Stell dir vor, du darfst Sex haben, aber die Kondome sind ausverkauft
Im Kino
Stell dir vor, du darfst Sex haben, aber die Kondome sind ausverkauft
Die Sex-Komödie "One Night Only" funktioniert wie "The Purge": Eine Nacht im Jahr darf das Volk vögeln, was das Zeug hält. Manche erhoffen sich die große Liebe
Valerie Dirk
Dystopien sind vielfältig. Da gibt es welche, in denen die Welt zum Wüstenplaneten wurde. Andere, wo Männer Kinder bekommen oder die Erde von einer Horde Zombies überrannt wird. Es gibt auch solche, wie zuletzt in Ridley Scotts Das Ende der Sterne, in der die Menschheit durch eine Viruserkrankung stark dezimiert wurde. Das Problem des Bevölkerungsschwunds scheint in der Dystopie, die Regisseur Will Gluck auf die Leinwand bringt, allerdings nicht zu herrschen. Denn von allen Dingen ist eines besonders verboten: der Beischlaf.
One Night Only spielt im New York der nahen Zukunft. Die US-Amerikaner und -Amerikanerinnen werden von einer faschistischen Regierung beherrscht, die ihre Macht dahingehend ausspielt, dass sie Unverheirateten nur an einer Nacht im Jahr gestattet, Sex zu haben. Kontrolliert wird das über einen implantierten Chip, den alle gut sichtbar am Handgelenk tragen. Ist das süße Tattoo – es ist keine Zahl, das wäre zu makaber – rot, heißt das: Finger weg; ist es grün, darf man ran. Aber eben nur "one night only".
Sex ist Opium für das Volk
Während in einem Film wie The Purge das große Schlachten an einer einzigen Nacht des Jahres per Dekret erlaubt ist, um eine politisch koordinierte Säuberung vorzunehmen, wird in der Welt von One Night Only wohl eine kollektive Befriedigung der Bevölkerung der Grund für diese Ausnahmeregel sein: Nicht Religion, sondern Sex ist Opium für das Volk. Die Idee ist interessant, Sex ist politisch. Gerade in einer Zeit, in der Erotik auf der Leinwand nur noch mit problematisierender oder ironisierender Note versehen gezeigt wird. Kommen zwei Körper zusammen, wird es schnell gewalttätig, kinky oder albern, selten sexy.
Eine einzelne Nacht zur kollektiven Sex-Nacht auszurufen, nimmt aber nicht unbedingt den Druck raus. Und so hat es Allies Freundin Jacinta sehr eilig, einen Mann für die Nacht zu finden und lässt Allie alleine stehen. Auch Owens Verlobte Malika (Maya Hawke) will lieber mit dem Nachbarn in die Kiste, was Owens Heiratsantrag und den geplanten Beischlaf mit der Zukünftigen zunichtemacht. Wie Allie driftet er alleine durch eine Stadt, in der sich an allen Ecken und Enden Paare aufeinander stürzen. Es ist, wie wenn man in einem Berliner Klub das Licht anmacht.
Überfrachtete Emotionen
Allie – von ihrer lesbischen Mitbewohnerin, die lieber zu Hause bleibt, mit einem Kleid ausgestattet, das "verfügbare Christbaumkugel" kreischt – trifft also auf Owen. Das erste Mal endet abrupt, das zweite Mal sind beide getrennt voneinander auf der Jagd nach einem Kondom – die sind laut Regierung Pflicht, aber ausverkauft –; und als sie sich das dritte Mal treffen, müssen sie sich notgedrungen auf ein Packerl hauen. Die Nacht ist noch lang, viel kann passieren. Doch zwischen Allie und Owen passiert erst mal gar nichts; und als es dann funkt, wirkt das romantisch total überfrachtet.
Die Prämisse des Drehbuchs von Travis Braun, das 2024 die sogenannte Black List der begehrtesten noch nicht verfilmten Drehbücher des Jahres anführte, wirkt so verschroben, dass man möglicherweise etwas Interessantes hinbekommen hätte, wenn man das Ganze satirischer oder ernsthafter angegangen wäre. Als sexy RomCom mit erratischen Popsoundtrack geht es nicht auf. Schade ist es um Monica Barbaro, die als Allie, im Gegensatz zu Callum Turners Owen, eine tolle Leinwandpräsenz aufweist. (Valerie Dirk, 28.8.2026)
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