Sommer im Freibad Bothel fällt aus
Stand: 05.08.2026, 19:00 Uhr
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Das Freibad Bothel bleibt in dieser Saison geschlossen. Am 12. September können Bürger die Baustelle beim Tag der offenen Tür besichtigen.
Bothel – Was im Frühjahr noch als ehrgeiziges Ziel im Raum stand, ist inzwischen mit Gewissheit nicht erreichbar: Statt eines Starts im August richtet sich der Blick nun auf den Abschluss der Sanierung bis Ende September. „Das muss jetzt wirklich eine Punktlandung werden“, sagt Murso mit Blick auf die laufenden Arbeiten. Denn bei dem Projekt geht es nicht nur um Baufortschritt, sondern auch um Fördermittel, Ausschreibungen und feste Fristen. Bis Ende September müssen die geförderten Maßnahmen abgeschlossen sein, danach bleibt intern nur noch wenig Luft für Abrechnung und Nachbereitung. „Danach haben wir keinen Spielraum mehr.“

Murso, von Beruf Lehrer und ehrenamtliches SPD-Ratsmitglied, verbringt nach eigenen Worten seit drei Wochen einen Großteil seiner Sommerferien auf der Baustelle. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Erika Schmidt begleitet er die Arbeiten eng. Dass der Zeitplan so eng geworden ist, hat mehrere Gründe. Ein zentrales Problem: Sämtliche Gewerke mussten ordentlich ausgeschrieben und vergeben werden. Erst dann durften die Firmen loslegen. „Das zieht und zieht sich“, beschreibt Murso den Ablauf. Selbst das neue Kassensystem benötigt ein eigenes Gewerk. Pflaster-, Metall- und Betonarbeiten mussten ebenso sauber durch das Vergabeverfahren. Immerhin: Den Zuschlag erhielten überwiegend örtliche Betriebe, weil sie die günstigsten Angebote abgegeben hatten.
Doch selbst nach den Vergaben lief auf der Baustelle nicht alles glatt. Das Wetter spielte nicht immer mit, dazu kamen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Gewerken. Die Folienarbeiten konnten etwa nicht wie geplant durchgezogen werden, weil andere Bereiche zuerst fertig sein mussten. „Wenn der Beckenkopf oben nicht bezogen ist, brauchen die mit dem Pflastern gar nicht anfangen“, fasst Murso die Verzahnung der Arbeiten zusammen. Hinzu kamen Urlaubszeiten und enge Taktungen bei den beteiligten Firmen.
Überraschungen gab es außerdem im Bestand. An mehreren Stellen zeigte sich, dass der Untergrund weicher und weniger tragfähig war als vermutet. Also musste nachgebessert, aufgeschüttet und neu abgestimmt werden. Solche Veränderungen haben bei einem geförderten Projekt Folgen: Sie müssen angezeigt, begründet und neu kalkuliert werden. Genau darin liege die Schwierigkeit einer Sanierung: Vieles werde erst sichtbar, wenn die Baustelle offen sei.
Auch zusätzliche Arbeiten kamen hinzu. Im Becken wurde nun etwa noch eine Edelstahlkante eingebaut, die ursprünglich gar nicht vorgesehen war. Doch durch die Bauarbeiten brachen an anderen Stellen weitere Bereiche weg. Also wurde nachgesteuert – „sinnvoll, aber eben wieder mit Abstimmungsbedarf und Zeitverlust“.
Trotzdem ist der Fortschritt inzwischen sichtbar. Wer auf das Gelände schaut, bekommt eine Vorstellung davon, wie das Freibad einmal aussehen wird. Pflasterflächen sind erkennbar, die Folie im Nichtschwimmerbecken ist verklebt. „Alle wissen, dass sie bis September fertig sein müssen“, sagt Murso. Und selbstkritisch fügt er hinzu: Die ursprüngliche Hoffnung auf eine Öffnung Mitte August sei rückblickend doch „sehr sportlich“ gewesen.
Auch Bürgermeisterin Erika Schmidt wirbt dafür, nicht nur auf das Sichtbare zu schauen. Viele Investitionen verschwänden buchstäblich im Boden. „Der Bürger wird relativ wenig sehen, was da alles im Hintergrund und im Untergrund passiert ist“, sagt sie. Ob Leitungen, Unterbau oder technische Erneuerungen: „Vieles koste viel Geld, ohne später ins Auge zu fallen.“

Die Entscheidung, in diesem Jahr nicht mehr zu öffnen, ist nach Darstellung der Verantwortlichen deshalb auch eine Konsequenz aus Sicherheits- und Sachzwängen. Die Becken müssen rechtzeitig wieder mit Wasser gefüllt werden, damit sie über den Winter statisch sicher bleiben. Sobald Wasser drin ist, kann in den Becken nicht weitergearbeitet werden. Parallel sollen nun noch kleinere Zusatzmaßnahmen erledigt werden – von weiteren Reparaturen bis zu Arbeiten im Umfeld und an den Grünanlagen. Ziel sei, im kommenden Frühjahr mit möglichst wenigen Überraschungen in die neue Saison zu starten.
Ganz ohne Einblick für die Öffentlichkeit bleibt das Freibad aber nicht. Am Samstag, 12. September, soll es einen Tag der offenen Tür geben. Dann können Bürgerinnen und Bürger den Stand der Sanierung besichtigen und sich selbst ein Bild machen. Denn im Ort werde das Projekt aufmerksam verfolgt, sagt Schmidt. Zugleich gebe es immer wieder Diskussionen darüber, warum manches länger dauere und warum nicht ständig neue Informationen veröffentlicht würden. Vieles sei im Rat bekannt, dürfe aber in laufenden Vergabe- und Bauprozessen nicht einfach öffentlich erzählt werden. Umso wichtiger sei es nun, am Ende ein Ergebnis zu zeigen, das trägt – technisch, finanziell und möglichst für viele Jahrzehnte.
Der Sommer im Botheler Freibad fällt also erneut aus. Aufgeschoben ist die Wiedereröffnung aus Sicht der Verantwortlichen aber nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil bei einer geförderten Sanierung Fristen, Recht, Baupraxis und Realität aufeinandertreffen.