Drei Wochen vor Wahl: Spanien plant historischen Generalstreik

Spanien kündigt Streik wegen Wohnungskrise an – Land steht am 11. November still

Stand: 11.10.2026, 07:32 Uhr

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Streikende Menschen vor einer Häuserreihe.

In Spanien hat der Gewerkschaftsbund UGT zu einem Generalstreik aufgerufen. (Symbolbild) © Montage

Zwei Gewerkschaften rufen in Spanien wegen der andauernden Wohnungskrise zu einem Generalstreik auf. Und das kurz vor den vorgezogenen Parlamentsneuwahlen.

Madrid – In Spanien steht ein Generalstreik an: Die großen Gewerkschaftsbünde UGT und CCOO haben den 11. November als Termin für einen landesweiten Ausstand festgelegt – nur 18 Tage vor der vorgezogenen Parlamentsneuwahl am 29. November. „Für ordentlichen Lohn, für ein Dach über dem Kopf und dafür, dass die Preise aufhören, uns zu erdrücken“, schrieb die CCOO auf X, als der Streik am Montag (5. Oktober) angekündigt wurde. Koordiniert wurde der Termin eng mit lokalen Mieterorganisationen, wie der Gewerkschaftsbund UGT mitteilte.

Auslöser der Empörung ist eine akute Wohnungskrise, die das Land seit Wochen auf die Straße treibt. Symbol des Protests ist die 87-jährige Maricarmen Abascal, die Ende September unter massivem Polizeieinsatz aus ihrer Wohnung im Madrider Stadtteil Retiro geräumt wurde – nach 70 Jahren in denselben vier Wänden.

Gewerkschaften in Spanien rufen zu Generalstreik auf – so kam es dazu

Am Mittwoch (7. Oktober) verstarb die Seniorin in einem Krankenhaus. Wie der öffentlich-rechtliche spanische Sender RTVE berichtete, entfachte ihr Tod eine beispiellose Welle der Wut: In mehr als 50 spanischen Städten – darunter Madrid, Barcelona und Valencia – demonstrierten Zehntausende gegen galoppierende Mieten und Immobilienspekulation. Auf der Madrider Puerta del Sol schlugen Aktivisten in Anlehnung an die historische 15-M-Protestbewegung sogar ein dauerhaftes Protestcamp auf.

Den unmittelbaren politischen Anstoß zum Generalstreik gab das Scheitern eines umfassenden Mieterschutzpakets der linken Koalitionsregierung im Parlament. Nach Recherchen der spanischen Tageszeitung El País sah das Regierungspaket unter anderem strenge Obergrenzen für Mieterhöhungen sowie ein Verbot für den Aufkauf von Wohnraum durch sogenannte „Geier-Fonds“ bis 2028 vor. Das Vorhaben scheiterte im Abgeordnetenhaus am geschlossenen Widerstand der konservativen Volkspartei (PP), der rechtspopulistischen Vox sowie der katalanischen Junts.

Regierungschef Pedro Sánchez reagierte darauf mit der Ankündigung der Neuwahl für den 29. November. Die in Umfragen derzeit zurückliegenden Parteien der linken Koalition setzen nun darauf, dass die Wut über die Lage auf dem Wohnungsmarkt und den Einfluss des Massentourismus ihnen doch noch zu einer Mehrheit verhelfen kann.

Der spanische Arbeitgeberverband CEOE stellt sich derweil entschieden gegen den Ausstand. Er bezeichnete den geplanten Streik als „inakzeptabel“ und zweifelt an seiner Rechtmäßigkeit: Da der Ausstand unmittelbar vor den Wahlen stattfinde, handele es sich offensichtlich um einen unzulässigen „politischen Streik“. (Quellen: dpa, RTVE, El País) (sp)