Für Raketen ist Geld da, für die Rente nicht? Warum manche den Sparkurs als ungerecht empfinden

In Berlin ging es am Mittwoch ums Geld. Um unser Geld. Eine Generaldebatte mit scharfen Attacken und vielen Zwischenrufen. Die Stimmung aufgeheizt, der Lärmpegel hoch. Mehr als 140 Milliarden Euro will der Bund fürs Militär ausgeben. Gleichzeitig, so die Rhetorik, sollen die Menschen mehr arbeiten und sich weniger krankmelden, während Schulen vergammeln und die Rente nicht mehr sicher scheint. Ein Gegensatz, der für viele Menschen in Deutschland ungerecht wirkt.

Nun kommen all diese Ausgaben aus unterschiedlichen Töpfen: Das eine zahlen die Kommunen, das andere steckt im regulären Bundeshaushalt und die Riesen-Summen für Verteidigung kommen aus dem Sondervermögen. Aber alles sind am Ende unsere Steuern. Und das Gefühl bleibt: Für manches ist Geld da, für anderes nicht.

Mehr Geld fürs Militär, Druck auf Sozialstaat

"Es ist dem Großteil erstmal relativ egal, aus welchem Topf das kommt", sagt Marius Busemeyer. Der Politikwissenschaftler der Uni Konstanz beschäftigt sich mit Einstellungen zum Sozialstaat und leitet das Exzellenzcluster "The Politics of Inequality".

Auf der einen Seite würden die Menschen konkret den Sparzwang erfahren, "wo dann gerungen wird, ob das Rentenniveau ein Prozentpunkt weniger oder mehr sein soll". Während auf der anderen Seite riesige Summen für Krisen, wie bei der Corona-Pandemie oder dem Ukraine-Krieg beschafft werden, "wo dann scheinbar alle Zwänge wie weggeblasen sind".

Politische Sprengkraft

Die unterschiedlichen Themen werden dabei auch ganz bewusst miteinander verknüpft. Aufrüstung selber erzeuge keinen großen Druck aus der Öffentlichkeit, sagt Politikwissenschaftler Conrad Ziller von Uni Duisburg-Essen.

Politische Sprengkraft entstehe da, "wo Bürgerinnen und Bürger materielle Verschlechterungen erleben und das dann anschließend durch politische Kräfte mit Rüstung verknüpft wird". Das eröffne Parteien wie der AfD die Chance, die Regierung vor sich herzutreiben.

Verteidigungsetat wächst, Sozialleistungen bleiben

Entscheidend für die öffentliche Wahrnehmung sei auch der Faktor Veränderung, sagt Ziller. Während die Sozialleistungen lange konstant geblieben seien, sind die Rüstungsausgaben zuletzt sprunghaft angestiegen. "Das merken die Bürgerinnen und Bürger vielleicht nicht direkt, aber es ist erst mal sichtbar, weil ja politisch drüber debattiert wird", sagt Ziller.

Und grundsätzlich tragen viele Menschen diese Veränderung mit. In Deutschland sind aktuell deutlich mehr Menschen für höhere Verteidigungsausgaben als vor dem russischen Krieg gegen die Ukraine. "Das sind Themen, wo die Bürger auf einer symbolischen Ebene zustimmen", sagt Conrad Ziller. Gleichzeitig spüren sie von den finanziellen Auswirkungen direkt kaum etwas.