FC Bayern München: Wie Saibari und Brown Kompanys Puzzle ergänzen

Mit Puzzles ist es oft so eine Sache. Manchmal fehlen kurz vor der Vollendung plötzlich ein paar Teile, die davor noch auf dem Tisch gelegen haben. Vincent Kompany, der Trainer des FC Bayern, hatte vor Kurzem erst die Vorbereitung auf die neue Fußball-Saison als Puzzle bezeichnet, eines, das ganz schwierig zu lösen sein werde, „aber nicht unmöglich“. Vor allem mit der Aussicht, dass zu Saisonbeginn alle Teile – oder besser Spieler – wieder zur Verfügung stehen. Die Rekonvaleszenten Serge Gnabry, Lennart Karl und Jamal Musiala und die erfolgreichsten Bayern-Spieler bei der WM, Harry Kane, Michael Olise und Dayot Upamecano, die erst Ende der vergangenen Woche ins Training einstiegen.

Aber nach dem Testspiel gegen RB Leipzig am Samstag sieht es danach aus, dass das Gesamtkunstwerk FC Bayern erst einmal mit ein paar Lücken in die Saison startet. Zuerst erwischte es Konrad Laimer (Pferdekuss), dann ging auch Min-jae Kim früher vom Platz als geplant. Der besorgniserregendste Moment war allerdings jener in der 83. Minute, als Musiala plötzlich, ohne Kontakt mit einem Gegenspieler, auf den Rasen sackte.

„Das Wichtigste ist, es geht ihm gut“

Spieler beider Mannschaften winkten hektisch Ärzte und Sanitäter herbei. Kurz darauf stand Musiala wieder, wirkte aber noch benommen, als er, gestützt auf einen Betreuer, vom Platz geführt wurde. Er war erst eine knappe Viertelstunde davor eingewechselt worden und hatte das Tor zum 3:1-Endstand erzielt. Von den Bayern gab es zunächst keine Auskunft, erst spät stellte sich Sportvorstand Max Eberl doch noch vor die Mikrofone, sagte aber nur: „Das Wichtigste ist, es geht ihm gut.“

Wenn in diesem Moment der Sport auch in den Hintergrund rückte, ist es Kompanys Aufgabe, vor allem daran zu denken. Dank der Transferpolitik ist der FC Bayern in dieser Saison vielleicht noch besser auf plötzliche Ausfälle von Schlüsselspielern vorbereitet als in der vergangenen Saison. Schnell und für Bayern-Verhältnisse erstaunlich geräuschlos gelangen die Verpflichtungen von Nathaniel Brown und Ismael Saibari.

Zusammengesackt: Musiala wird behandelt.
Zusammengesackt: Musiala wird behandelt.EPA

Es waren die Wunschspieler, nicht wie zuletzt oft nur zweite, dritte oder vierte Wahl. Noch immer stehen deshalb ein paar Spieler auf der Gehaltsliste des Rekordmeisters, die entweder einst eher Verlegenheitskäufe waren, weil der Markt nichts Besseres hergegeben hatte (Sacha Boey), oder bei denen die Bayern im Wort standen, aber für die der damals neue Trainer Kompany dann keine Verwendung hatte (João Palhinha).

Man wolle „sehr viel Flexibilität“ haben, ließ Eberl zuletzt wissen. Taktisch, spielerisch und auf den einzelnen Positionen. Brown und Saibiri erfüllten dieses Anforderungsprofil perfekt, weil sie „unterschiedliche Positionen spielen können, unterschiedliche Stärken haben, was Neues in unser Spiel bringen, was wir vielleicht noch nicht hatten in der letzten Saison“, sagte der Sportvorstand bei der Präsentation von Saibari vergangenen Freitag.

Am liebsten spielt der Marokkaner nach eigener Aussage auf der Zehn, aber „ich kann verschiedene Positionen spielen. Auch rechts, links, tief“. Ein Mann für alle Angriffspositionen, und der bullige Saibari ist auch noch ein anderer Spielertyp als die filigraneren Luis Díaz, Olise, Musiala, Karl oder Gnabry.

„Ihm gehört die Zukunft“

Die Münchner hatten schon länger ein Auge auf ihn geworfen, endgültig überzeugt waren sie aber nach dem Champions-League-Spiel Ende Januar beim damaligen Klub von Saibari, PSV Eindhoven, weil er den Bayern ein paar Schwierigkeiten bereitet hatte „mit seiner Art, mit seiner Körperlichkeit, mit seiner Präsenz, mit seiner Schnelligkeit, mit seiner Variabilität“ (Eberl). Bei seinem Debüt nach der auskurierten Muskelverletzung, die er bei der WM erlitten hatte, im nicht sehr aussagekräftigen Duell mit Leipzig, zeigte er genau das, was zuvor der Sportvorstand hervorgehoben hatte.

Der als einer der wenigen Gewinner nach der verkorksten WM für Deutschland geltende Brown ist vor allem als Außenverteidiger geholt worden, vor allem für die linke Seite, wo Laimer zuletzt den nach einem Kreuzbandriss noch verletzungsanfälligen Alphonso Davies vertreten hat. Aber der gebürtige Bayer kann auch rechts spielen oder im Zentrum. „Ihm gehört die Zukunft“, findet Eberl.

Zudem hat den Münchnern die Widerstandsfähigkeit des erst Dreiundzwanzigjährigen in der vergangenen Saison bei Eintracht Frankfurt gefallen. Die Mannschaft habe keine ganz leichte Saison gehabt, sagte der Bayern-Sportvorstand, „aber Nene (Spitzname von Brown, d. Red.) hat trotz des Drucks immer gezeigt, wie stabil er ist, welche fußballerische Intelligenz er hat“. Auch Brown hat sich in den bisherigen Vorbereitungsspielen gut eingefügt ins Bayern-Spiel, trat mutig, selbstbewusst auf. Es scheint, dass er und Saibari sehr gut ins bayerische Puzzle passen.