Pilz-Overtourism überrollt Wälder – „Man kommt viel häufiger beim Pilzesuchen ums Leben als beim Essen“
Steinpilz-Jagd mit tödlichem Risiko: Was Sammler jetzt dringend wissen müssen
Stand: 24.09.2026, 13:26 Uhr
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Steinpilze, Pfifferlinge, Parasol: Die Pilzsaison läuft – doch Overtourism, giftige Funde und Unfälle im Wald machen das Sammeln riskant.
Kassel – Vielleicht ist es eine Krankheit, und niemand hat sie je diagnostiziert. Einen Namen muss doch dieses Verlangen nach der Suche haben, das jedes Jahr ein Heer an Männern und Frauen dazu treibt, sich für Tage und Stunden in den Wald zu begeben, um Pilze zu suchen. Experten sind dabei die wenigsten. Eher handelt es sich um Menschen mit ein paar Gewissheiten zu den begehrtesten und wertvollsten Pilzen, allen voran dem berühmten Steinpilz, der im Lateinischen sozusagen als Boletus edulis firmiert. Hinter diesem sind wirklich alle her.
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Dieser Artikel von Giusi Fasano entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.
In diesem Jahr ist die Pilzsaison wegen der geringen Regenfälle später als üblich ausgebrochen, ungefähr zwischen Ende August und Anfang September fast überall. Zugleich ist es aber auch so, dass die immer noch recht hohen Temperaturen die Sammelzeit nach hinten verschieben dürften und die Wälder auch nach dem Zeitraum stark von Suchern frequentiert werden. Stark bedeutet in manchen Fällen zu stark, bis hin zu einem regelrechten Overtourism der Pilzsammler.

Vom Hochplateau von Asiago bis in die Sila: Überall dort, wo es einen Wald gibt, der viel verspricht und leicht zu erreichen und zu erkunden ist, sind seit Wochen Trupps von Sammlern unterwegs, Kinder eingeschlossen. Am Monte Amiata, berühmt für den größten Buchenwald Italiens, zeigte sich der spektakulärste Fall: Vor einigen Tagen kamen Pilzjäger mit Bussen an, um sich unter seinen Buchen auf die Suche nach Steinpilzen und den sogenannten Pfifferlingen (Cantharellus cibarius) zu verteilen, die zusammen mit der bekannten Parasolpilzart (Macrolepiota procera) und einigen Arten von Täublingen zu den bekanntesten und meistgesammelten Pilzen gehören.
Wenn Pilztourismus den Wald überrollt
Die sichtbarsten Folgen des Overtourism, sind die im Wald zu Tode geprügelten Pilze. Dieser Effekt kann aber auch an wenig frequentierten Orten durch einzelne Personen auftreten, die der Umwelt wenig Respekt entgegenbringen. Es geht darum, zu verstehen und zu wissen, dass Pilze, die weder dem Tier- noch dem Pflanzenreich angehören, in Symbiose mit den Bäumen leben und dass ihr Abschlagen – ob giftig oder nicht – dieser Symbiose schadet.
Das Sammeln von Pilzen, bei denen man sich nicht sicher ist, ist hingegen ein höchst wahrscheinlicher Schaden für die Gesundheit und manchmal ein Spiel mit dem Feuer, das das Leben kosten kann. Der altbewährte und stets gültige Rat lautet, sich an die örtliche mykologische Kontrollstelle zu wenden und nur Pilze zu sammeln, bei denen absolute Sicherheit besteht. Das ist gesunder Menschenverstand, und doch sammelt man allerhand.
Giftige Funde und unterschätzte Gefahren
Im Raum Treviso zum Beispiel waren im vergangenen Jahr von 980 Kilogramm Pilzen, die von Mykologen kontrolliert wurden, fast 200 Kilogramm giftig oder verdorben. Zum Glück bedeutet „giftig“ aber nur selten tödlich. In Giftzentren und Notaufnahmen landen Menschen, die nicht nur von giftigen Pilzen, sondern auch von eigentlich guten, jedoch schlecht oder zu wenig gegarten Arten vergiftet wurden.
Das größte Risiko für Pilzsammler ist aber eigentlich, sich durch unbekannte Wälder zu schlagen. Schluchten, rutschige Stellen, Abgründe, Wespennester: Unfälle sind häufig. Oder, um es mit den Worten von Pier Luigi Fedele, Kommandant der Forstkarabinieri von Parma und Piacenza und Mykologe, zu sagen: „Man kommt viel häufiger beim Pilzesuchen ums Leben als beim Pilzeessen.“