Sport schützt vor Demenz – körperliche Arbeit offenbar nicht

Mann im Geschäftsanzug beim hektioschen Sprint mit Blick auf die Armbanduhr

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Eine Analyse von mehr als vier Millionen Menschen zeigt: Für das Demenzrisiko kommt es entscheidend darauf an, warum und wie wir uns bewegen.

Zu den wichtigsten Demenzrisiken zählen Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Übergewicht, Bewegungsmangel, Depressionen, Rauchen sowie geringes Bildungsniveau.

Wer Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht vorbeugen will, muss auf sein Gewicht achten. Dazu benötigt er eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen.

Zucker – auch versteckten Zucker in hoch verarbeiteten Lebensmitteln – sollte man nur in Maßen zu sich nehmen. Dieser stellt zwar keine direkte Gefahr für das Demenzrisiko dar, doch Menschen, die viele zuckerreiche Nahrungsmittel essen, erhöhen das Risiko, später an Typ-2-Diabetes und in der Folge auch an Alzheimer zu erkranken.

Außerdem hat es sich als wichtig gezeigt, genügend Schlaf zu bekommen und langes Sitzen zu vermeiden. Menschen, die stundenlang bewegungslos auf der Couch oder vor dem Computer sitzen, schaden ihrem Körper erheblich. Aber auch soziale Kontakte und Unternehmungen sind für ein fittes Gehirn von Bedeutung.

Geistige Herausforderungen halten das Gehirn besonders im fortgeschrittenen Alter fit und leistungsfähig. Die mediale Berieselung an einsamen Fernsehabenden, ohne aktive Diskussion in der Folge, gilt nicht als leistungsfördernd.

Erst wenn die Denkarbeit für das Gehirn anstrengend wird und über Routine hinausgeht, werden die Nervenzellen im Gehirn aktiviert. Das gilt auch bei sportlichen Aktivitäten: Sie sollten daher den Körper fordern und ihn ins Schwitzen bringen. Ein gemütlicher Spaziergang allein entfaltet dabei vermutlich nicht dieselbe Wirkung wie körperlich fordernde Aktivität.

Nicht jede körperliche Bewegung hilft das Demenzrisiko zu senken

Körperliche Bewegung gilt dabei heute als einer der wichtigsten Schutzfaktoren vor Demenz. Zahlreiche Studien belegen, dass aktive Menschen länger geistig fit bleiben. Wer sein Demenzrisiko senken möchte, erhält daher den Rat, sich regelmäßig körperlich zu betätigen. Eine neue Untersuchung im Fachjournal The Lancet Public Health zeigt nun jedoch: So einfach ist diese Empfehlung offenbar nicht. Entscheidend könnte sein, warum wir uns bewegen.

Die Forscher gingen in ihrer Untersuchung der Frage nach, ob es für das Gehirn einen Unterschied macht, was genau der Anlass für die körperliche Aktivität ist: Sport, Beruf, Haushalt oder der Arbeitsweg?

Und tatsächlich zeigte sich, dass der lange übersehene Faktor "Kontext" im Hinblick auf das Demenzrisiko überraschend bedeutsam zu sein scheint.

Das Team bündelte die Ergebnisse von 74 veröffentlichten Studien aus 30 Ländern. Insgesamt nahmen an den ausgewerteten Studien 4.227.297 Menschen teil. Diese waren zu Beginn im Median 67,3 Jahre alt. Auch die Dauer der Beobachtung unterschied sich von Studie zu Studie. Im Median wurden die Teilnehmer zehn Jahre lang begleitet.

Während dieser Jahre erfassten die Forscher, wie körperlich aktiv die Menschen waren und ob bei ihnen später eine Demenz diagnostiziert wurde. Bei den Aktivitäten wurde unterschieden zwischen Bewegung in verschiedenen Kontexten. Einmal war es Bewegung in der Freizeit, dann körperliche Aktivität in Beruf, Hausarbeit oder Bewegung auf dem Arbeitsweg. Die Ergebnisse schienen die bekannte Botschaft zunächst zu bestätigen, denn wer sich viel bewegt, hat seltener Demenz. Bei den besonders Aktiven lag das Risiko rund ein Fünftel niedriger.

Besonders deutlich wurde die Bedeutung der Bewegung beim Vergleich zwischen Freizeit und Beruf. Wer sich etwa beim Spazierengehen, Radfahren, Joggen, Schwimmen oder Sport ertüchtigte, hatte ein um 24 Prozent niedrigeres Demenzrisiko als Menschen mit wenig Freizeitbewegung.

Für körperliche Anstrengung im Beruf ergab sich jedoch ein gänzlich anderes Bild. Personen, die körperlich hart arbeiteten, hatten ein um 20 Prozent höheres Risiko für Demenz als Menschen mit wenig körperlicher Belastung im Beruf.

Warum Sport anders wirkt als körperliche Arbeit

Der Epidemiologe und Bewegungsforscher Natan Feter, der die Studie leitete, kommentiert in einer Pressemitteilung: "Die Ergebnisse stellen die seit Langem verbreitete Annahme infrage, dass für die Gesundheit des Gehirns jede Bewegung zählt."

Warum Arbeit anders wirken könnte als Sport, lässt sich aus der Analyse nicht ableiten. Das Forschungsteam vermutet, dass es mit den Begleitumständen zusammenhängt, also mit dem Kontext. Freizeitaktivitäten geschehen meist freiwillig.

Man kann Tempo und Dauer selbst bestimmen und Pausen machen, wann man möchte. Zudem gehen sie oft mit Freude, seelischer Entspannung und sozialen Kontakten einher. Das kann Stress abbauen und Herz und Kreislauf stärken. Beides könnte auch dem Gehirn nutzen.

Körperlich anstrengende Jobs bestehen dagegen oft aus immer gleichen Bewegungen, langem Stehen oder schwerem Heben. Die Arbeitskräfte können nicht immer selbst entscheiden, wann sie Pausen einlegen.

Darüber hinaus sind sie mitunter ungünstigen Einflüssen wie Stress, Lärm, Luftverschmutzung und anderen Belastungen ausgesetzt. Hinzu kommt: Wer nach einem anstrengenden Arbeitstag erschöpft ist oder wenig freie Zeit hat, bewegt sich möglicherweise seltener freiwillig in der Freizeit. Das sind aber nur Erklärungsansätze, keine Studienergebnisse.

Was aus der Studie folgt – und was nicht

Die Studie zeigt nicht, dass körperliche Arbeit an sich Demenz verursacht. Ebenso gut können andere Faktoren eine Rolle spielen, die mit körperlich belastenden Berufen häufiger einhergehen, etwa Stress, wenig Erholungszeit, geringe Einflussmöglichkeiten am Arbeitsplatz oder Belastungen durch Lärm und Schadstoffe.

Die sinnvollere Schlussfolgerung lautet daher, dass es offenbar nicht nur darauf ankommt, wie viel wir uns bewegen, sondern auch, unter welchen Bedingungen. Freizeitbewegung blieb daher in der Analyse mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden.