Stadtbäume drohen zu verdursten – so kannst du ihnen helfen Bäume leiden unter der Hitze – so kannst du ihnen helfen
Die Sommer in Deutschland werden immer heißer und trockener – das hat Folgen, nicht zuletzt für Stadtbäume. Sie spenden Schatten, kühlen die Luft, filtern Schadstoffe und verbessern unser Klima. Doch viele von ihnen leiden unter extremer Trockenheit. Wir zeigen, wie du ihnen helfen kannst.
Je nach Baumart und Größe kann ein ausgewachsener Laubbaum an einem heißen Sommertag zwischen 100 und 400 Liter Wasser verdunsten – eine enorme Leistung, die die Umgebung spürbar kühlt. Mit einer Krone von 15 Metern Durchmesser kann ein Baum eine Fläche von 160 Quadratmetern beschatten, so groß wie eine geräumige 4- bis 5-Zimmer-Wohnung. Doch diese natürliche Klimaanlage steht zunehmend unter Druck:
- Versiegelte Böden lassen kaum Wasser durchsickern.
- Dichte Bebauung behindert das Wurzelwachstum.
- Trockenperioden nehmen zu.
- Die Grünflächenämter sind vielerorts überlastet.
Junge Bäume sind besonders gefährdet: Sie haben noch kein tiefes Wurzelsystem entwickelt und können daher nicht auf tiefere Bodenwasservorräte zugreifen. Ohne zusätzliche Wassergaben sterben viele bereits in den ersten Jahren nach der Pflanzung ab.
„Nehmen Sie sich einen Eimer und gießen Sie Ihren Baum. Er wird es Ihnen danken“, appelliert Senatorin Ute Bonde (CDU) von der Berliner Senatsverwaltung für Klimaschutz und Umwelt. Das gilt vor allem für junge Bäume.
Bei großen Bäumen dagegen werde das Wurzelwerk mit ein paar Eimern Wasser gar nicht erreicht. Doch auch ältere Bäume können von vergangenen Trockenphasen geschwächt sein und zusätzliche Bewässerung vertragen.
So erkennst du durstige Bäume
Viele Stadtbäume zeigen bereits frühzeitig Stressanzeichen. Auf diese Warnsignale solltest du achten:
- eingedrehte, gelbe oder vertrocknete Blätter
- sichtbar lichte oder „durchsichtige“ Kronen
- kleinere oder blassere Neuaustriebe
- früher Laub- oder Astabwurf – teilweise schon im Hochsommer
Gießhilfe für Bäume: So machst du es richtig
Immer mehr Städte rufen Bürger:innen dazu auf, beim Gießen mitzuhelfen. Wie du konkret helfen kannst, hängt vom Alter des Baumes ab:
Jungbäume (bis ca. 10 Jahre): Diese profitieren am meisten vom Gießen durch Bürger:innen. Sie haben noch kein tiefes Wurzelsystem entwickelt und sind auf externe Wassergaben angewiesen.
- Zeitpunkt: Frühmorgens oder abends gießen – tagsüber verdunstet das Wasser zu schnell.
- Menge: 50 bis 100 Liter pro Gießgang (≈ fünf bis zehn Gießkannen) sind laut BUND Naturschutz eine gute Orientierung.
- Häufigkeit: Einmal pro Woche, bei extremer Hitze zweimal – lieber seltener und gründlich als täglich ein bisschen
- Technik: Lockere zuerst die Erde um den Baum auf, so kann das Wasser besser eindringen. Dann langsam und nah am Stamm gießen, bei hartem Boden in mehreren Etappen. Tipp: Ein kleiner Erdwall rund um den Baum hält das Wasser zurück und lässt es gezielt versickern.
Altbäume (über 10 Jahre): Hier ist die Wirkung von Bürgergießen begrenzt. Das Wurzelwerk reicht tief und weit, einzelne Eimer Wasser erreichen es kaum. Trotzdem ist Gießen nicht sinnlos, besonders bei anhaltender Trockenheit oder an schwierigen Standorten:
- Sinnvoll: Langsames, großflächiges Gießen rund um die gesamte Baumscheibe, nicht nur direkt am Stamm
- Menge: Bei längeren Trockenperioden können laut BUND Naturschutz 150 bis 200 Liter pro Gießgang sinnvoll sein.
- Tipp: Spezielle Gießsäcke (z. B. Treegator) ermöglichen eine langsame Tiefenversickerung über mehrere Stunden und sind effektiver als Gießkannen. Manche Städte verleihen sie kostenlos. Es lohnt sich, beim Grünflächenamt nachzufragen.
Generell gilt: Eine lockere Mulchschicht rund um den Baum hilft zusätzlich, die Bodenfeuchte länger zu erhalten und die Erwärmung des Bodens zu reduzieren.
Gemeinsam gießen macht mehr Spaß und geht schneller – frag Nachbar:innen, ob ihr euch zusammentun wollt!
Warum Brauchwasser ideal ist – und wie du es sammelst
Auch wenn die bundesweite Trinkwasserversorgung aktuell noch gesichert ist, wächst regional der Druck: Mehr als 80 Landkreise und Städte haben bereits Wasserentnahmeverbote verhängt oder zum Wassersparen aufgerufen (Stand: Juli 2026). Wasser bleibt ein wertvolles Gut, mit dem wir sorgsam umgehen sollten – gerade in Zeiten klimatischer Extreme.
Deshalb: Nutze Brauchwasser zum Gießen, wo immer möglich. Das hilft Bäumen und schont gleichzeitig Ressourcen.
Geeignet sind zum Beispiel:
- Abgestandenes Trinkwasser
- Wasser vom Gemüsewaschen
- Duschwasser (beim Aufwärmen auffangen)
- Kochwasser ohne Salz oder Fett
- Tiertränken-Wasser
- Altes Blumenwasser
Wer einen Garten hat, sollte zusätzlich Regenwasser in Tonnen oder Zisternen sammeln – es ist kostenlos, weich und perfekt für Pflanzen.
Baumscheiben bepflanzen – ein echter Klimahelfer
Ein weiterer wertvoller Beitrag: Bepflanze die Baumscheiben! Die oft kahlen Flächen rund um Stadtbäume – sogenannte Baumscheiben – sind mehr als nur dekorative Fläche. Wenn du sie mit pflegeleichten, trockenresistenten Pflanzen wie Lavendel, Thymian, Fetthenne oder Ringelblume bepflanzt, tust du gleich mehrfach Gutes:
- Der Boden bleibt länger feucht. Bodendecker schützen die Erde vor direkter Sonneneinstrahlung und reduzieren so die ungenutzte Verdunstung aus dem nackten Boden. Zwar verdunsten die Pflanzen selbst ebenfalls Wasser, doch unter dem Strich profitiert der Baum: Der Boden trocknet langsamer aus.
- Der Boden wird aufgelockert, wodurch Regen besser versickern kann.
- Die Pflanzen fördern Artenvielfalt und bieten Nahrung für Bienen & Co.
- Du schützt den Baum vor Trittschäden, Müll und Hundeurin. Letzteres ist besonders schädlich: Der hohe Stickstoffgehalt im Urin kann die Feinwurzeln direkt am Stamm schädigen und den Boden langfristig belasten.
Geeignete Pflanzen sind zum Beispiel: Kriechender Günsel, Wilde Storchschnabel, Taubnessel, Lavendel, Thymian, Fetthenne oder Ringelblume.
Tipp: Informiere dich bei deiner Stadt oder Kommune, was erlaubt ist – viele begrüßen Baumscheiben-Patenschaften ausdrücklich.
Städte brauchen langfristige Lösungen – und die richtigen Bäume
Dauerhaft kann das Problem nicht durch mehr Gießen allein gelöst werden. Neben dem Engagement der Bürger:innen brauchen Städte strukturelle Anpassungen: größere Baumscheiben, entsiegelte Flächen, wasserspeichernde Böden und gezielte Regenwasserspeicherung.
Entscheidend ist auch die Wahl der richtigen Baumarten. „Wir müssen gezielt Arten und Sorten einsetzen, die mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen. Nur gesunde und vitale Bäume können ihre Funktion als natürliche Klimaanlagen langfristig erfüllen“, erklärt Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen (BdB).
Der BdB hat eine Liste von 65 sogenannten Zukunftsbäumen veröffentlicht, die Kommunen bei der Auswahl geeigneter Arten unterstützt – darunter sowohl heimische als auch nicht heimische Gehölze. Die Liste ist kostenlos unter gruen-ist-leben.de erhältlich.
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