Spionage per Immobilie: Russland baut sich ein Netz aus trojanischen Pferden mitten in Europa auf
Spionage per Kaufvertrag: Wie Russland Europa mit Immobilien gefährlich nahe kommt
Stand: 16.08.2026, 22:08 Uhr
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Russische Spione tarnen sich als Immobilienkäufer: Wie Häuser und Wohnungen zur Waffe gegen Europa werden – und wer noch im Verdacht steht.
Vergessen wir für einen Moment den modernen Krieg, der mit Drohnen, künstlicher Intelligenz und anderen Teufelswerken geführt wird. Krieg wird auch mit Baumaterialien wie Ziegelsteinen geführt – und zwar in dem Sinn, dass der Immobilienmarkt zu einem potenziellen Schlachtfeld geworden ist. Denn hier wird Kapital verschoben, hier werden Adressen für Geheimoperationen und Sabotage eingerichtet, das große Geschäft des Wiederaufbaus vorweggenommen und Allianzen zwischen alten und neuen Feinden geschlossen und wieder aufgelöst. Dass russische und ukrainische Oligarchen glücklich im Ausland leben, nachdem sie ihren Wohnsitz verlegt und eine Staatsbürgerschaft in Zypern, Monaco oder Malta erhalten haben, ist hinlänglich bekannt. Und der jüngste Anschlag auf den ukrainischen Oligarchen Vadim Ermolaev hat die Verflechtungen des sogenannten „Bataillon Monaco“ offengelegt.
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Dieser Artikel von Massimo Nava entstand in Kooperation mit Corriere della Sera
Es ist bekannt, dass Russen, die noch nicht von Sanktionen betroffen sind, und Ukrainer, die ins Ausland geflohen sind, fröhlich italienische und französische Touristengebiete frequentieren. Es handelt sich nicht nur um eine Urlaubswelt: Es geht um Mächtige im Exil, die mächtig genug sind, um die zukünftigen Karten der Länder im Konflikt zu entwerfen und bei den Kapiteln des Wiederaufbaus und der Entwicklung mitzureden. Doch es gibt neuere Phänomene, die Aufmerksamkeit verdienen. So etwa das Wachstum des Immobilienmarktes in mehreren europäischen Städten, auch im Osten wie Warschau. Nach Ansicht von Branchenvertretern handelt es sich um offenkundige Kapitaltransfers, größtenteils russischer und ukrainischer Herkunft.

„Sie schrecken vor keinem Preis zurück und schlagen Bartransaktionen vor“, sagt ein bekannter Immobilienmakler, der kürzlich ein Büro genau in der polnischen Hauptstadt eröffnet hat. Hinzu kommt ein erstes Interesse am ukrainischen Immobilienmarkt zwischen Kiew, Odessa und Lwiw. Es handelt sich um ausländische Akteure, die auf die derzeit sehr niedrigen Preise spekulieren und sich darauf vorbereiten, die Nachkriegszeit und den Wiederaufbau zu nutzen. In der Ukraine wiederholt sich, was in den vergangenen Jahren im ehemaligen Jugoslawien geschehen ist: Das Haus ist das letzte Überlebensgut der neuen Armen oder das begehrte Häppchen der neuen Reichen.
Immobilien sind trojanisches Pferd und Sicherheitsrisiko zugleich
Besorgnis herrscht zudem in den skandinavischen Ländern, insbesondere in Schweden und Finnland, aber auch im bereits erwähnten Polen, da man davon ausgeht, dass einige Immobilienerwerbe als trojanisches Pferd der Russen für Spionage- und Destabilisierungsoperationen dienen könnten. Es wurden Käufe in der Nähe sensibler Ziele und strategischer Zonen festgestellt, sodass die Behörden überlegen, wie sie diese Verträge blockieren und neue in jedem Fall verhindern können. Mit anderen Worten: Der Immobilienkaufvertrag könnte eine Kriegswaffe sein, wie die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter und die britische Zeitung The Telegraph deutlich machen.
So schrieb der Telegraph jüngst: „In ganz Westeuropa nutzen russische Spione den Immobiliensektor, um das Territorium mit ‚trojanischen Pferden‘ zu überziehen, um eine koordinierte Sabotagekampagne zu starten.“ „Es ist bekannt, dass die russischen Geheimdienste in einer Vielzahl europäischer Länder tätig sind und natürlich Basen benötigen, von denen aus sie agieren können“, sagte Ola Svenonius vom Schwedischen Institut für globale Verteidigungsforschung. Isoliert betrachtet wird eine Immobilientransaktion oft vollkommen harmlos erscheinen. Erst wenn alle Teile des Puzzles zusammengesetzt werden, ergibt sich ein Gesamtbild, und das Ausmaß des Phänomens wird deutlich.
Der finnische Verteidigungsminister Antti Häkkänen hatte im Februar gegenüber der Agentur Bloomberg erklärt, dass einige ukrainische Immobilien im Besitz russischer Staatsbürger genutzt worden seien, um verschiedene Aktivitäten von Nachrichtendiensten bis zu Sabotageaktionen durchzuführen, einschließlich der Vorlagerung von militärischem Material.
Gesetze gegen russische Käufer und Verdacht in Nordeuropa
„Uns ist die Existenz dieser Praktiken bekannt, aber es bedarf weiterer Forschung, um ihr Ausmaß zu bestimmen“, kommentiert Hanna Smith, Expertin für hybride Bedrohungen und Sicherheitspolitik an der Universität Vaasa in Finnland. Finnland, Polen und die baltischen Staaten haben bereits Vorschriften eingeführt, um russische Staatsbürger an Immobiliengeschäften zu hindern. Die schwedischen Staatssicherheitsdienste (Säpo) befürworten die Einführung einer ähnlichen Gesetzgebung in Schweden. Stockholm hat eine Untersuchungskommission eingesetzt. Dem Telegraph nahestehende Geheimdienstquellen bestätigten, dass Immobilien im Besitz russischer Staatsbürger auf europäischem Boden genutzt werden könnten, um Informationen zu sammeln, Spionage zu betreiben oder Sabotagekampagnen im Auftrag Moskaus zu koordinieren.
Unter den russischen Geschäftsleuten, die Vermögenswerte in Europa erwerben, wird niemand öffentlich zugeben, im Auftrag Moskaus zu handeln, doch der Zusammenhang zwischen den Inhabern der Macht und der Finanzelite ist unbestreitbar. Nach Ansicht einiger Experten besteht kein Zweifel, dass Russland bereit ist, die Immobilien seiner Bürger für Operationen in Europa zu nutzen. Das Land hat sich ohnehin ein rechtliches Mandat verschafft, dies sowohl in Friedens- als auch in Kriegszeiten zu tun, betonen Stefan Ingvarsson und die finnischen Staatssicherheitsdienste: „Alle russischen Staatsbürger sind verpflichtet, die militärischen Interessen des Landes zu dienen. Jeder, der dies durch eine Immobilien- oder andere Transaktion tun kann, hat die gesetzliche Pflicht dazu.“
„Der Immobiliensektor ist ein Instrument zur Ausübung eines feindlichen Einflusses. Dieser Gesetzentwurf wurde konzipiert, um jedes potenzielle Risiko für die Sicherheit des Staates zu verringern“, heißt es zu Beginn der Vorstellung des Gesetzesentwurfs im finnischen Parlament. Es ist nicht gesagt, dass derartige Maßnahmen ausreichen. Pecunia non olet, wie immer. Man kann auf Strohmänner oder Mietverträge zurückgreifen oder, banaler, auf den ukrainischen Verwandten oder „Freund“. Angesichts des Korruptionsniveaus in der Ukraine wäre das kaum überraschend.
Misstrauen auch gegenüber den USA und Sorge vor Wahlbeeinflussung
Wenn es stimmt, dass sich Europa vor Russland in Acht nehmen muss, so stimmt es ebenso, dass es auch beginnt, dem amerikanischen Freund zu misstrauen. In Brüssel herrscht Alarm über die Möglichkeit, dass die Vereinigten Staaten (wie zuvor bereits Chinesen und Russen) beabsichtigen, die Wahlprozesse in Europa zu beeinflussen, zumal mit Blick auf die in Frankreich, Italien und Deutschland für 2027 angesetzten Termine. Den Alarm schlug der unabhängige Europaabgeordnete Fabio De Masi, gefolgt von der Erklärung des Justizkommissars Michael McGrath: „Die Exekutive verstärkt ihre Unterstützung für die Mitgliedstaaten und die Interessenträger, um die Integrität und die Vorbereitung von Wahlen zu verbessern, die wahlbezogene Infrastruktur zu schützen, die Risiken ausländischer Einmischung zu minimieren und die Zusammenarbeit zu stärken.“
In diesem Sinne beabsichtigt die Europäische Kommission – schreibt Eunews –, zu prüfen, ob aus den Vereinigten Staaten potenziell schädliche Finanzierungen kommen könnten, also von Akteuren, die daran interessiert sind, die vorwahlliche Debatte und folglich die Wahlabsichten zu beeinflussen. „Im Rahmen des Europäischen Kooperationsnetzwerks für Wahlen arbeitet die Kommission mit den Mitgliedstaaten an mehreren Fronten zusammen, darunter Transparenz und Integrität der politischen Finanzierung“, betont McGrath. Die Exekutive der Union tut dies, „indem sie Fragen von gemeinsamem Interesse wie anonyme Spenden und Kryptowährungen prüft, unter voller Achtung der Kompetenzverteilung“.
Die Rolle privater Akteure und ein dichtes Wahljahr 2027
Es genügt daran zu erinnern, dass Elon Musk sich seinerzeit persönlich dafür eingesetzt hat, die rechtsextreme AfD in Deutschland zu unterstützen, während der amerikanische Vizepräsident JD Vance offen den Sieg Orbáns in Ungarn herbeigewünscht hat. Ganz zu schweigen von den persönlichen Angriffen Trumps auf verschiedene europäische Führungspersönlichkeiten, allen voran den Sozialisten Pedro Sánchez. Das Jahr 2027 beginnt mit der deutschen Präsidentschaftswahl (30. Januar). Am 7. März wird in Estland ein neues Parlament gewählt. Im April und Mai stehen die französischen Präsidentschaftswahlen an, und zu einem noch festzulegenden Termin finden die Wahlen in Italien statt.