Frankfurts öffentlicher Raum: Millionen verpufft, Visionen gesucht

Stadtplanung braucht einen langen Atem. Diese Aussage ist zwar grundsätzlich richtig, doch in Frankfurt wirkt sie zunehmend wie eine Ausrede dafür, dass bei der Verbesserung des öffentlichen Raums seit einigen Jahren nur noch wenig vorangeht. Die Umgestaltung des Mainufers mit dem Hafenpark in der Nähe der Europäischen Zentralbank als Schlusspunkt war der bisher letzte große Wurf mit einem sichtbaren Gewinn für Frankfurter und Besucher des Stadtzentrums.

Das ist schon mehr als zehn Jahre her. Seitdem wird vor allem diskutiert, ohne zu Ergebnissen zu kommen. In den Debatten darüber fühlt man sich manchmal so, als wäre man von einer Zeitmaschine in weit zurückliegende Jahre versetzt worden. Themen, Kritik und Argumente ändern sich ebenso wenig wie die Realität auf unwirtlichen Plätzen, von denen die Hauptwache und die Konstablerwache im Stadtzentrum nur die prominentesten sind.

Millionen sind wirkungslos verpufft

Die 30 Millionen Euro, die 2022 für die Belebung der Innenstadt bereitgestellt wurden, sind weitgehend wirkungslos verpufft. Das einzige sichtbare Projekt, das daraus finanziert wurde, ist das eher zufällig und konzeptlos entstandene Kunstwerk „A Sky Full of Hope“, das über der Konstablerwache schwebt und kontrovers diskutiert wird. Auch das 1999 eingeführte Gestaltungsprogramm „Schöneres Frankfurt“ fristet ein Schattendasein. Und wenn doch mal ein Projekt daraus realisiert wird, vergehen wie bei der Umgestaltung des kleinen Karlsplatzes im Bahnhofsviertel von der Planung bis zur Fertigstellung mehr als zehn Jahre, in denen sich die Kosten vervierfacht haben.

Mit diesem Tempo, das durch langwierige und fruchtlose Verfahren der Bürgerbeteiligung weiter gedrosselt wird, gerät Frankfurt zunehmend ins Abseits. Dabei wird der Handlungsdruck immer größer. Seit der Corona-Pandemie hat der öffentliche Raum als Aufenthaltsort an Bedeutung gewonnen, ohne dass die Stadtplanung darauf reagiert hätte. Der Klimawandel erfordert eine Gestaltung mit mehr Grün und Schatten. Und nicht zuletzt zwingt der Wandel der Innenstädte mit der schwindenden Bedeutung des Einzelhandels zu neuen Ansätzen, um Menschen zu einem Aufenthalt in der City zu bewegen.

Frankfurt sieht sich gerne als Metropole, die bei der Ansiedlung internationaler Institutionen und Unternehmen im Wettbewerb steht mit Städten wie London, Paris und Amsterdam. Zumindest gestalterisch wird Frankfurt diesem Anspruch nicht gerecht, es fehlen Ambitionen und Visionen. Architekten, Stadtplaner, Unternehmer und engagierte Bürger weisen immer wieder darauf hin. Bei der Politik haben sie bisher nur in sehr begrenztem Umfang Gehör gefunden.