SPD - "Wahlkampfhilfe für Autokraten": Vorwürfe gegen VW nach Audi-Chef-Auftritt bei Trump

Der Auftritt des Vorstandschefs der VW-Tochter Audi, Döllner, im Wahlkampf von US-Präsident Trump ist auf Kritik gestoßen. Es sei eine Schande, insbesondere in Anbetracht der Geschichte des VW-Konzerns, erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete Cademartori.

26.10.2026

Isabel Cademartori. SPD, spricht im Bundestag. Sie trägt einen weißen Blazer.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori (picture alliance / dts-Agentur / dts Nachrichtenagentur GmbH)

Die Verkehrsexpertin sprach von Wahlkampfhilfe für einen Autokraten. Während Arbeitnehmer in Deutschland um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze zitterten, verkünde Audi Milliardeninvestitionen in ein neues US-Werk. Damit stütze der Konzern Trumps Strategie, mit einem Handelskrieg Arbeitsplätze auf Kosten Europas in die USA zu holen. Zudem warf Cademartori Audi vor, direkt dabei zu helfen, dass Demokratieabbau, Gewalt gegen Minderheiten und Korruption unter diesem Präsidenten unkontrolliert weitergehen könnten. Das sei ein neuer Tiefpunkt für den VW-Konzern.

Ihren Hinweis auf die Geschichte des VW-Konzerns führte Cademartori nicht näher aus. Volkswagen ist in der Nazi-Zeit gegründet worden und diente dem Regime Hitlers als Vorzeigeunternehmen.

Auftritt von Audi-Chef verstößt gegen eigene Richtlinien

Audi verteidigte seine Pläne. Döllner erklärte, es sei keine Entscheidung gegen den Standort Deutschland. Die Modelle, die künftig in den USA gebaut werden sollen, würden bisher in Bratislava gefertigt. Außerdem gebiete es der Respekt vor dem Amt, eine Einladung des US-Präsidenten anzunehmen. Es geht um Investitionen von rund 4 Milliarden Euro. Trump hatte bei einer Veranstaltung den Bau eines Audi-Werks verkündet. Döllner nahm teil und dankte Trump für dessen Unterstützung.

Döllners Auftritt verstößt offenbar auch gegen die eigenen Richtlinien des Autokonzerns. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hatte Döllner vor rund einem halben Jahr eine Selbstverpflichtung unterzeichnet. Demnach dürften "in den drei letzten Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine" mit beteiligten Parteien oder Politikern mehr wahrgenommen werden. Audi verpflichte sich zudem zu Neutralität im Umgang mit Parteien und Interessengruppen, heißt es dort weiter. Damit verstoße der Auftritt gegen die eigenen Richtlinien.

Lies: Wachstum in USA darf Arbeit in Deutschland nicht verdrängen

Ministerpräsident Lies, der als Vertreter des Landes Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat sitzt, sagte, die USA seien ein wichtiger Markt für Volkswagen und es sei strategisch richtig, ihn noch besser zu erschließen. "Mehr Produktion dort ist dann eine Chance, wenn auch die Werke und die Beschäftigten in Deutschland davon profitieren. Wachstum in Amerika muss Arbeit und Wertschöpfung hier sichern und darf sie nicht verdrängen", sagte der SPD-Politiker.

IG Metall mahnt Perspektiven für deutsche Standorte an

Die IG Metall äußerte sich zu den Werksplänen grundsätzlich positiv, verband dies aber auch mit einer Mahnung. "Den US-Markt durch ein neues Werk besser zu erschließen ist richtig und notwendig", sagte die Erste Vorsitzende Benner in einer Mitteilung. Jedoch müssten verbindliche Perspektiven für die Beschäftigten an allen Standorten klar definiert werden. Dabei sei der Vorstand in einer Bringschuld. Benner verwies außerdem darauf, die abschließende Entscheidung über einen möglichen Fabrikneubau in den USA stehe unter dem Vorbehalt der Gremienzustimmung. Im Aufsichtsrat der Volkswagen AG ist Benner stellvertretende Vorsitzende.

Krise bei VW

Volkswagen steckt in der Krise. Die Verkäufe von Elektroautos nehmen zwar an Fahrt auf, die Gewinnmargen sind dort jedoch kleiner. Zugleich belasten die Zölle der US-Regierung und vor allem das wegbrechende Geschäft in China die Unternehmen. Volkswagen setzt auf den Abbau zehntausender Stellen: Bis 2030 sollen bei Europas größtem Hersteller weltweit bis zu 100.000 der knapp 667.000 Jobs wegfallen, die meisten davon in Deutschland.

Mehr zum Thema:

Diese Nachricht wurde am 26.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.