SPD Berlin: Spitzenkandidat Krach weist Vorwurf der Bestechlichkeit zurück
„Dieser Vorwurf trifft mich persönlich“, sagt Steffen Krach am Donnerstag in der Landesgeschäftsstelle der Berliner SPD. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten der Partei wegen eines Verdachts auf Bereicherung, es geht um eine Spende, die am 29. Dezember 2025 auf das Konto des Berliner Landesverbands einging. Spender ist ein Unternehmer, der sich an einem Bieterverfahren in der Region Hannover im Zusammenhang mit einem Gesundheitszentrum beteiligt hatte, wo Krach bis März 2026 Regionspräsident war.
Am Mittwochmorgen hatten Ermittler der Staatsanwaltschaft Hannover die Landesgeschäftsstelle der SPD und Krachs Privatwohnung in Berlin sowie Räume der Region Hannover durchsucht. Der Fall wirft einige Fragen auf, vor allem, warum die Durchsuchungen vor zwei wichtigen Wahlen stattfinden. Krach nennt den Zeitpunkt „interessant“, will ihn aber nicht weiter bewerten.
Krach hätte sich den Ärger ersparen können
Am Sonntag sind Kommunalwahlen in Niedersachsen. In Berlin findet am 20. September wie Wahl zum Abgeordnetenhaus statt. Für den Wahlkampf der SPD sind die Vorwürfe ein schwerer Rückschlag, da die Ermittlungen bis zum Wahltag kaum abgeschlossen sein dürften. Obwohl sehr präsent im Wahlkampf, konnte Steffen Krach seinen Rückstand gegenüber CDU, Linken, AfD und Grünen bisher nicht aufholen. SPD-intern wird aber die Hoffnung geäußert, dass dennoch zu einer Koalition mit CDU und Grünen reichen könnte. Krach bezeichnete die in den Umfragen führenden Linken am Donnerstag als „nicht regierungsfähig“.
Steffen Krach hätte sich den Ärger ersparen können, wenn er direkt im August 2025, nach Bekanntgabe der Kandidatur für das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, das Amt des Präsidenten der Region Hannover aufgegeben hätte. Doch er ist erst seit März 2026 von seinem Amt für den Wahlkampf in Berlin beurlaubt. Und offenbar war ihm gerade das gesundheitspolitische Projekt, auf das sich die Vorwürfe beziehen, besonders wichtig. Am Donnerstag bezeichnet er es als „schwierigstes Projekt meiner Amtszeit“. Er habe sich bis zu deren Ende sehr stark für die aus seiner Sicht beste Lösung eingesetzt.
Als Präsident der Region Hannover war er weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender eines Klinikums, das zum Verkauf stand. Das Projekt sei „von großer politischer Brisanz“ gewesen, sagt Krach, er habe Morddrohungen erhalten und sich „nicht nur Freunde gemacht“. Ein letztlich unterlegener Anbieter soll der SPD Berlin 9900 gespendet haben, eine Summe die knapp unter der Geldwäschegrenze von 10 000 Euro liegt. Als Krach Anfang Januar darauf aufmerksam gemacht wurde, will er „keine 24 Stunden später“ die Rücküberweisung angewiesen haben. Am Donnerstag hält er vor laufenden Kameras einen ausgedruckten Überweisungsbeleg hoch: „Hier ist die Rücküberweisung.“
Die Staatsanwaltschaft Hannover verteidigt ihr Vorgehen
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover betonte zu der in der SPD geäußerten Kritik am Zeitpunkt der Durchsuchungen so kurz vor zwei wichtigen Wahlen, es sei erst Anfang September ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, „aufgrund eines von uns bejahten Anfangsverdachts“. Dann müsse man von Amts wegen Ermittlungen einleiten und könne nicht zuwarten.
Als Ermittler aus Niedersachsen bei Krachs Wohnung in Berlin klingelten, telefonierte er just in dem Moment mit der Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Sie sprachen über den Hauptstadtfinanzierungsvertrag, wie Krach sagt. Sprangers Sprecherin bestätigt das. Dass sie Krach gewarnt haben könnte, wird strikt zurückgewiesen. „Frau Spranger hatte zu dem Zeitpunkt keine Kenntnisse über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover bzw. über von dieser Behörde zu verantworteten Durchsuchungen“, teilte sie auf SZ-Anfrage mit. Auch Krach sagt: „Ich kann ausschließen, dass wir über den Durchsuchungsbeschluss gesprochen haben.“ Erst am Abend habe er mit Spranger über das Thema gesprochen.
Niedersachsens Justizministerin war zunächst nicht im Bilde
Krach wurde direkt das Handy abgenommen, sodass das Gespräch mit der Berliner Innensenatorin abbrach. Mehrere Leute seien auf ihn zugestürmt und hätten dann die Wohnung durchsucht, vor den Augen seiner Kinder, sagt er. „Das macht etwas mit einem Vierjährigen, mit einem Zwölfjährigen.“ Auch die niedersächsische Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) war nicht richtig im Bilde über die Aktion. Sie sei am Dienstagabend telefonisch in groben Zügen über das Verfahren informiert worden, wobei der Beschuldigte nicht namentlich genannt worden sei, sagte eine Sprecherin der Süddeutschen Zeitung. „Mitgeteilt wurde lediglich, dass es sich um einen Bewerber der SPD bei den anstehenden Wahlen handelte.“
Angesichts der Kommunalwahlen in Niedersachsen sei die Ministerin davon ausgegangen, dass es sich um eine Person handelte, die in Niedersachsen kandidiert. „Gestern Morgen, gegen 8 Uhr, hat die Ministerin durch Vorlage eines schriftlichen Berichts der zuständigen Staatsanwaltschaft über weitere Inhalte und den Namen des Beschuldigten Kenntnis erlangt.“
Am Donnerstag sagt Krach in Hinblick auf seine Rolle als Spitzenkandidat: „Ich werde die nächsten zehn Tage weiter Wahlkampf machen und danach alles dafür tun, um diese Vorwürfe aufzuklären.“ Er habe nichts zu verbergen und sich nichts vorzuwerfen. Rückhalt kommt aus seiner Partei. Franziska Giffey, die derzeit noch Wirtschaftssenatorin in Berlin ist, versprach Krach „volle Solidarität“. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Raed Saleh, sagte der SZ, seine Fraktion könne aufgrund der Rücküberweisung der Spende „weder eine politische noch eine strafrechtliche Relevanz“ erkennen. Den „zeitlichen Zusammenhang zu demokratischen Wahlen“ bezeichnete er als „bedenklich“.