Eintracht Frankfurt: Adi Hütter setzt auf Dreierkette in Leipzig
Klar ausgesprochen hat es Adi Hütter nicht, aber er hat sich entschieden. Der Trainer der Frankfurter Eintracht lässt sein Team in Leipzig (Samstag, 18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) in veränderter Grundordnung antreten. Wie lässt sich sein Satz anders interpretieren? „Ich werde die Viererkette jetzt nicht an die Wand schmeißen!“ Eine Aussage, die keinen Sinn machte, wenn er an der gewohnten Formation festhalten würde.
Die Wiedereinführung der Dreierkette ist keine Grundsatzentscheidung, der Österreicher betont, dass seine Mannschaft taktisch flexibel bleiben werde. Aber zunächst einmal stellt er ein Plus an Stabilität in der Verteidigung über ein variantenreicheres Angriffsspiel mit vier offensiven Protagonisten.
Dass ihm die Abwägung schwergefallen ist, macht Hütter deutlich. „Über 90 Minuten haben wir mit der Dreierkette in Mainz die beste Leistung abgeliefert, über eine Halbzeit war die beste Saisonleistung aber mit der Viererkette gegen Augsburg.“ Nur folgte dann ein Einbruch in der zweiten Halbzeit, der nach Pausenführung mit einer 1:4-Niederlage endete.

Dass so etwas in Zukunft nicht wieder geschieht, ist wahrscheinlicher mit der Dreier-Abwehrkette, die bei gegnerischem Ballbesitz zur Fünferkette wird. Nicht nur wegen der numerischen Gewichtung in Richtung Defensive, sondern vor allem, weil sich Abwehrchef Robin Koch mit zwei Innenverteidigern als Nachbarn wesentlich wohler fühlt und wesentlich besser agiert.
SGE-Coach setzt Koch unter Druck
Hütter macht deutlich, dass er mehr von seinem Mannschaftskapitän verlangt als das bisher von ihm Angebotene: „Robin weiß ganz klar, was ich von ihm erwarte. Ich sehe, dass er versucht, die Dinge auch dementsprechend umzusetzen. Doch da ist noch Potential und Luft nach oben. Es gibt sicherlich noch Dinge, die er besser machen kann. Und das weiß er selbst.“
Vor allem fehlt es dem 30 Jahre alten Innenverteidiger an Konstanz. Entschlossen geführten Zweikämpfen folgen immer wieder falsche Entscheidungen und individuelle Fehler. Seinem eigenen und dem Anspruch des Trainers, ein Führungsspieler zu sein, der den Kollegen Anweisungen gibt und sie positiv beeinflusst, entbehrt damit die Grundlage. Koch kämpft darum, der Aufgabe gerecht zu werden. Hütter sagt: „Robin macht seine Schritte, aber er kann und muss in diese Rolle noch besser reinwachsen.“ Und Hütter unterstützt ihn damit mit der Rückkehr der Dreierkette.

Womit in der Offensive nur noch drei Plätze für vier Stammspieler frei sind. In Mainz erwischte es Younes Ebnoutalib, aber inzwischen hat sich der Status des 23-Jährigen verändert – vom Aufsteiger zum Nationalspieler. So ganz klar ist die Hierarchie nicht mehr, als dass es hieße: Ebnoutalib spielt nur, wenn in einer Viererkette verteidigt wird.
Jonathan Burkardt ist gesetzt, wenn er fit ist, Can Uzun und Ritsu Doan waren es bisher, befinden sich nun aber im Kampf mit Ebnoutalib um einen Platz in der Startelf. Die Belastungssteuerung spricht für eine Pause des Japaners. Doan bestritt alle vier Länderspiele in den vergangenen Wochen und hat die größten Reisestrapazen hinter sich.
Dafür ist Uzun mental angeschlagen zurückgekehrt. Der 20-Jährige wurde nur dosiert eingesetzt, sein Team verlor aber alle vier Begegnungen und wurde in der Heimat von den Medien und den Fans ausgezählt. Der Frankfurter musste sich neben harschen Kritiken sogar Buhrufe gefallen lassen. Hütter versuchte in dieser Woche, seinen jungen Mittelfeldspieler in einem längeren Gespräch aufzufangen.
„Es ist nicht leicht, sich zu entscheiden“, bekannte Hütter am Donnerstag, nach der Startelf befragt. Viele Überlegungen spielten eine Rolle, unter anderem die, wer als Einwechselspieler besonders geeignet ist. „Es ist wichtig, wenn man einen Spieler auf der Bank hat, der das Spiel noch einmal richtig beeinflussen kann.“

Im Endeffekt wird es in Leipzig weniger wichtig sein, wer spielt, sondern mit welcher Einstellung die Profis den Platz betreten. „Wenn wir so auftreten wie in Mainz, wird es Leipzig schwer mit uns haben. Wenn wir Leipzig den Platz lassen, sodass es sein Tempo entwickeln kann, wird es schwierig für uns“, sagt Hütter und verlangt einen kompakten Auftritt – „in der Breite und in der Tiefe des Spielfeldes“.
Die Statistik spricht gegen die Eintracht, bis auf einen 1:0-Sieg 2024 (Torschütze Knauff) gab es für sie in Leipzig in den vergangenen Jahren kaum etwas zu holen. Das Momentum spricht zumindest nicht gegen die Frankfurter. In Leipzig steht der neue Trainer Martin Demichelis in der Kritik und unter Druck, zudem sind einige wichtige Spieler verletzt oder angeschlagen.
Hütter kann aus dem Vollen schöpfen, viele Nationalspieler sind mit Erfolgserlebnissen zurückgekehrt: Burkardt, Ebnoutalib, Doan und vor allem die Junioren Noel Aseko, Elias Baum und Nnamdi Collins, die sich mit der U 21 für die EM qualifizierten und mit starken Leistungen überzeugten. Die Daheimgebliebenen konnten während der dreiwöchigen Länderspielpause einiges aufarbeiten und vermittelten im Testspiel gegen Eintracht Braunschweig den Eindruck, dem Re-Start entgegenzufiebern.
Ein bisschen Aufbruchstimmung lag über dem Frankfurter Proficamp am Donnerstag, als alle Profis erstmals wieder zum gemeinsamen Training versammelt waren. Ob die XXL-Länderspielpause Segen oder Fluch gewesen sei, wurde Hütter gefragt: „Weder noch“, antwortete der Trainer. Die Antwort könnte nach ein paar Spielen eindeutiger ausfallen.