Geht es nur um die Leihmutter? Hinter dem Spahn-Rücktritt scheint mehr zu stecken

Spahn tritt zurück – geht es wirklich nur um die Leihmutter?

Stand: 18.07.2026, 20:58 Uhr

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Kind da, Job weg. Es drängt sich der Eindruck auf, hinter dem Aufschrei um Jens Spahns Leihmutter steckt mehr. Eine kommentierende Analyse zum Spahn-Rücktritt.

Berlin – Der fristlose Rücktritt von Jens Spahn kam am Samstag (18. Juli) doch überraschend. Ja, der Unions-Fraktionsvorsitzende war wegen seiner Familienplanung schwer in die Kritik geraten – man hätte ihm aber durchaus zutrauen können, auch diesen Eklat zu überstehen.

Jens Spahn galt im politischen Berlin schon als schier unverwundbar – aber nun trat er unter enormem Druck zurück.

Jens Spahn galt im politischen Berlin schon als schier unverwundbar – aber nun trat er unter enormem Druck zurück. © Elisa Schu/picture alliance/dpa

Masken-Deals, Spenden-Affären und Immobiliengeschäfte … Nichts konnte dem CDU-Politiker in der Vergangenheit etwas anhaben. Er wurde sogar zum Fraktionsvorstand. Die privateste der Kontroversen, ein Kind aus Leihmutterschaft, drängte ihn schließlich zum Rücktritt.

Leihmutter-Skandal stürzt Jens Spahn – Gerüchte um Hendrik Streeck lösten keinen Aufschrei aus

Es ist keine Bagatelle. Spahn setze sich über den „Geist des deutschen Gesetzes“ hinweg, hatte die Landevorsitzende der Frauen-Union, Marion Rosin, kritisiert. In Deutschland ist die Praxis illegal – und wird von Spahns Christdemokraten strikt verurteilt. „Doppelmoral“, so der Vorwurf.

Eine Leihmutter und ein CDU-Politiker? Aber da war doch was. Jens Spahn ist nicht der erste, dem das zumindest nachgesagt wird. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, hatte mit Ehemann Paul Zubeil im April ein Kind bekommen. Geboren wurde ihr Sohn im US-Bundesstaat Idaho. Im Boulevard hieß es schnell, das Kind sei von einer Leihmutter zur Welt gebracht worden.

Allein der Verdacht hätte einen politischen Aufschrei lostreten können, er tat es aber nicht. Zum einen sicherlich, weil Streeck – stärker als Spahn – sein Privatleben privat hält. Der Bunten bestätigte er damals lediglich die Geburt, das Wort Leihmutter fiel von seiner Seite nie. Das betont Streeck auch jetzt auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Zum Schutz der Privatsphäre der Familie und zum Schutz des Kindes möchte er sich nicht weiter äußern.

Ein weiterer Fehltritt: Geht es beim Spahn-Rücktritt wirklich nur um die Leihmutter?

Um Streecks Vaterschaft war kein Skandal entbrannt. Jens Spahn kostet der Kinderwunsch den Job. Aber es drängt sich das Gefühl auf, dass die Leihmutter-Affäre nicht der einzige Grund für die offenen Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen ist. Seit der Corona-Pandemie hatte sich Spahn zum Problemkind der Union entwickelt. Immer wieder boten die Kontroversen der Vergangenheit politische Angriffsfläche – das Kabarett vergisst nicht.

Kontroverses Kinderglück alleine genügt offenbar nicht zum Skandal. Bei Jens Spahn scheint es allerdings der sprichwörtliche Tropfen gewesen zu sein, der das Fass zum Überlaufen brachte. (Quellen: dpa, Bunte, eigene Recherche) (moe)