„Sorgen und Frustration“: Kita-Mitarbeiter kämpfen mit Personalmangel – Studie macht Hoffnung
Stand: 08.08.2026, 18:00 Uhr
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Das bayerische Familienministerium sieht den Personalbedarf in Kitas bald gedeckt. Viele Kita-Mitarbeiter erleben jedoch auch „Sorgen und Frustration“.
München – „Die Personallücke in unseren Kitas wird sich schließen.“ Diese Aussage von Bayerns Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) veröffentlichte das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales im Januar 2026. Demnach wird „Personalmangel schon bald Vergangenheit sein“. Hintergrund ist eine aktuelle Studie. Diese habe ergeben, dass der Bedarf bereits 2027 gedeckt sein wird, wenn die Zahl der Fach- und Ergänzungskräfte weiter ansteigt wie in den vergangenen Jahren. Merkur.de hat bei zwei Verbänden nachgefragt, ob dies bereits in der Praxis zu spüren ist.

Personalmangel in Bayerns Kitas bald Vergangenheit? „Regional sehr unterschiedlich“
„Die Situation bezüglich des Fachkräftemangels in Bayern ist regional sehr unterschiedlich. Auch wenn es an einzelnen Standorten weiterhin Schwierigkeiten gibt, Fachkräfte zu finden, so hat sich doch die Lage insgesamt deutlich entspannt“, erklärt der AWO-Landesverband Bayern e. V. auf Anfrage unserer Redaktion. Grund ist vermutlich ein Weiterbildungskonzept, durch das ungelernte Kräfte, die bereits in Kitas tätig waren, zu Fachkräften weiterqualifiziert werden konnten. Eine weitere Rolle spielt der demografische Wandel, durch den teilweise weniger Kräfte benötigt werden.
Nach wie vor gebe es in Kitas aber einen hohen Krankenstand und eine hohe Belastung für Teams. „Um der hohen Belastung im Feld entgegenzuwirken, wären bessere Rahmenbedingungen wünschenswert“, erklärt die AWO-Sprecherin und meint damit unter anderem eine Anhebung der Fachkraftquote, mehr Fachberatung oder auch Modelle wie Kita-Sozialarbeiter, die Ansprechpartner für Eltern sind.
Kita-Verband lässt Mitarbeiter zu Wort kommen: „Sorgen, Frustration und Enttäuschung“
Der Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V. hat nach einer Merkur-Anfrage eine Umfrage für seine Mitglieder erstellt, um die Mitarbeiter selbst zu Wort kommen zu lassen. 65,2 Prozent der Befragten haben demnach nicht den Eindruck, dass aktuell mehr Fachkräfte in die Kitas kommen. 29,3 Prozent beantworteten die Frage mit „Ja“. Viele Mitglieder berichten zwar von mehr Bewerbungen und einer höheren Zahl an verfügbaren Fachkräften, allerdings überwiegen „Sorgen, Frustration und Enttäuschung“. Denn viele Träger stellen aus finanziellen Gründen kein zusätzliches Personal ein, Stellen werden abgebaut oder nicht nachbesetzt. Auch die Qualität der neuen Fachkräfte wird teils kritisch bewertet, da viele Quereinsteiger oder geringer qualifizierte Fachkräfte eingestellt werden. Es entstehe der Eindruck, dass sich die Personalsituation auf dem Papier verbessere, „die tatsächliche Situation in den Kitas jedoch weiterhin angespannt bleibt.“
Umfrage Personalmangel in Kitas
Haben Sie den Eindruck, dass aktuell mehr Fachkräfte in die Kitas kommen? Nein: 65,2 Prozent / Ja: 29,3 Prozent
Glauben Sie, dass der Fachkräftemangel 2027 behoben sein wird? Nein: 76,1 Prozent / Ja: 23,9 Prozent
Mussten in den letzten Monaten Kita-Gruppen schließen oder Betreuungszeiten reduziert werden, weil Personal fehlte? Nein: 45,7 Prozent / Ja: 48,9 Prozent
Quelle: Umfrage Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V. unter 92 Mitgliedern
Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer geht nicht davon aus, dass der Personalmangel 2027 behoben sein wird. „Zwar erwarten viele Mitglieder, dass der Rückgang der Kinderzahlen und mehr ausgebildete Kräfte den Personalmangel auf dem Papier verringern könnten. Gleichzeitig überwiegen jedoch Skepsis, Sorge und Frustration.“ Denn schlechte Arbeitsbedingungen, Personalschlüssel oder hohe Belastung könnten dazu führen, dass Fachkräfte den Beruf verlassen oder nicht langfristig in Kitas arbeiten.
Personalmangel in Bayerns Kitas: „Betreuung oft nur durch das hohe Engagement der Beschäftigten“ möglich
Gruppenschließungen oder Einschränkungen der Betreuungszeiten könnten zwar vorkommen, werden allerdings „häufig mit großem Aufwand vermieden“. Gruppen werden zusammengelegt oder die zusätzliche Arbeit wird auf das vorhandene Personal verteilt. „Insgesamt ist klar, dass die Betreuung oft nur durch das hohe Engagement der Beschäftigten aufrechterhalten wird – häufig zulasten der pädagogischen Qualität und der Gesundheit der Fachkräfte“, bilanziert der Verband.
Die Personalgewinnung scheitert derweil vor allem an den Rahmenbedingungen – nicht am grundsätzlichen Interesse am Beruf. In der Umfrage wurden oft eine unzureichende Finanzierung, starre Personalschlüssel, eine hohe Arbeitsbelastung und eine geringe Wertschätzung genannt. Auch eine niedere Bezahlung im Vergleich zur hohen Verantwortung spielt eine Rolle.
Die Verbandsmitglieder fühlen sich oft nicht gehört oder ernstgenommen. Viele kritisieren demnach, dass politische Entscheidungen zu weit von der Praxis entfernt getroffen werden „und kurzfristige Sparmaßnahmen wichtiger erscheinen als nachhaltige Investitionen in Kinder und Bildung“. Die Befragten wünschen sich weniger Bürokratie und mehr Wertschätzung für den Beruf sowie eine stärkere finanzielle Unterstützung von Kitas und Familien.
Das sieht auch Familienministerin Ulrike Scharf so: „Kindertagesbetreuung hat absolute Priorität im Freistaat“, versichert sie in der Pressemitteilung. „Statt direkter finanzieller Unterstützung der Familien investieren wir die frei werdenden Mittel vollständig in die Kindertagesbetreuung. Bereits in diesem Jahr haben wir die staatliche Betriebskostenförderung deswegen einseitig mit zusätzlichen 280 Millionen Euro um mehr als 10 Prozent erhöht. Kinder in Bayern sollen von Anfang an die gleichen Chancen haben und bestmöglich gefördert werden.“ (Quelle: Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, Anfrage AWO-Landesverband Bayern e.V., Anfrage Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V.) (kam)