Sprouts Farmers Market: KI-Bär stopft sich auf Bauernmarkt voll

Stand: 24.09.2026, 18:43 Uhr

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Michael Burry baut seine Short-Wetten gegen Tech-Aktien aus und stockt zugleich seine Position bei Sprouts Farmers Market auf. Was hinter der Wette auf die US-Supermarktkette steckt.

Michael Burry, der bekannte KI-Skeptiker der Wall Street, gilt als Crash-Prophet. Diesen Ruf hat er sich mit seinen Wetten gegen NVIDIA, Micron Technology und Palantir redlich verdient. In dieser Woche baute er diese Shorts weiter aus. Gleichzeitig stockte der „Big Short"-Investor seine Kauf-Position bei dem US-Unternehmen Sprouts Farmers Market (ISIN: US85208M1027, Symbol: SFM) auf. Was steckt dahinter und hat der KI-Bär den richtigen Riecher?

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit BÖRSE am Sonntag.

Wie aus einer Filiale 490 wurden

Sprouts Farmers Market klingt nach einem Bauernmarkt, und genau das ist die Idee dahinter. Die Supermarktkette aus Phoenix, Arizona hat ihre Filialen bewusst um das Konzept der Frische herum gestaltet. Statt Obst und Gemüse wie im klassischen Supermarkt an den Rand zu verbannen, bildet die Frischeabteilung das Zentrum jeder Filiale. Drumherum stehen Regale mit niedriger Höhe. Wer bei Sprouts einkauft, soll sich eher wie auf einem Wochenmarkt fühlen als in einem sterilen Discounter. Mit diesem Konzept positioniert sich das Unternehmen als Nachfahre der historischen Bauernmärkte. Das funktioniert.

Eine Filiale von Sprouts Farmers Market.

Eine Filiale von Sprouts Farmers Market. © IMAGO/Eduardo Barraza

Gegründet wurde die Kette 2002 mit einer einzigen Filiale. Seither ist sie kräftig gewachsen. Ende Juni 2026 betrieb Sprouts 490 Filialen in 25 US-Bundesstaaten. Mit seiner Idee trifft das Unternehmen einen Nerv. Das Sortiment ist konsequent auf den Gesundheitstrend zugeschnitten: frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, Molkereiprodukte, Tiefkühlkost, Backwaren sowie ein breites Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln. Hinzu kommen viele bio-, pflanzenbasierte und glutenfreie Eigenmarken. Damit positioniert sich das Unternehmen zwischen klassischen Supermärkten wie Walmart und Costco Wholesale sowie teureren Biospezialisten wie Whole Foods.

Wachsen will Sprouts vor allem über neue Filialen. Jährlich sollen rund 10 Prozent neue Standorte hinzukommen. Ausreichend Platz dafür gäbe es: Trotz der bereits erreichten Größe sind für Sprouts viele Regionen in den USA weiße Flecken auf der Landkarte. Das Unternehmen selbst beziffert sein Filialpotenzial auf über 1.000 Standorte. Es gibt also noch ordentlich Spielraum, weiter zu wachsen und damit den Trend der letzten Jahre fortzusetzen. Von 2015 bis 2025 kletterte der Umsatz durchschnittlich um 9,4 Prozent pro Jahr auf zuletzt 8,81 Milliarden US-Dollar. Noch deutlicher stieg der Gewinn. Das bereinigte Ergebnis je Aktie wuchs im selben Zeitraum jährlich um rund 20 Prozent, von 0,83 auf 5,31 US-Dollar. Sprouts wird also nicht nur größer, sondern auch profitabler.

Zahlen, die Burrys Wette stützen

Ist diese wachsende Profitabilität vielleicht eines der Argumente, die Michael Burry dazu bewogen haben, seine Position in die SFM-Aktie nun auf eine volle Positionsgröße aufzustocken? Plausibel wäre es. Im Zehn-Jahres-Durchschnitt erzielte Sprouts eine Bruttomarge von 32,9 Prozent und eine Nettomarge von 3,9 Prozent. Zum Vergleich: Walmart kommt im selben Zeitraum auf 24,9 Prozent brutto und 2,5 Prozent netto, Costco sogar nur auf 12,9 beziehungsweise 2,4 Prozent. Sprouts wirtschaftet damit profitabler als die großen Konkurrenten, obwohl das Unternehmen im Vergleich zu ihnen eher ein Nischenanbieter ist. Aber vielleicht liegt gerade in dieser Nische die Stärke.

Weitere Entwicklungen stützen die Ertragskraft. So wächst die eigene Handelsmarke kräftig. 2025 legte der Umsatz damit um 33 Prozent zu und er macht mittlerweile gut ein Viertel der Gesamterlöse aus. Eigenmarken gelten im Einzelhandel traditionell als margenstärker als Fremdmarken. Außerdem läuft inzwischen mehr als die Hälfte des Umsatzes über das 2025 landesweit ausgerollte Kundenbindungsprogramm Sprouts Rewards. Kurzfristig könnten die Kosten der Einführung zwar erst einmal zulasten der Gewinne gehen, längerfristig sind damit aber stabilere und besser planbare Einnahmen möglich.

Beim Blick nach vorn spricht ein weiteres Argument für das Unternehmen. Die durchschnittlichen Markterwartungen gehen für den Zeitraum 2025 bis 2028 von einem Wachstum beim operativen Cashflow von rund 11,8 Prozent pro Jahr aus. Diese Prognosen sind anspruchsvoll, aber nicht zu hoch gegriffen. Denn das Wachstum in den letzten 10 Jahren lag genau in dieser Größenordnung.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Bewertung tatsächlich „ziemlich attraktiv", wie Burry seine Kaufentscheidung jüngst begründete. So beträgt das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) auf Basis des für das laufende Geschäftsjahr erwarteten Cashflows 9,13. Für die nächsten beiden Jahre verringert sich diese Kennzahl auf 8,3 und 6,8. Nach der Überbewertung vor einigen Jahren und der deutlichen Kurskorrektur seit dem Allzeithoch von 182 US-Dollar im Juni 2025 scheint die Aktie damit als längerfristiges Investment interessant, sofern man an die Zukunft des Geschäftsmodells glaubt und gleichzeitig die Risiken abwägt.

Wo es für Sprouts eng wird

Eine große Herausforderung ist die Wachstumsverlangsamung in den bestehenden Filialen. Im Laufe des Jahres 2025 ließ die Dynamik bei den vergleichbaren Umsätzen spürbar nach. Im ersten und zweiten Quartal 2026 gab es sogar leichte Rückgänge. Ein erheblicher Teil dieser Schwäche beruhte auf positiven Sondereffekten in den Vergleichsperioden wie stark gestiegenen Eierpreisen und einem Streik bei einem Konkurrenten. Diese Effekte trüben auch die Prognosen für das Gesamtjahr. Insgesamt rechnet Sprouts aber mit einem Umsatzwachstum von 5,5 bis 6,5 Prozent.

Zu den grundsätzlichen Risiken zählt ein hartes Wettbewerbsumfeld. Konkurrenten wie Walmart und Costco bauen ihr Bio-Sortiment kontinuierlich aus und können Sprouts über ihre schiere Größe im Preis unterbieten, während Whole Foods im Premiumsegment um dieselbe Kundschaft kämpft. Hinzu kommt eine Konzentration auf der Beschaffungsseite: Der Großhändler KeHE bestreitet rund die Hälfte aller Wareneinkäufe für Sprouts. Ein Ausfall dieses einen Partners ließe sich kaum kurzfristig kompensieren. Ein Unsicherheitsfaktor für die gesamte Branche ist die wachsende Verbreitung von Abnehmspritzen wie GLP-1-Präparaten. Sprouts sieht darin einen möglichen Belastungsfaktor für die Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln.

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Value-Chance abseits des KI-Hypes

Grundsätzlich sollte man keinem Investor wie Burry blindlings folgen, nur weil dieser einen bestimmten Trade eingeht. Denn das ist immer auch abhängig von dem jeweiligen Portfolio. Burrys Argument einer attraktiven Bewertung ist bei Sprouts aber plausibel. Die SFM-Aktie könnte daher für längerfristig agierende Investoren interessant sein, auch weil sie aus charttechnischer Sicht nach der heftigen Korrektur einen Boden gefunden zu haben scheint. Allerdings zeigt die Kursentwicklung in den letzten Monaten auch, dass es die Aktie schwer hat, nachhaltiges Aufwärtsmomentum zu entwickeln. Der Absturz vom Rekordhoch hat Spuren hinterlassen, was erst einmal weiter nachwirken könnte. Wer einen längeren Atem hat und wem das Geschäftsmodell überzeugt, könnte jedoch ein Investment in Erwägung ziehen, vor allem auch dann, wenn man abseits des KI-Hypes nach Chancen sucht.