SPD und Grüne um die 8 bis 9 Prozent: Das Schönreden dieses Resultats ist Teil des Problems
Geschafft, gerettet, gerade noch mal gutgegangen? Ein Ergebnis um die acht bis neun Prozent deutete sich im Laufe des Wahlabends in Sachsen-Anhalt sowohl für die SPD als auch für die Grünen an. Doch nicht nur ist das zumindest für die SPD per se ein niederschmetterndes Ergebnis. Dazu ist auch noch offensichtlich, dass ein Teil davon geschenkte Stimmen sind.
Nach Lage der Dinge ist davon auszugehen, dass taktische Wählerinnen und Wähler die Grünen in sichere Entfernung von der Fünf-Prozent-Hürde gehievt haben. Auf dass keine Stimme verloren gehe im Versuch, eine absolute Mehrheit der AfD zu verhindern.
Auch der SPD dürfte genutzt haben, dass vermutlich manche Wahlberechtigte in Sachen Fünf-Prozent-Hürde auf Nummer sicher gehen wollten. Die negative Strahlkraft des CDU-Spitzenmannes Sven Schulze wird ihr Übriges getan haben.
Das alles wissen Sozialdemokraten und Grüne natürlich. Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak hat am Wahlabend zumindest ehrlich anerkannt, dass seine Partei ihr Ergebnis zum Teil taktischen Wählerinnen und Wählern zu verdanken hat. Die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas jedoch beginnt ihre Stellungnahme im ARD-Interview mit dem Satz: „Also erstmal haben wir unser Ergebnis gehalten.“ Als wäre dieses Resultat für ihre Partei erfreulich. Als gäbe es für die Sozialdemokraten Anlass, sich selbst auf die Schulter zu klopfen.
Mischung aus Hilflosigkeit und Realitätsflucht
So ähnlich wie Bas klang Armin Willingmann, Spitzenkandidat der SPD in Sachsen-Anhalt. Er sprach von einem respektablen Ergebnis, das man sich nicht „totreden“ lassen dürfe. Als wäre die SPD in Sachsen-Anhalt quicklebendig.
Ihre Partei habe ihr Ergebnis gehalten, diesen Teil der Wahrheit stellte Bas an den Beginn ihrer Analyse – statt damit anzufangen, welche Bedeutung dieser historische Wahlabend für Sachsen-Anhalt und für die gesamte Bundesrepublik hat. Das Ergebnis der CDU ist halbiert, das der AfD mehr als verdoppelt. Womöglich ist Ulrich Siegmund der nächste Ministerpräsident. Mit Sicherheit macht das Bas große Sorgen. Doch sie redet nicht so, wie es dem angemessen wäre.
Die SPD-Spitzenfunktionäre deuteln an einem einstelligen Ergebnis herum, um es zum Erfolg zu erklären. Das zeigt die Mischung aus Hilflosigkeit und Realitätsflucht, in der die SPD gefangen ist und die auch die Wählerinnen und Wähler nur zu genau spüren.