Steam unter Linux: Endlich 64 Bit, aber ohne 32 Bit geht es nicht

Unter Windows hat Valve den Steam-Client bereits mit dem Update vom 19. Dezember 2025 auf 64 Bit umgestellt. Unter Linux konnten Beta-Teilnehmer seit März auf die neue Architektur wechseln, mussten dafür aber die Option “Use experimental SteamRT3 Steam Client” manuell aktivieren. Seit dem Update vom 15. Oktober ist der 64-Bit-Client in der Linux-Beta standardmäßig aktiv.

Ganz ohne 32-Bit-Bibliotheken kommt Steam dennoch nicht aus. Einzelne Client-Komponenten und ältere Spiele benötigen sie weiterhin. Wann Valve die verbliebenen 32-Bit-Programme des Clients ersetzt, ist nicht bekannt.

Steam-Beta für Linux: 64-Bit-Client läuft in der Steam Runtime

In den Release Notes zur Steam-Client-Beta nennt Valve drei Änderungen für Linux. Zwei betreffen die Architektur: Steam ist nun eine native 64-Bit-Anwendung und läuft in einem Container der Steam Runtime. Die Laufzeitumgebung verwendet Valve bereits seit Jahren für Linux-Spiele.

Der Client bezieht einen Großteil seiner Bibliotheken damit aus der Steam Runtime statt aus der jeweiligen Linux-Distribution. Das soll Unterschiede zwischen den unterstützten Systemen verringern. Als primäre Zielsysteme führt Valve in der Dokumentation des Beta-Clients Distributionen auf Basis von Arch, Debian und Fedora auf. Das README des stabilen Clients nennt weiterhin nur Ubuntu.

Der dritte Eintrag behebt einen Fehler, durch den bei einigen Nutzern die Update-Oberfläche nicht erschien.

Teilnehmer der Steam-Beta erhalten den 64-Bit-Client automatisch. Wer zur Beta wechseln möchte, wählt unter Einstellungen > Interface bei “Client Beta Participation” den Eintrag “Steam Beta Update”.

Dabei gelten die Systemanforderungen des Beta-Clients. Neben glibc 2.31 benötigt der Steam-Runtime-Container einen Linux-Kernel ab Version 5.6 sowie unprivilegierte User- und Mount-Namespaces.

Bei Distributionen mit AppArmor, etwa Ubuntu, muss die entsprechende Namespace-Nutzung durch ein passendes Profil erlaubt sein. Alternativ lässt sich die Beschränkung über Sysctl ändern.

Steam-Beta für Linux: Anforderungen des 64-Bit-Clients

Bereich Anforderung
Architektur x86_64 mit Multilib: 32- und 64-Bit-Versionen der Bibliotheken und Grafiktreiber; reine 64-Bit- und reine 32-Bit-Systeme nicht unterstützt
Prozessor x86_64-CPU mit CMPXCHG16B und SSE3
Grafik Vulkan-fähige Grafikkarte, OpenGL- und Vulkan-Treiber
C-Bibliothek glibc 2.31 oder neuer
Kernel Linux 5.6 oder neuer
Namespaces Unprivilegierte User- und Mount-Namespaces; unter AppArmor Profil mit userns oder apparmor_restrict_unprivileged_unconfined = 0
Grafiksitzung X11-Sitzung oder Xwayland
Audio pipewire-pulse oder PulseAudio (JACK und ALSA dmix nicht unterstützt)
System D-Bus-Session-Bus
Empfohlen xdg-desktop-portal, udisks2, systemd --user, Videobeschleunigung per VA-API, NVENC oder CUDA (32 und 64 Bit)

Warum Steam unter Linux weiterhin 32 Bit benötigt

Der neue Steam-Client macht 32-Bit-Systembibliotheken nicht überflüssig. Valves README für den Beta-Client (“steamrt3c”) verlangt auf x86_64-Systemen weiterhin die benötigten Bibliotheken und Grafiktreiber in 32 und 64 Bit.

Eine der verbliebenen Komponenten ist nach bisherigen Testerberichten der Prozesswächter “reaper”, über den Steam Spiele startet. Laut einem Fehlerbericht im Steam-for-Linux-Tracker verwendet Steam dafür noch die 32-Bit-Binärdatei aus der Steam Runtime 1.

Dokumentiert wurde das zuletzt mit Beta-Builds vom September. Ob der Oktober-Build bereits einen 64-Bit-Reaper enthält, geht aus den Release Notes nicht hervor. Auch der Fehlerberichter “steamerrorreporter” und der Bootstrapper für die Erstinstallation liegen nach Angaben von Testern weiterhin als 32-Bit-Programme vor.

Unabhängig vom Client bleiben ältere Spiele auf 32-Bit-Unterstützung angewiesen. Simon McVittie, der bei Collabora an der Container-Technik der Steam Runtime arbeitet, verweist im selben Thread auf native Linux-Spiele wie Portal, die noch als 32-Bit-Programme vorliegen.

Hinzu kommt Proton. Valves Kompatibilitätsschicht führt zahlreiche 32-Bit-Windows-Spiele bislang mithilfe von 32-Bit-Linux-Code aus. Dafür werden auch die entsprechenden 32-Bit-Grafiktreiber für OpenGL und Vulkan benötigt. Selbst manche 64-Bit-Spiele verwenden laut einem Tester noch einen 32-Bit-Launcher.

Auch mit einem vollständig auf 64 Bit umgestellten Steam-Client bleiben die 32-Bit-Abhängigkeiten älterer Spiele bestehen.

WoW64 und eigener Reaper: Steam ohne 32-Bit-Bibliotheken

Für 32-Bit-Windows-Spiele bietet Wine mit WoW64 eine Möglichkeit, auf 32-Bit-Linux-Bibliotheken zu verzichten. Der Modus gilt seit Wine 11 nicht mehr als experimentell. Damit lässt sich 32-Bit-Windows-Code unter Verwendung von 64-Bit-Linux-Bibliotheken ausführen.

Proton 11 basiert zwar auf Wine 11, verwendet den neuen WoW64-Modus laut der Diskussion im Steam-for-Linux-Tracker aber nicht standardmäßig. Tester aktivieren ihn über die Umgebungsvariable PROTON_USE_WOW64=1.

Auch für den Reaper gibt es eine inoffizielle Lösung. Der Quellcode des Programms ist öffentlich verfügbar und stammt von Valve-Entwickler Pierre-Loup Griffais. Daraus lässt sich eine 64-Bit-Version kompilieren, die den mitgelieferten 32-Bit-Reaper ersetzt.

Ein Arch-Nutzer berichtet, seine gesamte Spielebibliothek auf diese Weise ohne Multilib-Pakete nutzen zu können. Dauerhaft ist der Austausch allerdings nicht: Bei der Dateiprüfung stellt Steam die ursprüngliche Binärdatei wieder her.

Als Behelf dienen der Startparameter -noverifyfiles oder ein Skript, das den selbst kompilierten Reaper erneut einsetzt. Fehlt dem Linux-Kernel die Unterstützung für 32-Bit-Programme vollständig, können native 32-Bit-Linux-Anwendungen ohnehin nicht mehr starten.

Valve unterstützt diese Änderungen nicht offiziell. Ein zuverlässiger Steam-Betrieb ohne Multilib-Pakete ist damit weiterhin nicht allgemein gewährleistet.

Achievement Sets und weitere Neuerungen der Steam-Beta

Neben der Linux-Umstellung führt die Beta plattformübergreifend Achievement Sets ein. Entwickler können Erfolge künftig in Gruppen aufteilen, etwa für Einzelspieler, Koop oder einzelne DLCs.

Jede Gruppe erhält einen eigenen Fortschrittsbalken. Wer sämtliche Erfolge eines Sets freischaltet, bekommt eine Trophäe für sein Steam-Profil. Sie bleibt erhalten, wenn später neue Erfolge hinzukommen.

Für Remote Play ergänzt Valve außerdem die Option “Display Style”. Damit lässt sich das Bild bei abweichenden Seitenverhältnissen strecken oder zoomen.

  • Linux-Spieler in der Steam-Beta erhalten den 64-Bit-Client automatisch; die Steam Runtime soll Unterschiede zwischen Distributionen verringern.
  • Der neue Client benötigt mindestens Kernel 5.6 und glibc 2.31, während ältere Spiele weiterhin auf 32-Bit-Bibliotheken und passende Grafiktreiber angewiesen sind.
  • Plattformübergreifend können Entwickler Erfolge künftig in Gruppen aufteilen, sodass Spieler ihren Fortschritt etwa für DLCs oder Koop-Modi getrennt verfolgen können.

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Quelle: Valve