Kiez trauert um Klaus: Sein Platz bleibt jetzt leer

Hamburg

Stammgast im Elbschlosskeller: Trauer um Kiez-Original Klaus (†86)

Stammgast Klaus saß manchmal wochenlang am Tresen.
Elbschlosskeller (Instagram)

Viele Wochen am Stück verbrachte Klaus in der Kultkneipe am Hamburger Berg. Jetzt ist der Stammgast gestorben. Drei Wegbegleiter erinnern sich an ihn.

Trauer im Elbschlosskeller auf St. Pauli: Klaus, einer der ältesten Stammgäste der Kultkneipe, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Das teilte das Team auf Instagram mit. Man habe sich zunächst etwas Zeit genommen, um die Nachricht zu verarbeiten. Die Wirte Daniel Schmidt, Susanna Horn und Mitarbeiterin Francis L. erinnern sich im Gespräch mit der MOPO an einen Mann, der jahrelang zum Elbschlosskeller gehörte.

Seinen Stammplatz hatte Klaus, ein früherer Seefahrer, in einer Ecke des Elbschlosskellers. Sein persönlicher Rekord: Fast vier Wochen soll er laut dem Abschiedsbeitrag dort am Stück verbracht haben. Mitarbeiterin Francis L. (37), genannt „Pinky“, erinnert sich auch an einen Daueraufenthalt von 21 Tagen. Bereits 2023 hatte Klaus mit 18 Tagen am Stück für Schlagzeilen gesorgt.

Manchmal verließ der „Gentleman“ seinen Stammplatz, wechselte in den benachbarten Goldenen Handschuh, ging zwischendurch essen und schlief auch mal im Elbschlosskeller. Die Mitarbeiter achteten während seiner langen Aufenthalte auf ihn – sein Leibgericht war die Wan-Tan-Suppe eines örtlichen Vietnamesen.

Immer höflich – egal, wie viel er getrunken hatte

Francis kannte Klaus seit vier Jahren. Besonders seine freundliche Art sei ihr in Erinnerung geblieben. „Er war immer ordentlich gekleidet, egal wie lange er hier war, egal wie betrunken er war“, erzählt sie der MOPO. Anzug und Krawatte waren Pflicht für Klaus. Respektvoll sei er gewesen, habe viel gescherzt und sich immer höflich mit „Bitte“ und „Danke“ bedankt.

Auch Susanna Horn hat Klaus als zurückhaltenden und freundlichen Mann in Erinnerung. Er habe gerne Gespräche geführt und sei nie besonders fordernd gewesen. Horn beschreibt ihn als einen Lebemann, der gerne Rotwein trank und auch im hohen Alter noch mitfeierte.

Wenn Klaus fehlte, machten sich die Mitarbeiter Sorgen

Doch nicht immer war Klaus im Elbschlosskeller anzutreffen. Wenn er längere Zeit nicht auftauchte, machten sich die Mitarbeiter Sorgen. Wie Wirt Daniel Schmidt der MOPO erzählt, tauschen sich rund 20 Beschäftigte in einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe aus, darunter auch Reinigungskräfte und Türsteher. Wenn Klaus einmal drei Wochen lang nicht zu sehen war, wurde dort nach ihm gefragt. Gerade in den vergangenen zwei Jahren sei das immer wieder vorgekommen.

Zuletzt war Klaus laut dem Abschiedsbeitrag rund zwei Wochen vor dessen Veröffentlichung für etwa sieben Tage im Elbschlosskeller. Die genauen Umstände seines Todes sind bislang nicht bekannt.
Für das Team bleibt vor allem die Erinnerung an einen höflichen und zuvorkommenden Stammgast, der bis zuletzt die alte Schule gelebt habe.

„Nun hat er das letzte Mal für uns seinen Hut gehoben“, schreibt der Elbschlosskeller auf Instagram. Und verabschiedet sich mit den Worten: „Wir werden dich nicht vergessen und sagen Tschüss zu einem der letzten Hamburger Originale.“