernt in der Modelleisenbahnwelt Bebra das Ganze noch einmal in Miniatur betrachten. Dort drehten auf einer rund 45 Quadratmeter großen, computergesteuerten Modellbahnanlage 13 Züge ihre Runden durch den Bahnhof Bebra – und das im Maßstab 1 zu 87.
Kontakt: Tickets für Sonderfahrten sind unter eisenbahn-nostalgiefahrten-bebra.de sowie in der Tourist-Information Bebra erhältlich. (Peter Gottbehüt)