Sorge um Autojobs: Proteste bei VW und Daimler in Kassel und Baunatal beim IG-Metall-Aktionstag
Stand: 21.09.2026, 18:31 Uhr
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Die IG Metall mobilisiert bei VW und bei Daimler. Sie fordert Investitionen statt längerer Arbeitszeiten und bereitet weitere Proteste vor.
Kassel/Baunatal – Angesichts der angespannten Lage in der Autoindustrie hätte sich der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Dieter Seidel deutlich mehr Beteiligung gewünscht. „Drei- oder viermal so viele“ Beschäftigte, sagte er. Tatsächlich kamen nicht mehr als 150 Menschen zur aktiven Mittagspause vor dem Werkstor von Daimler Truck am Montag in Kassel. Bei Bratwurst und kämpferischen Reden machte die IG Metall deutlich: Der Protest soll weitergehen.
Der Termin war Teil des bundesweiten Automobilprotesttags der Gewerkschaft. In Nordhessen beteiligten sich Beschäftigte von Volkswagen in Baunatal, Daimler Truck in Kassel sowie dem Zulieferer Schaeffler Vitesco in Bebra. Insgesamt sprach die Gewerkschaft von mehreren Hundert Teilnehmern. Sie protestierten gegen Stellenabbau und für den Erhalt der Industriestandorte. Bei Daimler Truck fand die Aktion vor dem Werkstor und damit öffentlich statt. Im Volkswagenwerk in Baunatal lief die Veranstaltung dagegen intern.
Im VW-Werk habe es für die Früh- und Spätschicht zwei dezentrale Betriebsversammlungen für den Bereich Gießerei sowie eine außerordentliche Zusammenkunft der Vertrauensleute gegeben, heißt es. Laut IG Metall beteiligten sich vormittags 500 und nachmittags 350 Beschäftigte. Beim Aktionstag im VW‑Werk seien die Protestierenden trommelnd und klatschend vom Haupttor zum Versammlungsraum gezogen.
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Die gut 2700 Beschäftigten des Kasseler Achswerks von Daimler sind derzeit besser abgesichert als viele Kollegen in der Branche. Eine Vereinbarung sichert den Standort und schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2035 aus.
Gewerkschafter Dieter Seidel warnte dennoch davor, sich darauf auszuruhen. So zugespitzt wie derzeit habe er die Lage in seinen 47 Jahren im Betrieb nicht erlebt. Sollten sich Arbeitgeber andernorts mit längeren Arbeitszeiten und Einschnitten durchsetzen, werde der Druck früher oder später auch bei Daimler Truck ankommen.
Im Mittelpunkt stand deshalb die Frage, wer die Folgen des Umbruchs in der Autoindustrie tragen soll. Die IG Metall lehnt längere Arbeitszeiten und Einschnitte bei den Beschäftigten ab. „Mit mehr Arbeit wird dieses Problem nicht gelöst sein und da wird auch kein einziges Fahrzeug mehr verkauft werden, nur weil wir mehr arbeiten“, sagte Dennis Schindehütte, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Nordhessen. Die Gewerkschaft fordert stattdessen Investitionen in neue Produkte und Technologien.
Die Beschäftigten seien bereit, den Wandel der Branche mitzugestalten, erklärte der Erste Bevollmächtigte Oliver Dietzel in einer Pressemitteilung. Unternehmen müssten dafür Perspektiven schaffen und Arbeitsplätze sichern.
Dass die Probleme nicht am Werkstor enden, betonte Thomas Biallaß vom Betriebsrat des Autohauses Emil Frey beim Protest vor dem Daimler-Werk: „Was in den Werken der Hersteller hier passiert, das endet nicht hier vorne am Werkstor.“ Sinkende Produktion treffe auch Handel, Werkstätten und Zulieferer.

Für Schindehütte ist der Aktionstag deshalb nur ein Auftakt: „Das ist heute eher der Anfang und nicht das Ende.“ Die Auseinandersetzung soll auch in die anstehende Tarifrunde getragen werden. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober. Bereits in der ersten Novemberwoche rechnet Schindehütte mit weiteren Aktionen der Gewerkschaft.