Spielplatz in Bad Salzhausen: Klettern in 20 Metern Höhe zwischen Baumkronen
Stand: 04.08.2026, 07:00 Uhr
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Im Unteren Kurpark entsteht eine Spiellandschaft auf zwei Ebenen. Drei Türme sind durch eine 20 Meter lange Kletter- und Netzlandschaft verbunden.
Bad Salzhausen – Nur was für Kinder? Richtig. Große Kindsköpfe inbegriffen. Die neue Spiellandschaft, die gerade in Bad Salzhausen entsteht, ist für jeden da. Jeden, der Lust hat, über Stämme zu balancieren, an Seilen zu klettern, in die Wolken zu schaukeln, Sandkuchen zu kosten, durch die Baumwipfel zu hangeln, seine Muskeln zu spannen – oder einfach mal gar nichts zu tun. Also chillend in einem gemütlichen Netz dem sanften Blätterrauschen zu lauschen. Voraussichtlich in der zweiten Augustwoche steht der neue Spielplatz im Unteren Kurpark zu 90 Prozent. Die Einweihung findet im April 2027 zur Landesgartenschau statt.

Millimetergenau bugsieren die Männer die zwei gewaltigen Holztürme, die ein Tieflader aus dem Allgäu herangekarrt hat. Zentimeter für Zentimeter schweben sie zwischen den alten Baumkronen hindurch. Die Monteure geben Handzeichen und dirigieren die Türme auf die vorbereiteten Fundamentblöcke. Stück für Stück wächst eine außergewöhnliche Spiellandschaft heran – eingebettet in den ehrwürdigen Baumbestand.
Denkmalschutz und Heilquellen
Der Kurpark in Bad Salzhausen ist denkmalgeschützt, liegt im Heilquellenschutzgebiet und unterliegt einem Parkpflegewerk. Das erfordert eine genaue Abstimmung und Umsicht. Drei Beispiele: Kein Tropfen Kraftstoff darf in den Boden gelangen. Die Bagger werden außerhalb des Parks betankt und dürfen dort über Nacht nicht stehen bleiben. Auch die Fundamente wurden bereits im Werk vorgefertigt, damit auf der Baustelle kein Beton ausgewaschen wird. In den hölzernen Schutzgerüsten für die Bäume, die die Stämme wie einen Faltenrock umgeben, steckt keine einzige Schraube.
„Jeder der drei neuen Spielplätze der Landesgartenschau ist individuell für seinen Standort entwickelt worden“, sagt Thomas Hellingrath, Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft. Während in Gedern eine Spiellandschaft im Stil einer Fachwerkbaustelle entsteht und in Büdingen ein modernes Spielareal gebaut wird, nutzt der Spielplatz in Bad Salzhausen die vorhandenen Baumgruppen. „Das Besondere hier ist die Aufteilung auf zwei Ebenen. Kinder können sich sowohl am Boden als auch zwischen den Baumkronen tummeln.“ Gleichzeitig sind die Bereiche nach Altersgruppen gegliedert, sodass sich Kleinkinder und Ältere nicht in die Quere kommen.
Die neue Spielanlage gliedert sich in drei Bereiche. Im vorderen Abschnitt entsteht ein geschützter Kleinkinderbereich unter den Bäumen. Sandspielflächen, Balancierstrecken, eine Bauchschaukel, eine Wackelplattform und kleine Rückzugsorte laden die Jüngsten zum Entdecken ein. Für ältere Kinder beginnt dahinter die eigentliche Abenteuerlandschaft.
Drei Türme sind durch eine rund 20 Meter lange Kletter- und Netzlandschaft miteinander verbunden – eine Dimension, die selbst erfahrene Planer nur selten umsetzen. Hangelstrecken, Seilbrücken, Kletternetze und Balancierstationen bieten unterschiedlich anspruchsvolle Herausforderungen.
Inklusiver Ansatz
Vom bodennahen Einstieg bis zum Weg durch die Baumwipfel wächst der Schwierigkeitsgrad Schritt für Schritt. Für die Größeren sind insgesamt neun Bewegungs- und Fitness-Stationen vorgesehen, die zu verschiedenen Kraft-, Ausdauer- und Beweglichkeitsübungen einladen. Kleinere Hinweistafeln beschreiben, was in diesem verspielten Fitness-Parcours zu tun ist.
„Nicht alles ist für jeden geeignet – aber für jeden gibt es etwas“, beschreibt Landschaftsarchitekt sowie Planer und Konstrukteur der Firma Hochkant, Jonas Krämer, das Konzept. „Wenn wir Rollstuhlfahrer und blinde Menschen in die Planung einbeziehen, decken wir rund 90 Prozent aller Einschränkungen ab“, erläutert er. Die Firma Hochkant hat sich auf Spielplätze, Seilgärten, Outdoor-Fitness, Baumhäuser und anderes spezialisiert. Sie ist beauftragt, die Ideen des Planungsbüros „bbzl böhm benfer zahiri – landschaften städtebau architektur“ aus Berlin umzusetzen. Eigene Akzente sind ausdrücklich erwünscht.

Die Spiellandschaft verfolgt dabei einen konsequent inklusiven Ansatz. Kinder mit und ohne Beeinträchtigung sollen gemeinsam Spaß haben können. Kräftig eingefärbte Robinienstämme ragen in die Höhe. Jeder Stamm ist ein Unikat, geschält und geschliffen. Seine ursprüngliche Form blieb jedoch erhalten. Die kräftigen Farben bilden ein kontrastreiches Leitsystem und erleichtern sehbehinderten Menschen die Orientierung. Halte- und Führungsseile ermöglichen das Ertasten einzelner Wegeabschnitte. Umsetzpodeste erleichtern Rollstuhlfahrern den Wechsel auf verschiedene Spielebenen. Selbst große Wackelplattformen wurden so konstruiert, dass sie gemeinsam von Kindern und Begleitpersonen genutzt werden können. (red)